Gütersloh Fünf Fakten über das Duftveilchen

Was nahm Napoléon mit bis in den Tod? Was gilt in Toulouse als Delikatesse? Bei welcher Pflanze dachte Freud an Sex? Und vor allem: Was riecht da so gut im Botanischen Garten?

Matthias Borner
Daniela Toman

Gütersloh. Schon die Athener bepflanzten ganze Gärten mit Duftveilchen, um mit der Blütenpracht im März und April Auge und Nase zu verwöhnen. So gesehen können sich die Stadtgärtner bei der Pflege der Duftveilchen im Botanischen Garten auf eine sehr alte Tradition berufen. Woher stammt der Name? In der griechische Mythologie schaffte es der hässliche Feuergott Vulcanus, das Top-Modell Venus abzuschleppen - aber nur, weil er sich dandyhaft in Veilchenduft gehüllt hatte. Seit Jahrhunderten werden die ätherischen Öle des Veilchens als Rohstoff für Parfüm genutzt, wenngleich heute der süße Duft fast immer synthetisch erzeugt wird. Viele "Veilchenparfüms" sind auch aus Schwertlilien-Wurzeln hergestellt, die genauso riechen, aber ergiebiger als Veilchenblüten sind. Im Regal steht also manche "Mogelpackung" - das Original wächst im Botanischen Garten! Das Wort "Veilchen" kommt über die lateinische "Viola" von der griechischen "Iole", kurz Io. Die war in der Mythologie eine bildhübsche Nymphe, in die sich Zeus verguckt hatte. Seine Gattin Hera schöpfte Verdacht und Zeus verwandelte Io zur Tarnung in eine Kuh - darauf muss man erst einmal kommen! Das Gras auf der Weide verwandelte er wiederum in eine Veilchenwiese. Denn nur diese wunderschönen Blumen kamen als Futter für seine nunmehr vierbeinige Eroberung in Frage. Doch Hera durchschaute die List und verscheuchte die Kuh über das später nach ihr benannte Ionische Meer nach Italien. "Viola odorata" ist also keine italienische Schlagersängerin, sondern der vollständige botanische Pflanzenname, den man frei mit "duftend machende kleine Io" übersetzen könnte. Woher stammt die Pflanze? Die Heimat ist das gesamte Mittelmeergebiet mit Ausläufern bis zum Kaukasus. Heute gehört das Duftveilchen zusammen mit den Stiefmütterchen und den Hornveilchen zu den am weitesten verbreiteten der über 500 Veilchenarten und ist auf der ganzen Welt anzutreffen. Wo finde ich Duftveilchen im Botanischen Garten? Zusammen mit anderen stark riechenden Pflanzen wie der Madonnenlilie oder dem Japanischen Geißblatt im Dufttunnel zwischen Apothekergarten und Dalke. Man übersieht sie dort leicht, aber das passt zu ihnen. Nicht grundlos schrieben sich junge Mädchen früher in die Poesiealben: "Dem kleinen Veilchen gleich, das im Verborg?nen blüht, sei immer fromm und gut, auch wenn dich niemand sieht." Oder "Sei wie das Veilchen im Moose: sittsam, bescheiden und rein, und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein." Solch botanischen Vergleiche liest man von jungen Mädchen heute nur noch selten. Wie pflanze ich Duftveilchen im eigenen Garten? Den richtigen Standort vorausgesetzt - ein lichter Schattenplatz in nährstoffreicher, nicht zu trockener Erde - macht das Duftveilchen wenig bis gar keine Arbeit und erfreut dennoch zuverlässig mit seinen Blüten. Wer hätt's gedacht? Fünf Fakten über Veilchen: 1. Nach dem Tod Napoléons fand man in der Kapsel seiner Halskette zwei getrocknete Veilchen. Seiner Joséphine hatte der Kaiser am Abend ihres Kennenlernens einen Veilchenstrauß zugeworfen. 2. Das Veilchen steht für Demut und Bescheidenheit. Die Stadtgärtner im Botanischen würden aber ganz andere Sprüchlein auswählen, denn sie wissen, wie durchsetzungsstark die zähe Pflanze in Wirklichkeit ist: Sie verbreitet sich schnell und wurzelt dabei sogar in Rasenflächen. 3. Vom Beet ins Bett: Für Sigmund Freud standen Veilchen in Träumen als Symbol für Sex; er mutmaßte eine Verbindung zum englischen "violate", ergo "vergewaltigen". Auch darauf muss man erst einmal kommen! 4. Gesichert ist hingegen, warum wir die Veilchenfarbe als "violett" bezeichnen: "la violette" heißt die Blume auf Französisch, und violett damit nichts anderes als "veilchenfarbig". Eine südfranzösische Spezialität sind "Violettes de Toulouse", gezuckerte Veilchenblüten. Von der Wiener Variante des k.u.k-Hofzuckerbäckers Demel ließ sich einst Sisi verzaubern. 5. Noch in den 30ern zogen die Züchter langstielige Veilchen heran, weil sie als Schnittblumen verwendet wurden. Heute liegt der Zuchtfokus auf Blütenfarbe und Duft.

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