Frischer Fisch: Fischzuchtmeister Wolfgang Lindhorst-Emme und seine Frau Mechthild vor den Teichen ihrer Forellenzucht Hirschquellen. Auf dem Silbertablett servieren sie einen Spiegelkarpfen mit wenig Schuppen und eine Lachsforelle. - © Karin Prignitz
Frischer Fisch: Fischzuchtmeister Wolfgang Lindhorst-Emme und seine Frau Mechthild vor den Teichen ihrer Forellenzucht Hirschquellen. Auf dem Silbertablett servieren sie einen Spiegelkarpfen mit wenig Schuppen und eine Lachsforelle. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Frische Fische vom Familienbetrieb

GESCHÄFTE MIT GESCHICHTE (27): Forellenzucht Hirschquellen besteht seit mehr als 80 Jahren

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Kohlenhändler war der Adoptivvater von Wolfgang Lindhorst-Emme. „Sein Hobby aber waren die Fische. Schon 1927 hat er eine kleine Anlage in Bad Rothenfelde betrieben.“ Bachlauf und Wasser dort stellten Willy Lindhorst schon bald nicht mehr zufrieden. Also setzte er sich auf sein Moped und entdeckte von der Brücke an der B68 aus einen Bachlauf, der sein Interesse weckte. Er folgte dem Kirchbach bis zur Hirschquelle. Genau unterhalb entstand im Jahr 1933 einer der größten und modernsten Forellenzuchtbetriebe Nordrhein-Westfalens.

Willy Lindhorst sah weißen Sand, entdeckte Stichlinge, Bachforellen, Bachneunaugen, Salamander und Brunnenkresse. Von letzterer wusste er, dass sie nur in sauberem, kalten Wasser lebt. Dass diese Bedingungen ideal für die Zucht von Forellen sein würden, bestätigte sich nach dem Landerwerb im September 1933 schon bald. „Auf 1,5 Hektar Fläche hat mein Adoptivvater begonnen, Teiche von Hand anzulegen“, erzählt Wolfgang Lindhorst-Emme. Bruthaus, Wohntrakt, Werkstatt, Räucher- und Verkaufsraum folgten. Für seine Zucht erwarb Willy Lindhorst einen Forellenstamm aus dem Kloster Oeseke.

Bundesverdienstkreuz für Willy Lindhorst

Weil der gebürtige Niedersachse in Kriegszeiten zu denen gehörte, die die Versorgung sicherstellten, wurde er nicht eingezogen. „Lebensmittel waren hoch gefragt, der Tauschhandel kam auf“, erzählt der Sohn. Sein Adoptivvater intensivierte die Kontakte zu Firmen wie Oetker, Seidensticker und den Möllerwerken. „Sie bekamen seine Fische, er Eisen, Holz und Nassfutter.“ Als es wieder aufwärts ging, ließ Willy Lindhorst sich Forellen-Eier aus Kalifornien schicken, kreuzte diesen dickfleischigen Typ mit dem vom Kloster Oeseke. „Da begann der züchterische Part.“ Weil es den Beruf des Fischzüchters bis dato noch gar nicht gab, kletterte Willy Lindhorst die Karriereleiter im Spurt hinauf. Höhepunkt war im Jahr 1950 die Ernennung zum Obermeister. „Einen solchen gab es nur zweimal in Deutschland.“ Auch das Bundesverdienstkreuz wurde ihm verliehen.

Wolfgang Lindhorst-Emme wuchs auf dem Grundstück an den Hirschquellen auf. „Mein Vater war hier Fischmeister.“ Weil Willy Lindhorst selbst keine Kinder hatte, er die Betriebsnachfolge aber gesichert sehen wollte, kam es zur Adoption. „Damals war ich 18 Jahre alt“, erzählt Wolfgang Lindhorst-Emme. 1974 firmierte der Betrieb unter Lindhorst und Sohn. 1978 starb der Gründer. Fischzuchtmeister Lindhorst-Emme übernahm in zweiter Generation. Er führt die Forellenzucht gemeinsam mit seiner Frau Mechthild. Was die Züchtung angehe, so habe sich nicht viel verändert, erzählt das Ehepaar. „Verändert hat sich das Verhalten der Verbraucher.“ Vor allem nach dem Öffnen der Grenzen. „Alle wollten billig kaufen.“ Das ändere sich allmählich wieder.

Die Forellenzucht unterhalb der Hirschquellen mit ihren mehr als 30 Teichen setzt als Vollbetrieb von vorne bis hinten auf eigene Produktion ohne Fremdzukauf. Züchten, verkaufen, veredeln und der unmittelbare Kontakt zum Verbraucher, diese Pfunde, mit denen gewuchert werden kann, überzeugen zunehmend mehr Menschen. „Weihnachten haben sie Schlange gestanden.“ Lindhorst-Emmes bieten neben dem Verkauf das Erlebnis auf der Anlage mitten in der Natur an. Führungen für Klassen gibt es außerdem, „denn die Kinder sollen lernen, dass Fisch nicht in der Tiefkühltruhe wächst“. Wenn der Richtige komme, sagt das Paar, dann werden sie die Forellenzucht verkaufen. „Wenn nicht, dann machen wir weiter.“

ZULETZT ERSCHIENEN:
– Forellenzucht Hirschquellen
– Gasthaus „Buschkrug“
– Immobilien-Maklerbüro Oekenpöhler
– Malerbetrieb Neisens
– Möbelhaus und Tischlerei Eikenbusch
– Blumenhof Gees
– Autohaus Hülsmann

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