Bitte mal husten: In Schloß Holte-Stukenbrock muss sich zurzeit jeder Hausarzt um 1.500 Patienten mehr kümmern, als er laut Kassenärztlichen Vereinigung sollte. Diese Situation könnte sich in den nächsten Jahren zuspitzen. - © Benjamin Ulmer / dpa
Bitte mal husten: In Schloß Holte-Stukenbrock muss sich zurzeit jeder Hausarzt um 1.500 Patienten mehr kümmern, als er laut Kassenärztlichen Vereinigung sollte. Diese Situation könnte sich in den nächsten Jahren zuspitzen. | © Benjamin Ulmer / dpa

Schloß Holte-Stukenbrock Hausarzt-Mangel: Problem weiter ungelöst

Die medizinische Versorgung der Menschen in SHS ist zurzeit gesichert. Das kann sich schon bald ändern. Deshalb könnte die Stadt die Ansiedlung von Hausärzten finanziell fördern

Sabine Kubendorff

Schloß Holte-Stukenbrock. Hausärzte sind in fast ganz Deutschland Mangelware geworden. Die meisten Jungmediziner wollen sich nicht für eine eigene Praxis hoch verschulden, sind lieber Angestellte, erwarten einen gesicherten Arbeitsplatz für den Partner, Kinderbetreuung und bessere Honorare. Da muss sich auch eine prosperierende Kommune wie Schloß Holte-Stukenbrock strecken, um dem drohenden Mangel an Hausärzten entgegenzuwirken. Die Stadtverwaltung wird am 23. Januar im Haupt- und Finanzausschuss vorstellen, welche finanziellen Anreize möglich und sinnvoll sind. Vor vier Jahren wurde in SHS das Thema aktuell. Damals gab es neun Hausärzte, sechs davon gingen auf die Rente zu. Inzwischen hat einer von ihnen seine Praxis abgegeben, sein Nachfolger wanderte allerdings überraschend schnell ab. Im Nachhinein ist Bürgermeister Hubert Erichlandwehr froh, dass das Thema so früh auf die Tagesordnung gekommen ist. »Die Lage ist ernst, aber noch geht’s« Auch wenn bislang kein nennenswerter Erfolg im Bemühen um Hausärzte erkennbar ist. „Die Lage bleibt ernst", sagt der Bürgermeister. „Aber noch geht’s." Hubert Erichlandwehr ist in den zurückliegenden Jahren um viele Erkenntnisse reicher geworden. Er hat sich in eine komplizierte Materie eingefuchst – dank der vielen Gespräche, die er geführt hat. Mit der Kassenärztlichen Vereinigung, einem externen Berater, den Kliniken im Umkreis, potentiellen Interessenten, mit den heimischen Hausärzten. Und auch mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann wegen der Förderrichtlinien des Landes: Es werden finanzielle Anreize für Hausärzte in medizinisch unterversorgten Gebieten geboten. SHS ist unterversorgt. Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) muss ein Hausarzt für knapp 1.900 Menschen da sein. In Schloß Holte-Stukenbrock kommen derzeit auf jeden der acht Hausärzte etwa 3.400 Patienten. In medizinisch unterversorgten Kommunen beteiligt sich das Land an einer neuen Hausarztpraxis mit 50.000 Euro. Aber nur in Städten und Gemeinden mit weniger als 40.000 Einwohnern. Minister Laumann denkt zurzeit laut darüber nach, die Obergrenze wieder auf 25.000 Einwohner herabzusetzen und dann auch die Gründung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) zu fördern. SHS mit mehr als 27.000 Einwohnern könnte dann nicht von der Förderung profitzieren, was den Bürgermeister ärgern würde. Denn nach Ansicht von Hubert Erichlandwehr darf nicht die Einwohnerzahl für eine Förderung ausschlaggebend sein, sondern nur der Versorgungsgrad. Ein Medizinisches Versorgungszentrum wäre eine Lösung Ein MVZ wäre nach Ansicht des externen Beraters, der vor drei Jahren eingeschaltet worden war, eine Lösung für SHS. Der Vorschlag von Hans-Friedrich Spies damals: Aufbau einer Gemeinschaftspraxis aller heimischer Hausärzte im Zentrum der Stadt, Zweigpraxen für die dezentrale Versorgung sollten bestehen bleiben. Der Vorschlag hat sich bislang nicht durchgesetzt. Die Nachbarstadt Verl, in der sich die Situation zuspitzt, hat jetzt eine Förderrichtlinie verabschiedet. Kernsatz: „Die Stadt Verl gewährt je Übernahme einer Praxis eines ausgeschiedenen oder ausscheidenden Arztes/Ärztin oder je Neuniederlassung oder Einrichtung einer Zweigpraxis oder je eingestellten Arzt/Ärztin im Fördergebiet für die Einrichtung, den Umbau, die Renovierung von Praxisräumen sowie der Anschaffung von medizinischen Geräten und Praxisausstattung einen einmaligen Investitionszuschuss in Höhe von 50 Prozent der aufgewendeten Kosten, höchstens jedoch von 35.000 Euro." Diese Förderrichtlinie könnte vielleicht ein Vorbild für Schloß Holte-Stukenbrock sein.

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