Metallisch-bläulich: Die eigenwilligen Blüten der Frühlings-Christrose "Metallic Blue Lady" - © Daniela Toman
Metallisch-bläulich: Die eigenwilligen Blüten der Frühlings-Christrose "Metallic Blue Lady" | © Daniela Toman

Gütersloh Frühlings-Christrose kündet vom Ende des Winters

Hier lacht der Römer

Matthias Borner
Daniela Toman

Gütersloh. Stauden-Papst Karl Förster nannte sie eine "merkwürdige Pflanze, der es Spaß macht, Winter und Welt auf den Kopf zu stellen." Wie alle Arten ihrer Gattung blüht auch die Frühlings-Christrose in den dunkelsten und kältesten Monaten des Jahres. Die zahlreichen Züchtungen zaubern die komplette Farbpalette in den oft noch tristen Garten - im Botanischen Garten sind sogar Blüten in "Blue Metallic" zu bewundern. Woher stammt der Name? Die Christrose - um die es hier nicht geht - wurde so gezüchtet, dass sie zur Weihnachtszeit blüht. Die Frühlings-Christrose ist eben etwas später dran. Ob Christ- oder Frühlings-Christrose - mit Rosen haben beide nichts am Hut. Der Volksmund gab ihnen den Namen, weil ihre Blüten an Rosenblätter erinnern. Der etwas wissenschaftlichere Name für die Pflanze lautet "Orientalische Nieswurz". Den liest man aber nur selten. Warum? Nun, wenn Sie ein Gartencenter besäßen, wie würden Sie die Pflanze bezeichnen? Als "Frühlings-Christrose" oder als "Orientalische Nieswurz"? Eben. Botanisch heißt die Frühlings-Christrose "Helleborus orientalis". Der Gattungsname weist auf Gift hin: Mutmaßlich verbindet er die griechischen Wörter "hellein" für "töten" und "bora" für "Speise" und warnt davor, Helleborus-Arten im Übermaß zu sich zu nehmen. Woher stammt die Pflanze? Dem botanischen Namen nach "aus dem Orient", also aus dem Osten. Wobei es eine Frage des Standorts ist, wo sich "der Osten" befindet. Aus eurozentristischer Sicht bedeutet es in diesem Fall: in der Türkei und der Kaukasus-Region. Wo finde ich sie im Botanischen Garten? Am Weg unter der großen Buche gegenüber der Tulpenmagnolie. Die dortige Sorte heißt "Metallic Blue Lady" und besticht durch auffallend schöne, dunkelpurpurne Blüten mit metallisch bläulichem Schimmer. Auf der anderen Seite des großen Rasens steht die weißblühende Sorte "White Spottet Lady". Wie pflanze ich Frühlings-Christrosen im Garten? Nicht im Sommer, denn dann befindet sie sich in "Ruhezeit" und wächst nicht gut an. Ihr Wurzelwachstum findet im Winterhalbjahr statt, weshalb zwischen Spätherbst und Frühjahr die beste Pflanzzeit ist. Obwohl extrem winterfest, mag sie es im Sommer lieber hell und warm; zumindest bildet sie an schattigen Standorten weniger Blüten aus. Um die Pflege brauchen sich Gartenfreunde nur wenig Gedanken zu machen. Helleborus-Arten gehören zu den Pflanzen, die am besten wachsen, wenn man sie in Ruhe lässt. Wer hätt's gedacht? Die Giftigkeit der Helleborus-Arten war schon im Altertum bekannt. Das hat die Menschen aber nie davon abgehalten, die Pflanze auch als Heilmittel zu verwenden, und sei es nur, um bei Vergiftungen ein Erbrechen auszulösen. Mit diesem Ziel wurde auch Patienten mit Wurmerkrankungen Helleborus-Extrakte zu trinken gegeben. Wenn sich der Wurm im Magen befand, mag das sogar zum Erfolg geführt haben. Hatte er sich aber schon im Darmtrakt eingenistet, zeigte das Erbrechen keine Wirkung. Dann wurde die Prozedur wiederholt, was im schlimmsten Fall mit dem Tod des Patienten endete. Es sind Fälle aus dem 19. Jahrhundert dokumentiert, in denen Eltern auf diese Weise ungewollt ihr Kind vergifteten. Zum Schluss dann aber doch etwas Heiteres: Wir haben in dieser Kolumne schon viele alte Witze aufgewärmt, aber heute gibt es einen Witz mit einem zweitausend Jahre alten Bart. Er fasst gelungen das Dilemma der gleichzeitigen Nutzung als Gift- und Heilpflanze zusammen. Bei den Römern galt Helleborus als Mittel, das Wahnsinn kurieren könne. In einer Komödie von Plautus, um 200 v. Chr. uraufgeführt, verschreibt der Arzt einem solch wahnsinnigen Patienten die Einnahme von Helleborus: "Du wirst Nieswurz trinken!" Was der Patient mit den Worten ablehnt: "Ich bin doch nicht verrückt!"

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