Vater und Tochter: Hubert Meier zu Pavenstädt und Tochter Victoria mit Pferd Max vor dem Meierhof. - © Rolf Birkholz
Vater und Tochter: Hubert Meier zu Pavenstädt und Tochter Victoria mit Pferd Max vor dem Meierhof. | © Rolf Birkholz

Gütersloh Taufpate für einen ganzen Stadtteil

Raus aufs Land (4): Hof Meier zur Pavenstädt seit fast 1.000 Jahren in Familienbesitz

Rolf Birkholz

Gütersloh. Wenn es links zur JVA-Außenstelle geht und geradeaus die Weiterfahrt eigentlich verboten ist, muss man dem Pavenstädter Weg doch noch ein bisschen folgen, um ganz an dessen Ende auf den Hof Meier zu Paven-städt zu stoßen, der Urzelle der gleichnamigen Bauerschaft und damit auch eines der fünf eingemeindeten Gebiete, mit denen die Kernstadt 1910 zu „Groß-Gütersloh“ geworden ist. 1088 war Pavenstädt erstmals urkundlich erwähnt worden.

Und seither ist der Hof, von Generation zu Generation weitergegeben, in Familienbesitz, auch wenn man zeitweilig zu den Leibeigenen der Herrschaft Rheda gehört habe, sagt Hubert Meier zu Pavenstädt. Aber das ist lange her. Heute ist der Landwirt sein eigener Herr – und hat alle Hände voll zu tun.

Gerade hat er seinen Hoftrecker für das Gespräch am Vormittag abgestellt. Einen Mitarbeiter einzustellen, lohne sich nicht. „Das ist nicht rentabel.“ Ehefrau Gerlind und Tochter Victoria stehen Meier zu Pavenstädt zur Seite. Sohn Hubertus hat vor einiger Zeit das Gut Schledebrück in Rheda-Wiedenbrück geerbt.

Zu ihm gibt es familiäre und wirtschaftliche Bande. Er übernehme Kälber aus der 70-köpfigen Herde mit Limousin-Rindern zur Mast, berichtet Pavenstädt. Durch diese französische Rasse hat er vor ein paar Jahren das früher gezüchtete bayerische „Fleckvieh“ ersetzt. Die Limousin-Rinder seien robust, pflegeleicht und sähen auch noch schön aus, sagt Victoria Meier zu Pavenstädt.

Information

Fakten zum Hof

  • 1088 erstmals urkundlich erwähnt.
  • Stets in Familienbesitz.
  • 85 Hektar.
  • Der Zucht-, Reit- und Fahrverein Gütersloh veranstaltet sein jährliches Reitturnier auf dem Hof Pavenstädt, diesmal vom 21. bis 23. August. (rb)

Die Tochter ist voll im Betrieb tätig. Nach einer Ausbildung als tiermedizinische Fachangestellte schloss sie auch noch eine landwirtschaftliche Lehre ab. Das erwies sich nun, nachdem der Bruder das ihm aus der Verwandtschaft zugefallene Erbe angetreten hat, als goldrichtig. „Es ist nicht so einfach, sich dort durchzusetzen“, erinnert sie sich an die Ausbildungszeit in dem immer noch stark männerdominierten Beruf. Als Frau werde man da schon mal „komisch angesehen“.

In einigen Jahren werde die Tochter – und damit erst zum zweiten Mal in der Familiengeschichte eine Frau – den Hof übernehmen, erklärt Meier zu Pavenstädt vor dem Bauernhaus. Der Fachwerkbau ist laut Balkeninschrift 1748 neu aufgesetzt worden, weil „Sturm und wüstes Wetter“ ihn im Jahr zuvor beschädigt hatten.

Victoria Pavenstädt wird einen Vollerwerbsbetrieb führen, der auf hofnahen, sich unter anderem nahe der Herzebrocker Straße erstreckenden Flächen wie seit eh und je auf Ackerbau (Wintergerste, Roggen, Triticale, Silomais) und Viehzucht setzt, aber auch auf Pensionspferdehaltung. Diese habe sich in den vergangenen Jahren „immer erweitert“, erläutert Hubert Meier zu Pavenstädt. Rund 40 Pferde stehen auf der Weide und in den Stallungen und werden von den Pavenstädts für die Besitzer versorgt.

Da bleibt tagsüber nicht viel Zeit für Gespräche. Vieles machten zwar heute Maschinen, sagt Victoria Pavenstädt. Aber es bleibt genug Handarbeit. Und ihr Vater weist auf den Sturm vom Samstag hin, der einiges angerichtet habe. Auch mit Stürmen haben die Pavenstädts ja Erfahrung.

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