So sah eine Neujahrskarte 1914 aus: Der Absender wünscht dem Adressaten anscheinend viel Geld. Über die Bedeutung der Zahl 1981 am linken unteren Rand kann auch Heimatforscher Günter Potthoff keine Auskunft geben. Die Karte stammt laut Poststempel aus dem Jahr 1914. - © Günter Potthoffs Privatarchiv
So sah eine Neujahrskarte 1914 aus: Der Absender wünscht dem Adressaten anscheinend viel Geld. Über die Bedeutung der Zahl 1981 am linken unteren Rand kann auch Heimatforscher Günter Potthoff keine Auskunft geben. Die Karte stammt laut Poststempel aus dem Jahr 1914. | © Günter Potthoffs Privatarchiv

Schloß Holte-Stukenbrock Neujahrsgrüße von der Front 1914

Soldaten bedanken sich im Ersten Weltkrieg für Liebesgaben

Sigurd Gringel
Schloß Holte-Stukenbrock. Siegesgewiss zogen die deutschen Soldaten im August 1914 in den Krieg. Doch schon im Herbst folgte die Ernüchterung. Der Vormarsch stand still, der Grabenkrieg begann. Weihnachten und Neujahr daheim bei der Familie - daraus wurde nichts.

Um die Soldaten bei Laune zu halten, wurden die Daheimgebliebenen aufgefordert, Hilfspakete an die Front zu schicken. Liebesgaben wurden diese Pakete genannt. Der Aufruf kam zum Beispiel über Plakate mit dem Text: "Weihnachten im Feld - Spendet Liebesgaben für unsere Krieger."

In die Pakete packten die Menschen in erster Linie Lebensmittel, aber auch Kleidung. Sie gingen direkt an die Verwandten und Freunde an der Front - sofern die Sender wussten, wo die Soldaten waren. Aber es gab auch Liebesgaben für Unbekannte. Die Versendung übernahmen in der Regel Hilfsorganisationen.

Auch die Menschen in den Dörfern, die heute Schloß Holte-Stukenbrock bilden, haben Liebespakete geschnürt. Der Heimatforscher Günter Potthoff kann das anhand von Feldpostbriefen belegen, die in seinem Besitz sind. Die Soldaten senden oft Weihnachts- und Neujahrsgrüße und bedanken sich gleichzeitig für die erhaltenen Pakete.

So zum Beispiel Heinrich Nepke. Er schreibt Ende Dezember 1914 aus Lodz (Polen) an die Gaststätte Dresselhaus in Schloß Holte: "Tausend Dank für das große Weihnachtspaket und die Weihnachtskarte." Er teilt mit, dass er und seine Kameraden die Feldbahnstation Lubien in Betrieb genommen haben. "Das Christkind hat es gut gemeint. So wissen wir nun, wo wir uns nach Dienstschluss hinlegen können."

Auch einen Weihnachtsbaum haben die sechs Soldaten aufgestellt. "Es war ganz ergreifend", schreibt Nepke. Offenbar haben die Menschen im ersten Kriegswinter, als sie selbst noch genügend Vorräte hatten, viele Pakete verschickt. So viele, dass die Soldaten den Menschen in Polen noch etwas abgegeben konnten. "Mit offenem Munde und großen Augen haben sie uns angeschaut", schreibt Heinrich Nepke. "Einen ganzen Laden könnte man mit all den Sachen einrichten."

Leider ist mit dem Paket, dass an ihn gerichtet war, ein Malheur passiert. Fast alles sei heil geblieben, nur nicht die Flasche. Was in der Flasche gewesen war, bleibt unklar. Nepke konnte das Etikett nicht mehr entziffern. Und "zum Riechen sind wir alle zu erkältet".

Dann berichtet er noch über Verletzte und über Tote, die bei einer Sprengung ums Leben gekommen waren. "Ja, das ist der Krieg mit all seinen Entbehrungen und Erlebnissen." Ihm selbst gehe es aber gut. Dann wünscht er noch ein Prosit Neujahr und schickt Grüße in die Holte.

Kürzer hält sich Josef Ortjohann, der schon im November 1914 eine Weihnachtskarte aus Lötzen (Masuren) ebenfalls an die Gaststätte Dresselhaus schreibt. Sie kommt laut Poststempel rechtzeitig vor Weihnachten an. Ortjohann verliert nicht viele Worte. Er bestellt Grüße. "Sonst geht es mir gut."

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