Der Filmemacher, Autor und Miterfinder der Lach- und Sachgeschichten mit der Maus, Armin Maiwald. - © dpa
Der Filmemacher, Autor und Miterfinder der Lach- und Sachgeschichten mit der Maus, Armin Maiwald. | © dpa

Verl Interview: "Maus"-Erfinder Armin Maiwald über das Kinderfernsehen von heute

Seit 1971 macht er die "Lach- und Sachgeschichten": Im interview spricht Armin Maiwald über die Veränderungen des Kinderfernsehens - und darüber, was er selbst bei den Recherchen gelernt hat.

Karin Prignitz

Herr Maiwald, seit wann erklären Sie Kindern die Welt? Armin Maiwald: Die Sendung mit der Maus läuft seit dem Jahr 1971. Angefangen, Filme zu produzieren, haben wir aber schon 1968. Damals lautete der Titel noch "Sachgeschichten für Fernsehanfänger." Wer hat Ihnen selbst erklärt, wie die Dinge funktionieren, als sie klein waren? Maiwald: Ich bin während und nach dem Krieg groß geworden und habe meiner Mutter Löcher in den Bauch gefragt. Wenn sie selbst es nicht wusste, hat sie jemanden gesucht, der sich auskannte. Natürlich waren die Fragen früher andere. Wie kommt die Mine in den Bleistift, beispielsweise. Heute fragen sich die Kinder, woher das Handy weiß, dass sie auf dem Domplatz stehen. Entsprechend hat sich die Sendung ständig entwickelt. Allerdings immer unter dem Motto "Evolution statt Revolution". Der Anspruch, gutes Kinderfernsehen zu machen, ist geblieben. Sendungen von damals und heute sind dennoch kaum mehr zu vergleichen? Maiwald: Wenn man die Sendungen von damals und die heutigen schaut, merkt man den Unterschied ganz deutlich. Er liegt vor allem in der Geschwindigkeit und bei den Themen. Die Sehgewohnheiten haben sich verändert, darauf mussten wir uns einstellen. Eines aber ist gleich geblieben: Wir recherchieren nach wie vor journalistisch sehr gewissenhaft. Können Sie sich an die längste Recherche für "Die Sendung mit der Maus" erinnern? Maiwald: Ja, da ging es um die Frage, was das Vitamin C im Körper bewirkt. Daran haben wir drei Jahre gebastelt. Die Frage, wie eine Büroklammer hergestellt wird, war da wesentlich einfacher zu beantworten. Sind nach so langer Zeit nicht die meisten Fragen schon beantwortet worden? Maiwald: Keineswegs. Der Wissensdurst der Kinder ist nach wie vor groß. Wir bekommen immer noch viel Post, längst allerdings nicht nur in Brief- oder Postkartenform, sondern auch als Mail oder DVD. Darauf reagieren wir. Manche Fragen, wie etwa die, warum der Himmel blau ist, tauchen immer wieder auf. Oft sind wir aber überrascht, worüber sich die Kinder Gedanken machen. Können Sie ein Beispiel nennen? Maiwald: Woher weiß die Kopfschmerztablette, dass sie in den Kopf soll, wo sie doch in den Magen geschluckt wird. Auf dem Weg zur Antwort habe ich ein halbes Medizinstudium gratis bekommen (lacht). Fernsehen bildet, wenn man es selber macht. Sie selbst erzählen in Ihrem Buch über Kartoffelklau und Äste sammeln in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Aus ihrer Sicht eine unbeschwerte Kindheit. Wie passt das zusammen? Maiwald: Man war viel stärker als heute aufeinander angewiesen. Ich konnte schon mit fünf Jahren eine Heizplatte reparieren und ich finde, es wäre schade um jede Minute, die ich dort nicht verbracht hätte. Kinder heute sind viel zu sehr abhängig von der Technik. Damit einher geht, dass die Beweglichkeit von Händen und Körper verkümmert. Wie sieht für Sie gutes Kinderfernsehen aus? Maiwald: Das muss genauso gut gemacht werden wie das für die erwachsenen Zuschauer. Es muss die Kinder mitnehmen und sie faszinieren. Wenn ich sehe, was auf einigen Sendern läuft, dann finde ich das unsäglich. Unmöglich finde ich beispielsweise die japanischen Zeichentrickfilme. Sie sind oft brutal und vermitteln eine unglaubliche Aufgeregtheit, die Kindern nicht guttut. Ohnehin sollten Kinder vor drei Jahren nicht vor der Kiste sitzen. Kinder brauchen Ruhe und auch mal Langeweile, um sich orientieren zu können. Wird es die "Sendung mit der Maus" Ihrer Einschätzung nach in zehn Jahren noch geben? Maiwald: Keine Ahnung, aber wir geben uns Mühe. Alles ist abhängig von der Einschaltquote und die ist im Moment gut. Von daher kann man hoffen, dass wir dann in zehn Jahren womöglich über fliegende Autos berichten.

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