Hat alle Pins: Sammler Wolfgang Zindler. - © Foto: Jan Ahlers
Hat alle Pins: Sammler Wolfgang Zindler. | © Foto: Jan Ahlers

Schloß Holte-Stukenbrock Echte Pollhans-Typen - seit mehr als 40 Jahren dabei

Anton Sertic und Wolfgang Zindler sind seit mehr als 40 Jahren auf dem Schloß Holter Jahrmarkt anzutreffen. Einer von ihnen lässt den Betrieb nun ruhen

Jan Ahlers

Schloß Holte-Stukenbrock. "Eine Bäckertochter backt später Brötchen, ein Hotelierssohn übernimmt die Pension und ein Schaustellerkind ist irgendwann selbst auf dem Jahrmarkt." Anton Sertic grinst nach diesem Satz wie ein Lausbub. Mit 73 Jahren ist er noch kein bisschen müde, das Ziehen von Kirmes zu Kirmes begleitet ihn ein ganzes Leben. Er ist ein echter Pollhans-Typ, den nahezu jeder Besucher kennt. Natürlich hänge nicht jede Karriere von der Familie ab, revidiert Sertic. Dem Bad Sassendorfer wurde seine Berufung jedoch förmlich in die Wiege gelegt. Denn er wurde nicht in einem Krankenhaus geboren, "sondern im Wohnwagen." Und das zu einer Zeit, in der sich der Zweite Weltkrieg in seinen letzten Zügen befand. Die Beschickerfamilie Sertic hat weitaus mehr historische Ereignisse überlebt. Im 16. Jahrhundert hatten Sertics Urahnen als Minnesänger und Hofgaukler die Region bereist. Das Kettenkarussell von Anton Sertic ist in SHS stadtbekannt. Wer vor Jahrzehnten als Dreikäsehoch in die Schaukel stieg, der ist dem Fahrgeschäft treu geblieben. Schon mehr als 40 Jahre steht der Kettenflieger jährlich im Oktober auf dem Pollhansplatz und hat sich zum Mittelpunkt der Kirmes gemausert. "Für viele Leute ist der erste wichtige Treffpunkt auf dem Pollhans bei mir", sagt Sertic, der auf dem Jahrmarkt als Schaustellersprecher fungiert. Dass er sich seit einem Jahrzehnt in Pension befinden könnte, kümmert Sertic nicht im Geringsten. "Ich lebe für den Kettenflieger", sagt er, während er weitere Stahltreppen an seiner Attraktion montiert. Dass der Chef selbst Hand anlegt, ist für ihn selbstverständlich. Seine Frau unterstützt ihn, verkauft am Wochenende Fahrkarten. Ein Versprechen musste Sertic ihr aber abgeben: "Ich habe ihr geschworen, dass ich mit 100 Jahren aufhöre." "Nur in einem Jahr habe ich mich zurückgehalten" Eine ähnliche lange Zeit auf dem Pollhans hat Wolfgang Zindler verbracht, der Ende 2016 den Gasthof Buschkrug nach vielen Jahren aus Altersgründen aufgegeben hat. Auch er ist dem Jahrmarkt seit vier Jahrzehnten treu, bediente mit einem Bierstand zunächst das ehemalige Wirtezelt und seit 14 Jahren das Veltinszelt. Nun hat er sich von diesem Geschäft verabschiedet. "Irgendwann ist die Zeit gekommen", sagt der 61-Jährige, der jeden Pollhans-Pin seit der ersten Auflage im Jahr 2004 gesammelt und sämtliche Sammlerstücke stolz an seinen Mantel geheftet hat. Jedes Jahr habe er am Wochenende geschuftet, "nur in einem Jahr habe ich mich zurückgehalten und lediglich Tische abgeräumt. Da hatte ich einen Bandscheibenvorfall." Nichtsdestotrotz sei die Vorfreude auf den ersten Pollhansmarkt als Besucher groß, sagt Zindler. "Es ist ein neues Gefühl." Er verfolgt nun neue Ziele: Wieder mehr Cabrio fahren, das Moped aus dem Jahr 1977 pflegen. Ein Haus bauen, 300 Meter von seinem Elternhaus entfernt. "Back to the roots" nennt Zindler das. Einfach mal das Leben in vollen Zügen genießen. Genießen kann Anton Sertic jede Stunde auf der Kirmes. Er freut sich wie Bolle auf die Eröffnung am Samstag. "Fahrgeschäfte, Festzelte, Bauernmärkte, Lokalkolorit - das zeichnet dieses Fest aus", sagt der Schausteller. Auch die Konditionen für Beschicker stellen ihn zufrieden. Umso bemerkenswerter, als dass die Stadt Schloß Holte-Stukenbrock für den Pollhans zuletzt draufzahlen musste. "Das sagt viel Gutes über die hiesige Einstellung zur Kirmes aus", kommentiert Sertic. Dass er dadurch den Eintrittspreis bei 2,50 Euro für eine Fahrt in seinem Kettenkarussell belassen kann, wird vor allem die Fahrgäste freuen. Und das sind längst nicht nur die kleinen Kirmesbesucher.

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