Was hilft: Hermann Mesken (l.) und Polizist Michael Schulmann zeigen im Rathaus, wie man sich vor Einbrüchen schützen kann. Die Herren haben diverse Angebote im Programm. - © Foto: Sigurd Gringel
Was hilft: Hermann Mesken (l.) und Polizist Michael Schulmann zeigen im Rathaus, wie man sich vor Einbrüchen schützen kann. Die Herren haben diverse Angebote im Programm. | © Foto: Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock Einbruchszahlen auf hohem Niveau

Sicherheit: Polizei, Handwerker und Architekten informieren in der Aktion „Riegel vor“ über Möglichkeiten, sich vor einem Einbruch zu schützen. Nachträgliche Sicherungen sind sinnvoll – wichtig ist die Beratung

Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock. Die Bürger sind in Sorge. Allein in den vergangenen sechs Tagen sei in Schloß Holte-Stukenbrock siebenmal eingebrochen worden, teilt der Bezirksbeamte der Polizei, Claus Mikus, mit. „Die dunkle Jahreszeit beginnt", sagt er. Einbrecher haben es dann leichter, unbemerkt in die Häuser einzudringen. Deswegen findet gerade jetzt die Aktionswoche „Riegel vor" der Polizei Gütersloh statt. In SHS konnten sich Interessierte gestern Nachmittag im Rathausfoyer darüber informieren, wie sie sich besser vor einem Einbruch schützen können. DIE ZAHLEN Im Kreis Gütersloh hat es im Jahr 2015 759 Einbrüche gegeben. 2016 waren es 654. Die Kreispolizeisprecherin nennt gute Polizeiarbeit als Grund für den Rückgang. 2014 vermeldete die Polizei 549 Einbrüche, 2013 waren es 556. Die aktuellen Zahlen lassen einen Rückgang erwarten. 339 Wohnungseinbrüche sind es von Januar bis Ende August. In Schloß Holte-Stukenbrock passierte im Sommer nicht viel. In den vergangenen drei Wochen habe es dann aber elf Einbrüche gegeben, sieben davon allein in den vergangenen sechs Tagen. Bezirksbeamter Claus Mikus spricht daher von einer Wellenbewegung. „Aber seit 2015 haben wir beunruhigend hohe Zahlen." DIE TÄTER Auffallend ist, dass sich die Einbrüche an Orten häufen, die gut mit dem Auto zu erreichen sind. Schnell hin und schnell wieder weg ist die Devise. Autobahnnähe sei so ein Kriterium, sagt Claus Mikus. Ausländische Täter sind mitunter auch in Autos mit deutschen Kennzeichen unterwegs. Sie fahren langsam durch die Straßen und sondieren die Häuser mit Täterblick, wie Mikus es nennt. Sind die Eingänge einsehbar? Wie sind sie beleuchtet? Steht ein Fenster auf Kippe? Haben die Täter ein Haus gefunden, klingeln sie oft an; öffnet niemand, brechen sie blitzschnell ein. Manche verteilen Prospekte und spähen dabei aus. Bei derartigen Tätern handelt es sich um Einbrecherbanden, vermutet die Polizei. Es gibt aber auch Beschaffungskriminalität. Diese Täter sind auf jeden Euro aus. Mikus: „Es spielt keine Rolle, ob das Haus nach viel Geld aussieht oder nicht." SICHERUNG Die Polizei unterscheidet bei der Sicherung der Häuser und Wohnungen in eigenes Verhalten und in mechanische Sicherung. Das Haus sollte belebt aussehen oder den Anschein erwecken, der Bewohner komme gleich wieder. Bei kurzer Abwesenheit mal ein Licht anlassen oder vielleicht sogar Musik, rät Claus Mikus. Vor längerer Abwesenheit den Nachbarn bitten, die Mülltonne reinzustellen oder den Briefkasten zu leeren – überhaupt den Blick dafür zu schärfen, wer in die Gegend gehört und wer nicht. Wer ein Haus neu baut, sollte schon mit dem Architekten über das Thema Sicherheit sprechen. Nachträglich sei es in erster Linie sinnvoll, Türen und Fenster zu sichern. Beliebte Einbruchsmethoden sind das Fensteraufhebeln oder das Durchstechen der Glasdichtung. Tischler Hermann Mesken vom Netzwerk „Zuhause sicher" empfiehlt, in den Fensterrahmen eine umlaufende Pilzkopfverriegelung einbauen zu lassen und abschließbare Fenster- und Terrassentürgriffe zu verwenden. Beides in Kombination, das sei wichtig. Interessierten demonstriert er im Rathausfoyer, wie Einbrecher mit einfachen Gebrauchsgegenständen in Sekundenschnelle ein Fenster aufhebeln oder den Terrassentürgriff umdrehen können. BEI VERDACHT 110 WÄHLEN Polizist Claus Mikus hat schon erlebt, dass sich Einbruchsopfer erst einen Tag nach der Tat melden. Er empfiehlt, sofort die Polizei unter der Nummer 110 anzurufen – auch, wenn Bürger etwas Verdächtiges bemerken. „Es ist keine Notruf-, sondern vielmehr eine Servicenummer", sagt Claus Mikus. BERATUNG Die Polizei in Gütersloh bietet kostenlose und unverbindliche Beratungen an. Die Bürger sind anschließend nicht verpflichtet, die Empfehlungen auch umzusetzen. In SHS sind die beiden Bezirksbeamten der Polizei, Claus Mikus und Michael Schulmann, Ansprechpartner. Sie schauen sich das Haus an und geben vor Ort Tipps. Eine Stunde könne so ein Besichtigungstermin dauern, sagt Michael Schulmann. Wer sich für eine Sicherung entscheidet, sollte zertifizierte Betriebe beauftragen. Einige Architekten und Handwerksbetriebe gehören kreisweiten Schutzgemeinschaften an, für die hiesige Schutzgemeinschaft Gütersloh ist die Kreishandwerkerschaft zuständig. Eine Übersicht über die teilnehmenden Betriebe und weitere Informationen zu den Themen Einbruch- oder Brandschutz gibt es beim gemeinnützigen Netzwerk „Zuhause sicher", im Internet zu finden unter: www.zuhause-sicher.de.

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