Heimatverbunden: Ludwig Teichmann ist nicht nur in der Senne und, wie auf dem Foto zu sehen, rund um das Heimathaus mit der Kamera unterwegs, sondern auch in vielen anderen Teilen der Welt. Ihm ist es wichtig, die Natur abzubilden und alles dafür zu tun, sie zu erhalten. - © Karin Prignitz
Heimatverbunden: Ludwig Teichmann ist nicht nur in der Senne und, wie auf dem Foto zu sehen, rund um das Heimathaus mit der Kamera unterwegs, sondern auch in vielen anderen Teilen der Welt. Ihm ist es wichtig, die Natur abzubilden und alles dafür zu tun, sie zu erhalten. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Ludwig Teichmann erzählt im Fragen-Domino von seinem Bildband über die Senne

Fragen-Domino: Im Interview erzählt er über Reisen, Motive und den nahenden Unruhestand

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Fragen, die sie immer schon einmal loswerden wollten, stellen Schloß Holte-Stukenbrocker anderen Bürgern der Stadt. Diesmal möchte Hermann-Josef Brummelte so einiges von Ludwig Teichmann erfahren. Hallo Ludwig, Du bist sehr aktiv in unserer Senne und im Heimat- und Verkehrsverein SHS. Was sind die Anreize unserer Region, die Dich so aktiv werden lassen? Ludwig Teichmann: Ich bin nun mal ein Kind der Senne, hier geboren und hier aufgewachsen. Auch wenn es mich zeitweise beruflich und auch in fotografischen Dingen in die Ferne zog. Die mir von Kindesbeinen an vertraute Senne offenbart viel mehr Naturschönheiten, als man auf den ersten Blick hin erfassen kann. Sie ist meine Heimat und sie zu bewahren und auch die Geschichte dieser besonderen Landschaft und der Menschen, die in ihr leben, auch für nachfolgende Generationen begreifbar und erfahrbar zu machen, ist mir ein besonderes Anliegen. Du bist sehr viel mit der Kamera unterwegs. Wie viele Bilder machst Du im Durchschnitt im Jahr, und welche Motive interessieren Dich besonders? Teichmann: Diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Es kommt darauf an, ob man nur in der Senne fotografiert oder zusätzlich in fernen Regionen unterwegs ist. Gerade komme ich von einer dreiwöchigen Schwedenreise zurück. Ein Traumherbst in skandinavischen Wäldern ließ mich mehrere tausend mal auf den Auslöser drücken. Im Frühjahr führte mich mein Weg in unterschiedliche Naturschutzgebiete Deutschlands, unter anderem in die Alpen, nach Mecklenburg und an die Elbe, später nach England und Frankreich. Da kommen dann mit den Sennebildern schnell über 25.000 Dateien zusammen. Neben Naturaufnahmen sind auch Architektur und Menschen immer wieder in meinem Fokus. Aktuell hast Du ein neues Buch mit dem Titel "Die Senne entdecken" geschrieben. Welche Inhalte und Themen beschreibt das Buch, und wie unterscheidet es sich gegenüber den bereits von Dir veröffentlichten Büchern? Teichmann: Der vor wenigen Tagen erschienene neue Bildband ermöglicht visuelle Spaziergänge in die Senne zu den unterschiedlichen Jahreszeiten. Hier taucht der Betrachter in die einmalige Schönheit unserer heimischen Natur ein und kann richtig "die Seele baumeln lassen." Das erste Buch stellt neben Bildsequenzen eingehend die unterschiedlichen Lebensräume der Senne, zum Teil auch aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet, dar. Das vorletzte Buch ließ Zeitzeugen aus der Senne zu Wort kommen. Die Vielfältigkeit ihrer mitunter sehr spannend anzuhörenden Geschichten vermittelt eine recht lebendige orale Historie zur Senne. Wo ist das Buch erhältlich? Teichmann: Der gerade erschienene Bildband ist in allen örtlichen Buchhandlungen, beim Bonifatius Verlag in Paderborn, aber auch bei mir persönlich erhältlich. Wie schätzt Du die Zukunft unserer Senne ein, die heute noch in Großteilen der militärischen Nutzung unterliegt. Wird sie weiterhin militärisch genutzt? Gibt es Perspektiven zur Integration in regionale Naherholungskonzepte? Teichmann: Mal wiederum keine ganz leicht zu beantwortende Frage. Ob die Senne weiterhin militärisch genutzt wird, hängt unter anderem maßgeblich von der Entwicklung der geopolitischen Weltlage ab, und da sehe ich gegenwärtig wenig Hoffnung auf Entspannung. Andererseits ist es auch eine monetäre Frage, welche und wie viele militärische Nutzungsgebiete erforderlich sind. Es kann durchaus passieren, dass nach dem Abzug des britischen Militärs die Senne weiterhin als Übungsplatz genutzt wird. Sollte diese Nutzung einmal entfallen, dann dürfte diese einmalige Landschaft weder Begehrlichkeiten der Industrie noch