Familienunternehmen: Matthias Westhoff (r.) betreibt das Lebensmittelgeschäft mit Partyservice an der Ebbinghausstraße in Sende gemeinsam mit seiner Frau Sabine. Deren Vater Karl-Heinz Dreisewerd (75) hat das Geschäft, damals noch an anderer Stelle, bereits von seinen Eltern übernommen. - © Karin Prignitz
Familienunternehmen: Matthias Westhoff (r.) betreibt das Lebensmittelgeschäft mit Partyservice an der Ebbinghausstraße in Sende gemeinsam mit seiner Frau Sabine. Deren Vater Karl-Heinz Dreisewerd (75) hat das Geschäft, damals noch an anderer Stelle, bereits von seinen Eltern übernommen. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Frisches aus der Nachbarschaft

GESCHÄFTE MIT GESCHICHTE (18): Lebensmittel Westhoff in Sende

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. „Früher“, sagt Karl-Heinz Dreisewerd, „da hat es im Umfeld sicherlich 20 kleine Lebensmittelläden gegeben.“ Die meisten von ihnen haben sich der Konkurrenz der Marktriesen ergeben. Einzelne aber
haben einen langen Atem bewiesen. Der Frischmarkt- und
Partyservice Westhoff an der Ebbinghausstraße 74 in Sende
gehört dazu. „Man braucht Stehvermögen“, bestätigt Inhaber
Matthias Westhoff. „Und man muss mit Qualität überzeugen.“

Vor fast 80 Jahren, als Elisabeth und Karl Dreisewerd ihren
kleinen Kolonialwarenladen, in dem es vom Porzellanteller
bis zum Ei alles gab, im Haus Sende Nr. 200 (heute St.-
Heinrich-Straße 179) eröffneten, „waren Bedarf und Kaufverhalten völlig anders“. Zucker, Mehl, Hülsenfrüchte, Nudeln, Kaffee und sogar Rübenkraut wurden lose, das heißt, je nach Bedarf, verkauft. Ein Trend, der heute wieder  aufgegriffen wird. „Für Essig und Öl haben die Leute ihre Flaschen mitgebracht“, daran kann sich Karl-Heinz Dreisewerd
noch gut erinnern. Für ihn und seine drei Geschwister war es
ganz selbstverständlich, Waren zu schleppenundSämereien mit
dem Fahrrad auszuliefern.

„Wir waren immer mit eingespannt. Taschengeld gab es dafür nicht, das gehörte einfach dazu“, erzählt Dreisewerd
von Zeiten, in denen die Mithilfe selbstverständlich war.
Selbst nach dem Vieh der Eltern wurde nebenbei geschaut.
Zum Laden gehörte eine Gaststätte. Auch, als die Eltern 1953
am Hellweg bauten und dort ebenfalls beides betrieben. Karl-
Heinz Dreisewerd, der von 1954 bis 1957 in die Lehre als Einzelhandelskaufmann ging, übernahm das Geschäft an der
St.-Heinrich-Straße vier Jahre lang mit seiner älteren  Schwester Margarete und führte es seit 1963 mit seiner Frau Waltraud. Seine Eltern und die beiden jüngeren Geschwister Bruno und Elisabeth betrieben parallel das am Hellweg.

In den 60er Jahre, den Zeiten des wirtschaftlichen  Aufschwungs, wurde das Sortiment erweitert. Aufschnitt gab
es, „und wir haben mit dem Käseschneiden angefangen“. Mit
dem entsprechenden Hobel. Oft sei es so gewesen, erzählt Karl-Heinz Dreisewerd, dass die Kunden „ihre Einkaufstaschen
mit Zettel abgegeben haben, bevor sie in die Kirche  gegenüber gingen“. Wenn die Messe zu Ende war, konnten sie sie gefüllt mit nach Hause nehmen. 1972 ging es komplett an den Ebbinghausweg. Aus dem Stubenladen wurde ein Geschäft mit 90 Quadratmetern. Nebenbei wurde die Gaststätte betrieben, bis zum Januar dieses Jahres. „Wir haben uns immer nach dem Bedarf der Leute gerichtet“, sagt Karl-Heinz Dreisewerd. Schwiegersohn Matthias ist Fleischermeister, hat schon acht Jahre vor der  Geschäftsübernahme im Laden gearbeitet, der 2001 innen komplett umgebaut worden ist. Seit 1998 ist der Partyservice das zweite Standbein.

Sicherlich habe es harte Jahre gegeben, bestätigt der 48-Jährige. „Geiz ist geil, diese Zeiten haben uns zu schaffen gemacht.“ Mittlerweile aber, sagt Sabine Westhoff, „hat sich das Kaufverhalten verändert. Kunden, die zu Westhoff kommen, kaufen vor allem Fleisch, Wurst, Backwaren und andere Frischeprodukte. „Vor einigen Jahren haben wir mit der Biofleisch-Zerlegung begonnen“, damit verweist Matthias Westhoff auf kurze Wege und gute Qualität. „Zurück zum Ursprung“, das habe seine Oma immer gesagt. „Daran haben wir uns gehalten. Und die Leute wissen es zu schätzen.“

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