Pollhansbummel: Der war auch schon in den 60er Jahren üblich. An der Spitze Bürgermeister Carl Oesterwalbesloh (vorne Mitte), der 1964 auf Pollhans bekannt gab, dass Liemke jetzt Schloß Holte heißt. Links im Bild Amtsdirektor Hans-Georg Klose aus Verl, denn Schloß Holte gehörte damals noch zum Amt Verl. ? - © Foto: NW-Archiv
Pollhansbummel: Der war auch schon in den 60er Jahren üblich. An der Spitze Bürgermeister Carl Oesterwalbesloh (vorne Mitte), der 1964 auf Pollhans bekannt gab, dass Liemke jetzt Schloß Holte heißt. Links im Bild Amtsdirektor Hans-Georg Klose aus Verl, denn Schloß Holte gehörte damals noch zum Amt Verl. ? | © Foto: NW-Archiv

Schloß Holte-Stukenbrock Als aus Liemke Schloß Holte wurde

Gedächtnis der Stadt (33): Wie sich der Technische Direktor des FC St. Pauli, Ewald Lienen, Europaparlamentarier Elmar Brok und das Holter Urgestein Werner Dresselhaus daran erinnern

Sabine Kubendorff

Schloß Holte-Stukenbrock. Im Ausweis von Fußballlegende Ewald Lienen, der in Köln nur der Heilige Ewald genannt wurde, steht als Geburtsort: Liemke. Inzwischen mit einer kleinen Ergänzung. Und zwar aus folgendem Grund:13. OKTOBER 1964 Die Landesregierung beschließt, den Antrag der Gemeinde Liemke auf Umbenennung in „Schloß Holte“ zu genehmigen, da Geschäftswelt, Vereine, Post und Bahn den Namen schon seit langem verwenden. Bekanntgegeben wurde dies bei der Pollhans-Eröffnung durch Bürgermeister Carl Oesterwalbesloh. „Unsere Diskussionen im Kreise meiner Freunde beziehungsweise Fußballkameraden über dieses historische Ereignis hielten sich meiner Erinnerung nach sehr in Grenzen“, schreibt Ewald Lienen auf Bitten der Neuen Westfälischen, „und drehten sich mehr um das nächste Spiel oder die Frage, ob wir nicht endlich mit dem Rauchen aufhören sollte – was ich mit 11 dann auch geschafft habe.“ Pollhans 1964 war Ewald Lienen (gerade noch) zehn Jahre alt und kickte beim VfB Schloß Holte. Nach 19 weiteren Stationen als Spieler und Trainer ist er inzwischen Technischer Direktor des FC St. Pauli. Seinem Heimatort ist er noch immer verbunden. Sein Bruder lebt in Schloß Holte. „Mit dem Namen Liemke habe ich nie etwas zu tun gehabt“, schreibt Ewald Lienen der NW, „sondern in Schloß Holte gelebt, Fußball gespielt beim VfB Schloß Holte und wurde immer nur als Schloß Holter gesehen und bezeichnet.“ Werner Dresselhaus, der zusammen mit seiner Ehefrau Gisela das traditionsreiche Gasthaus Dresselhaus-Brockmann an der Bahnhofstraße über Jahrzehnte betrieben hat, war 1964 32 Jahre alt. „Der Name Schloß Holte setzte sich immer mehr durch“, sagt der 85-Jährige heute. „Da war die Umbenennung naheliegend.“ Die Reichsbahn hatte 1901 den Bahnhof „Schloß Holte“ benannt, und auch die Poststelle trug denselben Namen, wenngleich zum Beispiel die Postadresse des Gasthauses Dresselhaus-Brockmann lange „Liemke 173“ hieß. Aber von der Holter Eisenhütte aus ging der Name „Schloß Holte“ durch die ganze Nation. Die Hütte, direkt gegenüber dem Schloss gelegen, produzierte bis 1966 – in ihren Blütejahren besonders erfolgreich hochwertige Öfen. Die Rechnungen, die verschickt wurden, trugen seit Jahrzehnten alle den Poststempel „Schloß Holte“. Die Gemeinde hieß aber Liemke. Mit dem Schloss und der Eisenhütte vertraut ist Europaparlamentarier Elmar Brok, wegen seines Einflusses auch „Mister Europa“ genannt. Sein Vater Ferdinand Brok betrieb lange das Sägewerk an den Sammelteichen. „Als jemand, der in der Nähe des Schlosses groß geworden ist“, schreibt der 71-Jährige der Neuen Westfälischen, „war für mich die Umbenennung längst überfällig – wie für die meisten Bürger. Es gab schon eine Schloß Holter Identität.“ Schloß Holte habe sich durch den Bahnhof und der damit verbundenen, auch wirtschaftlichen Entwicklung und zum Beispiel durch den VfB weiter über die Grenzen der Gemeinde hinaus durchgesetzt. „Das war der entscheidende Punkt.“ Nach sechs Jahren war es schon wieder vorbei mit dem Wohlklang. 1970 verordnete die Gebietsreform in NRW den Zusammenschluss von Schloß Holte und Stukenbrock zur Bindestrichgemeinde. „Nicht gerade glücklich“ findet Werner Dresselhaus den Ortsnamen. Und es fuchst ihn noch heute, dass die Gemeinde zuerst dem Kreis Bielefeld zugeschustert worden war. „Das war der Hammer.“Elmar Brok sagt:„Es gab schon eine Schloß Holter Identität“ Seit 1973 gehört SHS zum Kreis Gütersloh. Vorausgegangen war eine Bereisung des Gemeinderates mit Vertretern der Bezirksregierung. Einer von ihnen bezeichnete damals im Gasthof Dresselhaus das Bielefeld-Gesetz als „kleinen Betriebsunfall“. Das weiß Werner Dresselhaus noch ganz genau. Ein Betriebsunfall, sagt er, „der aber Millionen gekostet hat“. Beim langen Namen Schloß Holte-Stukenbrock blieb es aber. Elmar Brok bezeichnet ihn als ein „Wortungetüm, das aber angenommen worden ist“. Es drücke die unterschiedliche und doch zusammengehörige Identität aus, die Liemke, Sende und Senne aber auch ihren Platz lasse. Heftige Diskussionen über den Namen der neuen Gemeinde hatte es im Vorfeld gegeben. Eine legendäre Versammlung im Scheipshofer Krug, wo Stinkbomben flogen und der Vorschlag gemacht wurde, die Gemeinde „Emsborn“ zu nennen, damit Schloß Holter und Stukenbrocker Ruhe geben. Und wenngleich Ewald Lienen als Schloß Holter gesehen wurde – „Diskussionen über Animositäten im Zusammenhang mit örtlichen Namensgebungen sind mit im Übrigen fremd“, schreibt er und auch das: „Ich heiße ausdrücklich alle unsere Freunde und Bekannten aus Stukenbrock in unserer gemeinsamen Großgemeinde beziehungsweise Stadt Schloß Holte-Stukenbrock nachträglich und aus der Ferne herzlich willkommen, insbesondere meine ehemaligen Klassenkameraden Monika Biere-Mescheder und Bernhard Mescheder. Das fußballerische Kriegsbeil, das zu meiner Zeit manche Spieler und auch Zuschauer in den einschlägigen Duellen der Vereine SW Sende, VfB Schloß Holte und FC Stukenbrock aus den verschiedenen Gemeindeteilen oftmals geschwungen haben, hätte ich allerdings schon damals gerne begraben, konnte es aber nicht, da ich es gar nicht ausgegraben hatte . . .“

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