Immer am Zug: Arnold Ackermann betreibt seit 1994 ein Fitness-Studio in der Stadt. Vor sieben Jahren hat sich der gebürtige Kölner auf den medizinischen Muskelaufbau nach Sport- und Arbeitsunfällen sowie auf die Muskelbalance nach Fehlhaltungen spezialisiert. Der 66-Jährige ist zudem zertifizierter Reha-Sportanbieter. - © Karin Prignitz
Immer am Zug: Arnold Ackermann betreibt seit 1994 ein Fitness-Studio in der Stadt. Vor sieben Jahren hat sich der gebürtige Kölner auf den medizinischen Muskelaufbau nach Sport- und Arbeitsunfällen sowie auf die Muskelbalance nach Fehlhaltungen spezialisiert. Der 66-Jährige ist zudem zertifizierter Reha-Sportanbieter. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Arnold Ackermann im Fragen-Domino

Er erzählt, weshalb er einst den Verein "Schaki" gegründet hat und warum er einmal Seite an Seite mit Wolfgang Niedecken gespielt hat

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Fragen, die sie immer schon einmal loswerden wollten, stellen Schloß Holte-Stukenbrocker anderen Bürgern der Stadt. Diesmal möchte Sebastian Daniel so einiges von Arnold Ackermann erfahren. Herr Ackermann, wie ich gehört habe, kommen sie aus dem Rheinland. Woher genau? Arnold Ackermann: Ich bin in Köln geboren, aufgewachsen und habe dort Sport studiert. Das heißt, Sie wollten Sportlehrer an einer Schule werden? Ackermann: Nein, ich hatte schon immer vor, mich in der Fitnessbranche selbstständig zu machen. Wohl vor allem deshalb, weil ich selber gerne trainiert habe. Da hätte es doch nahegelegen, sich in ihrer Heimat etwas aufzubauen, oder? Ackermann: Eigentlich schon, aber im Jahr 1976 gab es in Köln bereits neun Fitnessanlagen. Wirtschaftlich, so dachte ich damals, hätte das schiefgehen können. Wenn ich gewusst hätte, dass es heute 156 Fitnessstudios gibt, dann blutet mir als Kölner das Herz. Auch, wenn ich mich in Schloß Holte-Stukenbrock natürlich sehr wohl fühle. Sind Sie denn vor 30 Jahren direkt nach Schloß Holte-Stukenbrock gekommen? Ackermann: Nein, ich habe die ersten Studios in Bielefeld eröffnet. In Schloß Holte-Stukenbrock war die Eröffnung am 8. Januar 1994, also vor ziemlich genau 23 Jahren. Für die Stadt habe ich mich entschieden, weil ich auch hier wohne. Die Fahrerei über den Rütli (über die Bielefelder Osningstraße, Anm. d. Red.) wäre tödlich gewesen. Gerade, bei unseren langen Öffnungszeiten am Abend. Ist es richtig, dass Sie sich spezialisiert haben? Ackermann: Ja, vor sieben Jahren auf medizinischen Muskelaufbau nach Sport- und Arbeitsunfällen. Dazu kommen degenerative Geschichten wie spezielles Training bei Fehlhaltungen, um mehr Muskelbalance zu bekommen. Ich bin auch zertifizierter Rehasport-Anbieter. Als solcher habe ich mich dem Rehasport Deutschland, dem größten Rehasport-Verband mit Sitz in Berlin, angeschlossen. Meine Mitarbeiter und ich werden ständig fortgebildet. Immer auf dem neuesten Stand zu sein, empfinde ich als sehr wichtig. Ich persönlich habe die Qualifizierung als Rehasport-Ansprechpartner. Also solcher bin ich quasi das Bindeglied zwischen den Kursleitern und den Ärzten. Ich habe Sie öfter mit dem Trike herumfahren sehen. Was hat es damit auf sich? Ackermann: Das Trikefahren ist einerseits mein Hobby. Andererseits habe ich damit auf den von mir im Jahr 2005 gegründeten Verein "Schaki" aufmerksam gemacht. Was bedeutet Schaki? Ackermann: Dahinter verbirgt sich das Wort Schlaganfall-Kinder. Mein Sohn Max ist Betroffener. Er hat während der Geburt einen Schlaganfall erlitten. Ich habe schnell gemerkt, dass Kinder wie er keine Lobby haben. Als Vater und Diplom-Sportlehrer wollte ich das nicht hinnehmen. Also habe ich den Kontakt zu Professor Dr. Otte in Bethel, einer Kapazität für Kinderschlaganfall, geknüpft. Die betroffene Körperseite muss anders gefördert werden, als die nicht betroffene. Als Vater habe ich mir die Zeit genommen, Übungen in Absprache mit dem Arzt für die Muskelbalance zusammenzustellen. Soweit ich weiß, ist Max, der ja heute schon