Familienbetrieb: Bernhard Neisens (l.) hat den Malerbetrieb im Jahr 2009 an seinen Sohn Manfred (r.) übergeben. Thea Neisens und Tochter Marion Angowski übernehmen die Beratung im Ladengeschäft. - © Karin Prignitz
Familienbetrieb: Bernhard Neisens (l.) hat den Malerbetrieb im Jahr 2009 an seinen Sohn Manfred (r.) übergeben. Thea Neisens und Tochter Marion Angowski übernehmen die Beratung im Ladengeschäft. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Familie bringt Farbe an die Wände

GESCHÄFTE MIT GESCHICHTE (24): Malerbetrieb Neisens besteht seit mehr als 40 Jahren

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Festsitzende Tapeten mühevoll mit Spachtel und Fingerkraft abziehen, „das war einmal“, sagt Manfred Neisens. Der Malermeister greift heute auch nicht mehr zur dicken Bürste, um den neuen Wandschmuck einzukleistern. Selbst Geräte, die die Handarbeit verringern, kommen nur noch selten zum Einsatz. „Mittlerweile wird der Kleister direkt auf der Wand aufgebracht“, und Tapeten, die bestehen heute vorzugsweise aus glattem, reißfestem Vlies. Großer Vorteil: Wenn das Muster nicht mehr gefällt, „können sie Bahnenweise trocken von der Wand gezogen werden“.

Bernhard Neisens hat die Entwicklung im Malerhandwerk im Grunde bereits als Kind verfolgt. „Schon während meiner Schulzeit habe ich zu Hause Fenster und Küche gestrichen.“ Keine Bange hatte Neisens, der in Hövelriege aufgewachsen ist, auch davor, mit einer Spezialrolle Blüten, Ranken und andere Muster auf die Wände aufzutragen. Als Tapetenersatz in mageren Zeiten. Der berufliche Werdegang war also schon früh vorgezeichnet. Viele seiner Klassenkameraden entschieden sich damals gegen eine Lehre, Neisens lernte sein Lieblingshandwerk drei Jahre lang bei Heinz Lüke in Hövelriege von der Pike auf.

Bei einer größeren Firma in Sennelager war er in der Folge hauptsächlich für Tapezierarbeiten zuständig. Einige Jahre arbeitete er als Betriebsmaler bei der Firma Windel in Senne und fasste Anfang der 70er Jahre den Entschluss, sich selbstständig zu machen. „Damals wohnten wir schon in Schloß Holte-Stukenbrock.“ Am Grauthoffweg wurde neu gebaut. Arbeit und Wohnen gehören seither zusammen.

Wände mit großmustrigen Tapeten

„Gleich zu Beginn hatte ich einen Gesellen und einen Lehrling“, erzählt der heute 74-Jährige. An Decken mit Raufaser erinnert er sich, an Wände, die mit großmustrigen Tapeten dekoriert wurden. „Ein Trend, der jetzt wieder angesagt ist.“ Allerdings wesentlich minimalistischer, wie Manfred Neisens betont. „Es werden Akzente gesetzt.“ Das können auch Thea Neisens und ihre Tochter Marion Angowski bestätigen, die sich um das Ladengeschäft kümmern.

Einzelne farbige oder gemusterte Bahnen oder eine Wand, die heraussticht, so sieht die Heimgestaltung heute aus. Ganz anders als in den 80er Jahren. „Da konnte es nicht weiß genug sein.“ Die mediterrane Schiene wurde in den Neunzigern gefahren. „Da kamen wieder die alten Handwerkstechniken wie Wischen und Spachteln zum Einsatz“, erzählt Manfred Neisens. Aktuell sei kühles Grau der Favorit. „Von der Farbgestaltung her wird es wieder zurückhaltender.“

In den Anfangsjahren seiner Selbstständigkeit hat Bernhard Neisens vor allem Textiltapeten auf die Wände der Kunden gebracht, „oft im ganzen Haus und sogar auf der Toilette“. Der Renner seien sie gewesen, später allerdings „schwer wieder von der Wand runterzubekommen“. Bodenbeläge, auch die gehören zum Standard eines Malerbetriebes. „Ab Anfang der 70er Jahre kamen Teppichböden auf“, sagt der Senior, der immer noch fleißig mitwirkt. Mittlerweile steht das Pflegeleichte wieder im Vordergrund. Hochstrapazierfähige Designer-Beläge in Holzoptik aus PVC seien heute angesagt.

Klimawandel hat deutliche Auswirkungen auf das Handwerk

Weg von Klinkern, hin zu Dämmputz, der oftmals ebenfalls mit farbigen Akzenten versehen wird, geht es bei der Außenfassade von Häusern. „Mit dauerelastischer Farbe können sogar Risse überspannt werden“, berichtet Bernhard Neisens und ergänzt zur Verdeutlichung: „Wie bei einer Speckschwarte.“ Apropos Außenanstrich. Im Malerhandwerk sei der Klimawandel deutlich zu spüren. „Früher“, sagt Manfred Neisens, „war um Pollhans herum Schluss“. Dann kam der Frost.

Heute könne zum Teil noch bis in den Dezember hinein gearbeitet werden. Allerdings nicht, wenn es so feucht sei wie momentan. Insgesamt haben Neisens festgestellt, dass die Kunden „sehr viel Wert auf ein gemütliches Heim legen“. Und dankbar sind für die fachkundige Beratung.

ZULETZT ERSCHIENEN:
– Malerbetrieb Neisens
– Möbelhaus und Tischlerei Eikenbusch
– Blumenhof Gees
– Autohaus Hülsmann
– Gaststätte Schniedermann
– Tankstelle Schniedermann
– Lebensmittel Dreisewerd / Westhoff

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