Ganz in Rot: Franz Josef und Anita Gees haben sich mit Christsternen und Misteln umgeben, die so gut zur Weihnachtszeit passen. Gärtnerei und Blumengeschäft sind über die Jahrzehnte hinweg gewachsen. - © Karin Prignitz
Ganz in Rot: Franz Josef und Anita Gees haben sich mit Christsternen und Misteln umgeben, die so gut zur Weihnachtszeit passen. Gärtnerei und Blumengeschäft sind über die Jahrzehnte hinweg gewachsen. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Hier wächst das Rot aus Töpfen

GESCHÄFTE MIT GESCHICHTE (22): Blumenhof Gees in Schloß Holte

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Salat, Kohlrabi, Rot- und Weißkohl. „Meine Eltern haben mit Gemüse-Jungpflanzen begonnen“, erzählt Franz Josef Gees von den bescheidenen Anfängen des heutigen Blumenhof Gees am Habichtweg. Drei Jahre nach Kriegsende nahmen Hermann und Anna Gees das berufliche Schicksal selbst in die Hand. Im Elternhaus des gelernten Gärtners, das bereits dort stand, wo heute Blütenvielfalt zu allen Jahreszeiten die Sinne anregt, ging es mit den einfachsten Mitteln los.

„Mit drei Mistbeetfenstern hat es begonnen“, sagt Franz Josef Gees und deutet auf ein Foto, das die kleinen Bodengewächshäuser zeigt. Er hat den Betrieb im Jahr 1981 übernommen, kümmert sich hauptsächlich um die Gärtnerei, seine Frau Anita um das Ladengeschäft. Kaum etwas erinnert heute noch an die ersten Gewächshäuser, die Anfang der 50er Jahre aus Holz gefertigt wurden. Drei Meter breit und 18 Meter lang. Erst in den 70er Jahren hielt Metall Einzug.

Langsam sei um diese Zeit auch mit Blumen begonnen worden. Alpenveilchen, Balkon- und Beetblumen wuchsen heran. „Die Lieblingsblume meines Vaters war die Fuchsie.“ Ein leidenschaftlicher Gärtner sei er gewesen, sagt der Sohn. „Einer, der Pflanzen dreimal umgedreht und der mit ihnen gesprochen hat.“

Trotz sieben Kindern mit allen Arbeiten vertraut

Obwohl Hermann und Anna Gees sieben Kinder bekamen, war die erst kürzlich im Alter von 90 Jahren verstorbene Seniorin nebenbei mit allen Arbeiten vom Verkauf bis hin zum Pikieren der Pflanzen betraut. „Und auch meine Oma Elisabeth.“ Das Bild, wie sie dort im Gewächshaus sitzt, Begonien und andere dicht stehende Sämlinge verpflanzt, ist dem Enkel in lebhafter Erinnerung geblieben.

Dass Menschen nach den Jahren des Krieges und des Aufbaus ihre Häuser mit Blumen auch vor den Türen verschönerten, „hat Mitte bis Ende der 70er Jahre so richtig eingesetzt“, erzählt Anita Gees. Bereits 1966 begannen ihre Schwiegereltern, ein neues Wohnhaus zu bauen, in das die Großfamilie zwei Jahre später einzog. „Das alte Haus wurde als Betriebsgebäude genutzt.“

Eine Beinamputation im Jahr 1980 zwang Hermann Gees, der Anfang der 90er Jahre starb, in den Rollstuhl. „Dennoch war es ihm wichtig, zu helfen.“ Pflanzen und Erde hinstellen, eintopfen, Stecklinge schneiden, „damals gab es ohnehin noch sehr viel mehr Handarbeit“, sagt Franz Josef Gees.

Ständig wechselndes Sortiment

Mittlerweile hat sich nicht nur die Arbeit in der Gärtnerei gewandelt, sondern auch das Sortiment. „Es gibt immer wieder neue Züchtungen.“ Und neue Farben. Seit 1995 gibt es das Verkaufsgewächshaus. „Eine unserer Mitarbeiterinnen ist schon 20 Jahre bei uns“, erzählt Anita Gees.

Früher, da habe etwa die Trauerfloristik noch anders ausgesehen. Viele kleine Kränze gab es damals, die Nelke war die typische Trauerblume. Anita Gees ist sich sicher, dass es bei Beerdigungen auch künftig nicht ohne Blumenschmuck gehen wird. Schließlich könne er ausdrücken, „was man mit dem Menschen verbindet. Liebevoll untermalt, das ist schon schöner“.

Auch Brautsträuße seien der Mode unterworfen. „In den 80ern waren Orchideen absolut in.“ Eine Tendenz, die wiederkomme, „aber die Floristik ist heute eine ganz andere“. Kunden wüssten vor allem die Beratung zu schätzen.

„Blumen“, sagt Anita Gees, „sind Leben.“ Anderen etwas von der eigenen Freude daran mitzugeben, etwas neu entstehen zu lassen, das mache ihren Beruf aus. Und ihr Mann, für den sind die Frühjahrsblüher mit den ersten kräftigen Farben im Jahr die liebsten. Und das satte Grün und Rot der prächtigen Weihnachtssterne, nach denen die Kunden im Moment verlangen.

ZULETZT ERSCHIENEN:
– Blumenhof Gees
– Autohaus Hülsmann
– Gaststätte Schniedermann
– Tankstelle Schniedermann
– Lebensmittel Dreisewerd / Westhoff

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