Kommunal- oder Privatinteressen geopfert werden. Die Sennenatur muss für die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben und teilweise auch erlebbar gemacht werden. Eine weitere Funktion hast Du beim Heimat- und Verkehrsverein Schloß Holte-Stukenbrock. Welche Aufgaben nimmst Du dort wahr? Teichmann: Als einer der stellvertretenden Vorsitzenden ist man in vielen Bereichen des Vereins gefordert. Neben den Vorstandssitzungen gilt es Führungen zu absolvieren, die Heimatgeschichte weiter aufzuarbeiten, wichtige Zeit- und Bilddokumente zu sichern, Exkursionen auszuarbeiten und durchzuführen, Kontakte mit anderen Heimatvereinen zu vertiefen, Dienst in den Heimathäusern zu versehen, Veranstaltungen und Ausstellungen zu planen, bei der Herausgabe des Stadtanzeigers mitzuwirken, Anfragen von Personen in heimatkundlichen Belangen zu erledigen, Ortsheimatpflege mit Schwerpunkt Stukenbrock-Senne zu betreiben, das heimatgeschichtliche Archiv bezüglich Bild- und Schriftdokumenten zu aktualisieren und zu optimiere etcetera. Zusätzlich bist Du auch noch sehr viel in Kontakt mit Freunden in Schweden und verbringst einen Großteil Deines Urlaubes dort. Was macht Schweden so attraktiv für Dich? Wie gestaltest Du Deine Zeit in Schweden? Teichmann: Die Sache mit Schweden begann auf einer meiner Alaska-Reisen im Jahre 1982. Damals lernte ich den schwedischen Naturfotografen Lennart Mathiasson kennen. Noch heute habe ich regen Kontakt mit dem inzwischen 92-Jährigen. Es entwickelte sich nicht nur eine Freundschaft, sondern durch ihn auch ein intensiver Kontakt in die mittelschwedische Finnmark im Herzen Dalarnas zu den Bewohnern eines kleinen Dorfes an der Bahnstrecke nach Kiruna im "Nirgendwo". Über viele Jahre begleitete ich die Bewohner bei der herbstlichen Elchjagd und anderen Aktivitäten im Jahreszyklus und erlernte ihre Sprache. Besonders eindrucksvoll sind immer wieder die Weiten und die größtenteils unberührten Landschaften sowie Begegnungen mit Elchen, aber auch Wölfen und Bären. Also Motive ohne Ende. Daneben interessierte mich auch die Geschichte der Bewohner, und auch dort gab es Impulse zur Erforschung der neuen "Heimat auf Zeit!", was die Mitarbeit bei einem schwedischen Buchprojekt auslöste. Wie sind diese vielen Aktivitäten in Einklang zu bringen mit Deinem Familien- und Berufsleben? Teichmann: Ehrlich gesagt, eigentlich gar nicht. Da muss man oft schon Kompromisse machen, die sind manchmal nicht ganz so einfach. Aber in Kürze trete ich ja in den "Unruhestand". Und zum Schluss ein Ausblick: Wie sieht nach Deiner Einschätzung unsere Region in zehn Jahren aus, wie werden wir uns weiter entwickeln? Teichmann: Kaffeesatzlesen ist nicht gerade meine Stärke, aber ich denke, wir haben in Stukenbrock-Senne, gerade weil wir hier auch einen doch noch relativ günstigen Altersschnitt haben, also eine gute Mischung von Alt und Jung, große Chancen, uns weiter zu entwickeln. Das ergänzende Miteinander zwischen Jung und Alt gilt es zu fördern. Auch Ausbildungsmöglichkeiten und berufliche Entwicklung in der Nähe zweier großer Städte mit günstiger Verkehrsanbindung sind vorteilhaft. Ich blicke bezüglich der Entwicklung unserer Region optimistisch in die Zukunft, wenngleich jeder von uns daran auch mitarbeiten muss. Gerade lese ich das neue Buch von Professor Gerhard Henkel, "Rettet das Dorf". Keine hochwissenschaftliche Abhandlung, sondern in einmalig klarer, verständlicher Sprache abgefasste Impulse zur Bewältigung von Problemen im ländlich strukturiertem Raum. Eigentlich eine Pflichtlektüre für jeden Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker, aber auch für diejenigen, die gerne in ihrem Dorf leben. Zuletzt erschien Monika Schultz von der Hospizgruppe sowie Ulrike Ahnfeld von der Jugendhilfe, Naturliebhaberin Katharina Birkenfeld, Musiker Dominik Mersch, Heilpraktikerin Ute Schniedermann, die Schwäbin Gabriele Antpöhler, Geschäftsführer Sebastian Brink, Diplom-Designerin Jennifer Sieweke, der Chinese Caijing Weng, Florist Christoph Wulf, Hausmeister Wigbert Fockel, Feuerwehrmann Konrad Esser, Stadtführer Otmar Lüke, der syrische Flüchtling Ahmad Jnneid, Immobilienmakler Manfred Oekenpöhler, Safaripark-Chef Fritz Wurms, Jagdhornbläser Wilhelm Kipshagen sowie Agrarbetriebswirt Johannes Broeker, Brudermeister Ulrich Teipel und Hermann-Josef Brummelte, Vorsitzender des Vereins "Unser Dorf Stukenbrock-Senne".

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