Wieder zurück: Bettina Schniedermann führt die Traditions-Gaststätte an der Oerlinghauser Straße seit einem halben Jahr weiter. Schon sehr viel länger ist die 56-Jährige mit Betrieb und Räumlichkeiten vertraut. - © Karin Prignitz
Wieder zurück: Bettina Schniedermann führt die Traditions-Gaststätte an der Oerlinghauser Straße seit einem halben Jahr weiter. Schon sehr viel länger ist die 56-Jährige mit Betrieb und Räumlichkeiten vertraut. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Leben im Traditionsgebäude

GESCHÄFTE MIT GESCHICHTE (20): Gaststätte Schniedermann hat Erbauer mit niederländischen Wurzeln

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Bettina Schniedermann ist im historischen Nachlass auf eine Zeichnung gestoßen, die das Gebäude der Gaststätte Schniedermann vor etwa 140 Jahren zeigt. Aus Erzählungen weiß sie, dass ein niederländischer Zimmermann der Erbauer war. Dessen ganz ähnlich klingender Nachname sei schließlich eingedeutscht worden in Schniedermann. Bis heute hat das Haus an der Oerlinghauser Straße diesen Namen behalten, denn es ist immer im Familienbesitz geblieben.

„Ganz früher führte hier der Postkutschenweg vorbei, im Gasthaus war die Poststelle eingerichtet“, sagt Bettina Schniedermann von der damals schon zentral gelegenen Stelle des Hauses. Der Sohn des Bauherrn, August Schniedermann, betrieb das Haus zusammen seiner Frau Theresia. „Sie kam vom Hof und der Gasthaus Kleinerüschkamp, ehemals Rudnik.“ August starb im Krieg, also führte Theresia Schniedermann das Haus mit ihren Kindern Theresia, Bernhardine, Engelbert, Heinrich (Heiner), Luzie und Thekla weiter. „Als Heiner aus der Gefangenschaft zurückkehrte, hat er es übernommen.“

Nicht allein um den Thekenbetrieb musste er sich kümmern, auch um die Tiere der Hofstelle mit Rindern und Kühen. Die Zeiten erforderten in mancherlei Hinsicht Flexibilität. Bettina Schniedermann weiß aus Erzählungen, dass „hier im Saal die Näherei Westhoff gegründet worden ist“. Neben emsig nähenden Damen fand sich im Haus die Auszahlungsstelle für das Arbeitslosengeld. „Meist haben die Frauen es abgeholt.“ Aus Angst, dass die Männer es sofort an der Theke ließen. Ein Zirkus kam regelmäßig, „und das Schützenfest hat hier auf dem Gelände stattgefunden“. Auch eine Sommerkegelbahn hat es gegeben, „seitdem gibt es auch den Biergarten“. Mit Steinen seien damals Rondelle gebaut worden, in den die Sitzgruppen standen.

„Die VfBler waren hier zu Hause.“

Das Haus selbst sei später quasi gedreht worden. „An der Hausbreite wurde der First gebaut und nach hinten angebaut“, berichtet Bettina Schniedermann von den optischen Veränderungen. Auf der alten Zeichnung ist ein Holzanbau zu erkennen. „Da stand ein Kicker drin, viele können sich noch daran erinnern.“ Überhaupt haben sich über all die Jahrzehnte hinweg Fußballer bei Schniedermann getroffen. „Die VfBler waren hier zu Hause.“ Kein Montagabend, an dem sie sich nicht über die Spiele vom Wochenende ausgetauscht hätten. Nicht zuletzt verfügte die Gaststätte über einen der wenigen Fernseher.

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