Ohne Ehrenamtliche geht gar nichts: Die Irakerin Sipal Hassan und der Syrer Nedal Alhmada helfen Giesela Hörster bei der Ausgabe von Kleidung und anderen Spenden der Stukenbrocker Bevölkerung. - © Gunter Held
Ohne Ehrenamtliche geht gar nichts: Die Irakerin Sipal Hassan und der Syrer Nedal Alhmada helfen Giesela Hörster bei der Ausgabe von Kleidung und anderen Spenden der Stukenbrocker Bevölkerung. | © Gunter Held

Schloß Holte-Stukenbrock Bürger teilen ihre Mäntel

Aktion der Neuen Westfälischen: Große Beteiligung am Spendenaufruf. Giesela Hörster von der Flüchtlingshilfe bedankt sich bei den zahlreichen Spendern

Gunter Held

Schloß Holte-Stukenbrock. Der Heilige Martin schnitt seinen Mantel mit seinem Schwert in zwei Teile, um ihn mit einem nackten Mann zu teilen. In Erinnerung an diese gute Tat rief die Redaktion der Neuen Westfälischen dazu auf, es dem Heiligen gleich zu tun. Wenigstens beinahe gleich zu tun, denn die Leser wurden um wärmende Mäntel, Jacken, Mützen und Handschuhe gebeten – unzerschnittene natürlich. Die Resonanz war überwältigend. Bis gestern Abend haben Gerhard Blumenthal und Giesela Hörster von der Flüchtlingshilfe viermal an der Redaktion am Holter Kirchplatz angehalten und das Auto bis unters Dach vollgeladen. Hörster ist des Lobes voll, wenn es um die Hilfsbereitschaft der Schloß Holte-Stukenbrocker geht. „Ich engagiere mich jetzt seit vier Jahren in der Flüchtlingshilfe“, sagt sie, „und immer noch ist die Spendenbereitschaft sehr groß.“ Sie bedankt sich bei allen, die ihre Schränke durchforstet haben auf der Suche nach wärmender Kleidung, die sie abgeben können. Alle Spenden werden in das Spendenlager der Flüchtlingshilfe gebracht. Das befindet sich in einem Nebengebäude der Kita St. Achatius in Stukenbrock-Senne. Die Räume sind der Flüchtlingshilfe von der Stadt zur Verfügung gestellt worden. Im Erdgeschoss sind Möbel, Lampen und Kinderwagen gelagert. „Wer einen Kinderwagen benötigt, meldet sich bei mir. Der ausgewählte Kinderwagen wird dann technisch in Ordnung gebracht. Eine Woche später kann er von den neuen Eigentümern abgeholt werden.“ Auch einige Fernseher stehen dort. „Die werden mit einem Receiver ausgerüstet, damit die Menschen Programme aus ihren Heimatländern schauen können“, sagt Hörster, die von allen dort nur „Mama“ genannt wird. Und „Mama“ sorgt mit liebevoll strenger Hand (und Stimme) für Ordnung. „Wer hat das Papier auf den Boden geworfen“, fragt sie. Als niemand reagiert, wird die Frage strenger: „Wer war das? So etwas gibt es hier nicht. Hier herrscht Ordnung.“ Ein Mann schiebt sich nach vorn. Reuevoller Blick. Er klaubt die Schnipsel zusammen. Giesela Hörster wendet sich zufrieden ab und erklärt: „Jeder, der hier etwas mitnehmen möchte, sammelt die Sachen in einem Wäschekorb. Den kontrolliere ich und dann kann er für fünf Euro mitgenommen werden.“ Das Geld wird eingesetzt für notwendige Reparaturen an gespendeten Sachen, wie den Kinderwagen. Doch es kommt viel zu wenig Bares rein. Die Flüchtlinge haben etwa 300 Euro im Monat zur Verfügung. Der eine oder andere versucht, sich etwas hinzuzuverdienen. Die Kleiderkammer der Flüchtlingshilfe dazu zu missbrauchen, ist natürlich nicht in Ordnung. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter hatte in einer Flüchtlingsunterkunft einen Mann bemerkt, der Kindersachen verkaufte. „So etwas geht überhaupt nicht“, sagt Hörster. „Der bekommt hier keine Kindersachen mehr.“ Zehn ehrenamtliche Helfer hat Hörster um sich versammeln können. Zwei sind gebürtige Deutsche, alle anderen sind Flüchtlinge. Der Syrer Nedal Alhmada und die Irakerin Sipal Hassan haben mittlerweile ihre Anerkennung. Andere warten noch drauf. Es dauert zwischen drei Monaten und zwei Jahren. Giesela Hörster benötigt weiterhin Kleidung, besonders kleine Männergrößen. Außerdem braucht sie Geld, um Reparaturen bezahlen zu können. Wer der Flüchtlingshilfe finanziell unter die Arme greifen möchte, bekommt nähere Informationen von Giesela Hörster, Tel. (01 62) 3 71 95 40.

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