Bei der Arbeit: Benedikt und Raphael Wullengerd vermessen den frisch gezüchteten Rasen. Den verkaufen die Zwillinge inzwischen sogar über die Landesgrenzen hinaus - nach Österreich und Rumänien. - © Arian Amedie
Bei der Arbeit: Benedikt und Raphael Wullengerd vermessen den frisch gezüchteten Rasen. Den verkaufen die Zwillinge inzwischen sogar über die Landesgrenzen hinaus - nach Österreich und Rumänien. | © Arian Amedie

Gütersloh Experten fürs Grüne

RAUS AUFS LAND (3): Familie Wullengerd verkauft weltweit erfolgreich Rollrasen

Arian Amedie
Mit frischem Rasen: Die Zwillinge Raphael und Benedikt Wullengerd mit Vater Herrmann vor dem altehrwürdigen Fachwerkhaus. - © Arian Amedie
Mit frischem Rasen: Die Zwillinge Raphael und Benedikt Wullengerd mit Vater Herrmann vor dem altehrwürdigen Fachwerkhaus. | © Arian Amedie

Gütersloh. Endlich! Raphael und Benedikt Wullengerd arbeiten zusammen. Früher hatten sich zumindest beruflich voneinander trennen müssen. Der traditionsreiche Hof der Wullengerds hätte nicht beide Söhne bewirten können. Doch dank der Idee, Rollrasen zu züchten, gehören die Geschwister nun gemeinsam zu den erfolgreichsten Produzenten von Fertigrasen. Der Rasenhof Wullengerd ist der dritte Schauplatz der Reihe "Raus aufs Land".

Auf eine beeindruckende Geschichte kann der Hof Wullengerd zurückschauen. Vater Hermann erinnert sich zurück an die Zeit, in der er die Verantwortung für den im 16. Jahrhundert gegründeten Hof übernommen hatte. 14 Jahre alt, war er damals, als sein Vater verstarb. "Freizeit neben dem Hof gab es da nicht mehr, ich musste helfen, dass der Laden läuft", sagt er. "Ich wurde dann Zuhause unterrichtet, habe das aber nie als Strafe empfunden - im Gegenteil."

Die Freude an der Arbeit hat er seinen beiden Zwillingssöhnen direkt weitervererbt. Benedikt und Raphael wollten schon früh Hobby und Beruf verbinden. Mit 15 kaufte Vater Hermann den beiden daher die erste Dreschmaschine und schickte die Jungbauern, ausgestattet mit einem Traktorführerschein als Lohnunternehmer durch die Region.

Nach der Ernte: Vater Hermann tütet die Kartoffeln vom Hof ein. - © Arian Amedie
Nach der Ernte: Vater Hermann tütet die Kartoffeln vom Hof ein. | © Arian Amedie

Dass die gemeinsame Arbeit irgendwann wohl enden würde, wussten Benedikt und Raphael früh. "Es war relativ schnell klar, dass es nur für einen von uns Beiden reichen würde", sagt Raphael und begab sich auf die Suche nach einer Alternative. Nach der Lehre als Industriemechaniker bei Miele fing er an Bauingenieurswesen zu studieren. Zwar hatten die zwei immer wieder versucht zusammenzuarbeiten, aber die klassischen Wege, wären schwer zu bewerkstelligen gewesen, meint Raphael Wullengerd, "und dann kam der Rasen."

Neben der klassischen Landwirtschaft, spielt heute eben genau dieser Rasen auf dem geschichtsträchtigen Hof eine große Rolle. Während die vielen Hektar Grünfläche von einem satellitengesteuerten Traktor bewirtschaftet werden, erzählen Benedikt und Raphael freudestrahlend, wie sie eines der zehn größten Rasenunternehmen in Deutschland gegründet haben.

Dabei waren sie auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort. "Das passt zur heutigen Zeit, denn wenn das Haus fertig ist, soll der Rasen auch schon grün sein", sagt Raphael mit Blick auf die aktuelle Nachfrage, "und das ist natürlich gut für das Geschäft." Zwar liefern die beiden Gütersloher hauptsächlich an Gartenbauer, die dann wiederum an die Endkunden verkaufen, trotzdem wissen die Wullengerds, dass es ihr gezüchteter Rasen in die Vorgärten von manchem prominentem Ostwestfalen geschafft hat. Liz Mohn oder SCP-Präsident Wilfried Finke gehören zu den Käufern.

Der Hof der Wullengerds strotzt vor lauter Verbindungen zwischen Moderne und Geschichte. Während Vater Hermann den klassischen Hofbetrieb mit Nutzvieh und Gemüseanbau betreut, kümmern sich Raphael und Benedikt um Kunden aus Deutschland - und darüber hinaus. "Vor ein paar Jahren haben wir ans Schwarze Meer geliefert, das war ein Highlight." In Österreich könne man ebenfalls Rollrasen aus Gütersloh bestaunen. Der Kontakt kam über das Internet zustande. Raphael und Benedikt treffen zudem regelmäßig auf ihre Branchenkollegen aus ganz Europa. Der Begriff "Networking" ist auch im Bauerngewerbe angekommen.

Rollrasen und Viehzucht, Kartoffelernte und Lohnunternehmung, der Hof der Wullengerds ist groß und vielseitig und doch immer noch sehr familiär - und wenn Zwillinge zusammenarbeiten, gibt es auch mal Streit wie in jeder guten Beziehung. "Zu 99 Prozent funktioniert das", sagt Benedikt. Wenn dem mal nicht so ist, haben die Beden ein gutes Schlichtungsteam. "Dann müssen unsere Frauen vermitteln - die sind ebenfalls Geschwister."

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group