Landwirtschaft im Laden: Cornelia Winkler-Orf und ihre Mitarbeiterinnen bieten im Kiebitzladen eine große Auswahl von frischen Produkten aus eigenem Anbau und selbst Konserviertes an. - © Rolf Birkholz
Landwirtschaft im Laden: Cornelia Winkler-Orf und ihre Mitarbeiterinnen bieten im Kiebitzladen eine große Auswahl von frischen Produkten aus eigenem Anbau und selbst Konserviertes an. | © Rolf Birkholz

Gütersloh Raus aufs Land: Auf dem Kiebitzhof arbeiten 150 Mitarbeiter mit und ohne Behinderung

Im Zeichen des Regenpfeifers

Rolf Birkholz

Gütersloh. Von der Kartoffel bis zum fertigen Gericht ist beim Kiebitzhof nicht alles, aber doch fast alles zu haben, was Ackerboden, Gewächshaus und Hühnerstall hergeben, was in Küche, Backstube und Konservierungsabteilung verarbeitet wird. Als Teilbetrieb des Wertkreises Gütersloh kann der Bioland-Hof im Zeichen des zur Gattung der Regenpfeifer gehörenden Kiebitzes mehr leisten als eine normale Landwirtschaft und ist auch kein klassischer Bauernhof mit Bauer, Bäuerin und Kindern mehr. Das ist er auch nie gewesen. Das von Albert Menke als Geschäftsführer geleitete Unternehmen zur Nahrungsmittelerzeugung und -verarbeitung mit Hauptsitz an der Rhedaer Straße, mit der alten Hofstelle an der Buxelstraße sowie Ställen und Flächen an weiteren Standorten ist 1991 aus der ehemaligen Landwirtschaft des Landeskrankenhauses, des LWL-Klinikums, hervorgegangen. Geblieben aus dieser Tradition ist, dass auch behinderte Menschen hier arbeiten. Inklusion am Arbeitsplatz ist nicht Ausnahme, sondern Regel. So wirken zum Beispiel im von Cornelia Winkler-Orf geführten Kiebitzladen, der die eigenen Produkte direkt an den Endverbraucher verkauft, sechs Nichtbehinderte, vier Integrationskräfte, zwei behinderte Mitarbeiter und drei Aushilfen zusammen. Im Angebot findet sich natürlich das vom eigenen Bäcker Jürgen Fortmann entwickelte Spezial-Knäckebrot, laut Pressesprecher Steffen Gerz das "Exzellenzprodukt", das immerhin schon nach Singapur exportiert wurde. Aber es gibt auch Chutneys, Marmeladen und andere in der Konservierung von Karin Gosejohann kreierte Spezialitäten. 2013 hat man 110.000 Gläser Bio-Produkte plus 5.000 Einheiten Bio-Feinkost-Salate hergestellt. Frisches Gemüse kommt gleich aus den Treibhäusern auf der anderen Straßenseite. Über rund 17.000 geerntete Schlangengurken in diesem Jahr freut sich dort Mitarbeiterin Petra Faal. An Fruchtgemüse werden hier außerdem Tomaten, Paprika und Auberginen, dazu viele Kräuter gezogen. Auch diese Dinge gehen direkt an den Lebensmitteleinzelhandel und an regionale Hofläden. "Wir versuchen halt, Synergieeffekte zu schaffen", weist Steffen Gerz auf die direkte eigene Verwendung etwa von Gemüse hin. Die Küche des Kiebitzhofes liefere täglich um die 1.200 Mahlzeiten an Mensen, Kantinen und Kindergärten in der Umgebung. Dabei wird natürlich auch das eine oder andere Ei aus den Kiebitzhof-Ställen verbraucht, wenn auch längst nicht alle 3,5 Millionen, die sich der landwirtschaftliche Leiter Ralf Winkler für dieses Jahr zum Ziel gesetzt hat. Die meisten gehen an den Einzel- und Großhandel. An drei nahe beieinander liegenden Stellen an der Buxelstraße und Im Füchtei bekommen insgesamt 15.000 Legehennen ausreichend Platz und biologisch angebautes Futter. Gerade hat Winkler, der vorübergehend auch Rinder und Schafe auf dem Hof gehalten hat, erstmals Tiere der aus noch aus der DDR stammenden Rassen "Domäne Silver" und "Domäne Gold" erhalten und ist gespannt auf ihr Legeverhalten. Und scherzt: "Es gibt jetzt ein weißes Huhn, das braune Eier legt." Nein, stellt er klar: Die Hühnerfarbe wirkt sich nicht auf die der Eier aus. Aber weiße Eier haben mit Ostern zu tun. Weil sie sich besser färben lassen, seien sie dann begehrter.

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