Weihnachtlich: Mit roter Koch-Tracht und roter Brille passt sich Wolfgang Zindler der festlichen Zeit an. Seit 23 Jahren führt der den "Buschkrug". Zum Weihnachtsessen empfiehlt der Koch einen guten Rotwein. - © Karin Prignitz
Weihnachtlich: Mit roter Koch-Tracht und roter Brille passt sich Wolfgang Zindler der festlichen Zeit an. Seit 23 Jahren führt der den "Buschkrug". Zum Weihnachtsessen empfiehlt der Koch einen guten Rotwein. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Von der Pinte zum Restaurant

GESCHÄFTE MIT GESCHICHTE (26): Gaststätte an der Kaunitzer Straße gibt’s seit 1805

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Von mächtigen Bäumen umgeben war das alte Bauernhaus der Familie Wittenborg an der heutigen Kaunitzer Straße, als es im Jahr 1805 erbaut wurde. „Zum Buschkrug“, dieser Schriftzug gehörte schon bald zum Bild des Hauses. „In der kleinen Pinte haben die Feldarbeiter nach Feierabend gepichelt“, erzählt Agnes Wittenborg. Ihre Eltern Hedwig und Ludwig Wittenborg haben den Krug lange betrieben.

Auch ein kleiner Kolonialwarenladen gehörte später dazu, ehe der Buschkrug zur reinen Gaststätte wurde. „Meine Mutter hat sehr gut gekocht“, erzählt Agnes Wittenborg. Deshalb seien Besucher auch von weither gekommen. „Vor 24 Uhr war selten Schluss, aber wir hatten immer gute Helfer.“ Ihr Anfang der 60er Jahre verstorbener Vater war der Erbe von Haus und Hof. Hedwig Wittenborg kam von der „Waldeslust“ in Liemke, brachte also Erfahrung in der Gastronomie mit.

Hausgemachte Bratwurst und ein Schlachtefest

Im Oktober 1961 wurde die Gaststätte an Martha und Helmut Zindler verpachtet. „Mein Vater kam aus Schlesien und war vorher Metzger bei der Schlachterei Hörster“, erzählt Wolfgang Zindler, sein Sohn. „Meine Mutter hat als Kindermädchen im Gasthof „Pollhans“ Brei gearbeitet.“ Die neuen Pächter des Buschkruges waren bald bekannt für ihre hausgemachte Bratwurst, für ihr Eisbeinessen, ihr Schlachtefest „und auch die halben Hähnchen waren legendär“, erzählt Wolfgang Zindler.

Er ließ sich Anfang der 70er Jahre zum Koch im Hotel Westhoff ausbilden und führt die Geschäfte seit dem Tod seines Vaters vor 23 Jahren. Von turbulenten Zeiten berichtet Zindler. Vom ersten Oktoberfest in der Region, das er organisiert hat, aber auch von einem verheerenden Brand, dem in der Nacht vom 8. auf den 9. März 1975 Deele und Küche zum Opfer fielen. „Mein Schwager wollte am nächsten Abend seinen 19. Geburtstag feiern.“

Daraus wurde nichts. „Als er die Bescherung sah, stand die Feuerwehr schon runter bis zur Tankstelle.“ Er selbst, erzählt Wolfgang Zindler, sei „aus der ersten Etage über den Balkon geklettert und barfuß über den Schotter über den Hof gelaufen“. Auch seine Eltern konnten sich retten. „Sie sind im Pyjama die Dachrinne runtergerutscht.“ Unten habe da bereits alles lichterloh gebrannt.

Die gesamte Familie packt an

Aus der Not wurde eine Tugend gemacht. In einem kleinen Anbau wurde ein Raum als Küche umgebaut, einen kleinen Saal gab es, der mit dem Koksofen geheizt wurde. Ein Jahr brauchte es, bis der Buschkrug wieder aufgebaut war. „Aber die nächsten 15 Jahre waren hart“, sagt Wolfgang Zindler. Die gesamte Familie habe mit angepackt. Schwager Johannes Dresselhaus und auch seine Schwester Marita hätten regelmäßig nach ihrer eigentlichen Arbeit im Krug mitgeholfen.

Seit 1976 kocht Wolfgang Zindler im Buschkrug. In den 80er Jahren hat er umgestellt auf mediterrane und gutbürgerliche Küche. „Steak und Gambas im Biergarten, das Oktoberfest und der Naschmarkt sind legendär.“ 20 Jahre lang hätten zudem die wilden Stukenbrocker Weiber bis in die frühen Morgenstunden im Buschkrug weitergefeiert. Geöffnet hat er auch an den beiden Weihnachtsfeiertagen. Klassischer Hirschbraten, Ente, hausgemachte Kartoffelklöße und Rotkohl stehen dann auf der Karte. „Man muss Gastronomie leben“, sagt Zindler, „und immer Vollgas geben.“ Deswegen wird er auch an den Feiertagen „sicherlich bis 7 bis 16.30 in der Küche stehen“.

ZULETZT ERSCHIENEN:
– Gasthaus „Buschkrug“
– Immobilien-Maklerbüro Oekenpöhler
– Malerbetrieb Neisens
– Möbelhaus und Tischlerei Eikenbusch
– Blumenhof Gees
– Autohaus Hülsmann
– Gaststätte Schniedermann

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