Winzig klein und ziemlich schnell: Eine Mauereidechse klettert am Bahnhof in Schloß Holte auf einem abgebrochenen Ast. Sie leben in einer ganzen Kolonie, sagt Naturexperte Christian Venne. Heimisch ist diese Art in Ostwestfalen eigentlich nicht. - © Foto: Jan Ahlers
Winzig klein und ziemlich schnell: Eine Mauereidechse klettert am Bahnhof in Schloß Holte auf einem abgebrochenen Ast. Sie leben in einer ganzen Kolonie, sagt Naturexperte Christian Venne. Heimisch ist diese Art in Ostwestfalen eigentlich nicht. | © Foto: Jan Ahlers

Schloß Holte-Stukenbrock Warum 400 Eidechsen der Bahn Probleme bereiten

Schnappschuss: Auf der Suche nach Herbstmotiven ist die Neue Westfälische am Bahnhof förmlich über eine Mauereidechse gestolpert. Experte Christian Venne erklärt, dass die Kolonie sogar der Bahn Probleme bereitet.

Jan Ahlers

Schloß Holte-Stukenbrock. Eigentlich wollte die Neue Westfälische lediglich den Herbst in Schloß Holte-Stukenbrock fotografisch festhalten. Am Bahnhof entstand aus diesem Vorhaben ein echter Schnappschuss - eine wenige Zentimeter große Mauereidechse, die über einen abgebrochenen Ast huschte. Ein seltenes Bild, aber kein völlig ungewöhnlicher Fund, klärt Christian Venne von der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne auf. So schnell wie es gekommen war, verschwand das Reptil auch wieder im Gehölz. "Das ist wenig verwunderlich. Diese Eidechsen sind nicht nur ziemlich flink, sondern auch sehr scheu", sagt Venne. Ihm zufolge befindet sich rund um das Bahnhofsgelände eines der größten Vorkommen der Mauereidechse in der Region. Venne schätzt die Anzahl auf 400 Tiere. Eine ähnlich große Kolonie befindet sich beispielsweise an den Kalkfelsen des Bielefelder Ostwestfalendamms. Venne kann auch erklären, wie die Eidechse überhaupt nach SHS gekommen ist. Normalerweise sei diese Art derart weit nördlich gar nicht vorzufinden. "Natürliche Vorkommen gibt es nur im Süden von NRW", sagt der Mitarbeiter des Naturschutzvereins. Vor 50 Jahren habe ein Einwohner zehn Exemplare aus einem Urlaub in Südfrankreich mitgebracht und in seinem Garten - in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof - gehalten. "Von dort sind sie dann ausgebüxt und in den Gleisen eingezogen", sagt Venne. Grober Schotter im Gleis sowie Fugen an den Bahnsteigen bieten ihm zufolge gute Bedingungen für die Überwinterung. "Bei gutem Wetter schauen sie auch in den Wintermonaten ab und zu vor die Tür. Die meiste Zeit verbringen sie in der kalten Jahreszeit aber geschützt", sagt Venne. Für die Bahn können die unter besonderem Schutz stehenden Tiere hingegen Probleme bedeuten - obwohl die Art "eingewandert" ist, muss ihr Bestand bei Umbaumaßnahmen gesichert werden. "Das war für junge Leute ein kleines Event" Jeder bauliche Eingriff am Bahnhof SHS erfordert daher eine Sondergenehmigung. Vor einigen Jahren wurde die Biologische Station damit beauftragt, die Eidechsen vor Baubeginn einzufangen. Venne erinnert sich an ein "kompliziertes Unterfangen, das sogar einige Schaulustige angelockt hat". Schließlich haben er und seine Kollegen mit einer angelähnlichen Konstruktion die kleinen Reptilien in eine Schlaufe locken müssen, die sich dann sanft festzog. "Das war für junge Zuschauer ein kleines Event", sagt Venne. Mit leichten Sorgenfalten auf der Stirn betrachtet Venne derweil, dass die Mauereidechse invasiv in Gebiete heimischer Arten wie beispielsweise der Wald- oder Zauneidechse einfällt. "Das sehen wir nicht gerne", sagt der Biologe. Neben den beiden genannten Eidechsen ist in Senne und Teutoburger Wald auch die schlangenähnliche Blindschleiche vorzufinden, wie Venne erzählt. "Die findet man aber leider eher überfahren auf der Straße als lebend vor."

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