erwachsen ist, in "normale" Kindergärten und Schulen gegangen, hat sogar Abitur gemacht. Stimmt das? Ackermann: Ja, darauf bin ich besonders stolz. Ich habe nach der Gründung von Schaki auch andere Kinder nach Schlaganfall kostenlos therapiert. Mit speziellen Geräten. Einige haben dafür Wege von bis zu 100 Kilometer in Kauf genommen, weil es ein ähnliches Angebot nirgends gab. Ich habe immer wieder um die Förderung gekämpft. Auch dafür, dass die Kinder einen Behindertenausweis bekommen. Gibt es Schaki heute noch? Ackermann: Ja, mittlerweile hat Anja Gehlken aus Bünde die Nachfolge übernommen. Betroffene Eltern können sich über das Internet gerne an sie wenden. Max hat irgendwann gesagt, dass er nun kein Kind mehr sei. Er hat im Jahr 2012 "The Young Strokers" gegründet, eine Schlaganfall-Selbsthilfegruppe für junge Betroffene aus dem Kreis Gütersloh. Natürlich können auch Kinder weiterhin ins Studio kommen. Etwas ganz anderes. Als Kölner sind sie doch sicher ein Kind des Karnevals, oder? Ackermann: Natürlich. Ich leide wie ein Hund, wenn die Karnevalszeit anfängt und ich kölsche Musik höre. Ab und zu schaffe ich es, in die alte Heimat zu fahren, in der mein Bruder noch lebt. Glauben Sie, dass künftig auch in Stukenbrock bei Großveranstaltungen wie etwa der Weiberfastnacht ein großes Polizeiaufgebot unvermeidlich sein wird? Ackermann: Ein solches Bild steht dem fröhlichen, ausgelassenen Karneval eigentlich entgegen. Ich hoffe, dass das Thema, das ja in dieser Zeit alles beherrscht, mit einer vernünftigen Integration in den Griff zu bekommen ist und die, die wirklich kriminell sind, sofort ausgewiesen werden können. Nur so kann man der Sache Herr werden. Gerade erst war Wolfgang Niedecken mit BAP in Bielefeld. Haben Sie ihn schon einmal live gesehen? Ackermann: Nicht nur das. Ich habe mit 16 Jahren in einer Kölner Jugendband des CVJM Schlagzeug gespielt. Im Nachbarraum hat Wolfgang Niedecken geprobt. Mit seiner Band. Er singt, was das Kölner Herz ausmacht und ist damit groß geworden. Ich habe dann Sport studiert. Haben Sie dann womöglich noch andere Größen getroffen? Ackermann: Mein Bruder hat beim WDR gearbeitet. Dadurch hatte ich öfter mal Zugang zu Leuten, denen ich sonst womöglich nicht begegnet wäre. Brings zum Beispiel, die kölsche Mundartband. Mit ihrem Hit "Superjeilezick" sind sie bekannt geworden. Die sind super. Sport, Musik, Trikefahren. Gibt es noch weitere Hobbys? Ackermann: Ja, ich bin Mitglied bei den Diana-Sportschützen in Schloß Holte. Das Jahr 2017 hat gerade begonnen. Was haben Sie sich vorgenommen? Ackermann: Ich habe mit einem Sportarzt ein Trainingskonzept für die Zielgruppe 50 plus entwickelt. Dort geht es um den medizinischen Muskelaufbau und um ein altersgerechtes Herzkreislauftraining. Udo Jürgens hat gesungen: Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. Sehen Sie das genauso oder denken Sie ans Aufhören? Ackermann: Auf keinen Fall. Es macht mir immer noch einen Riesenspaß, Menschen zu trainieren und die Erfolge zu sehen. Ich denke, ich bin für viele auch ein Vorbild, weil ich zeige, dass man in meinem Alter noch sehr gute Leistungen bringen kann. Der Gedanke, dass es sich ab 50 nicht mehr lohnt, mit dem Training zu beginnen, ist so ganz schnell widerlegt. Zuletzt erschienen Hausmeister Wigbert Fockel, Feuerwehrmann Konrad Esser, Stadtführer Otmar Lüke, der syrische Flüchtling Ahmad Jnneid, Immobilienmakler Manfred Oekenpöhler, Safaripark-Chef Fritz Wurms, Jagdhornbläser Wilhelm Kipshagen sowie Agrarbetriebswirt Johannes Broeker, Brudermeister Ulrich Teipel, Hermann-Josef Brummelte, Vorsitzender des Vereins "Unser Dorf Stukenbrock-Senne", Heimatkenner Ludwig Teichmann, Verkaufsleiterin Katja Austermeier, Landfleischer Martin Busche, Lydia Joachim vom Städtischen Blasorchester, Matthias Lüke von der Schützenbruderschaft St. Michael in Liemke, Jürgen Engelns, Geschäftsführer des DRK-Ortsvereins und Obst- und Gemüsehändler Sebastian Daniel.

realisiert durch evolver group