Mitarbeiterin: Laura Niewöhner ist Assistentin der Geschäftsleitung. - © Demokrat Ramadani
Mitarbeiterin: Laura Niewöhner ist Assistentin der Geschäftsleitung. | © Demokrat Ramadani

Schloß Holte-Stukenbrock Tag der offenen Gedenkstätte im Stalag 326

Mitarbeiter der Dokumentationsstätte „Stalag 326 VI K Senne“ bieten den ganzen Tag Führungen an. Nachmittags werden Fotos analysiert und es gibt eine Filmvorführung

Demokrat Ramadani

Schloß Holte-Stukenbrock. „Wir leben im Zeitalter der Selfies und Schnappschüsse", sagt Laura Niewöhner. Sie ist die Geschäftsleitungsassistentin in der heimischen Dokumentationsstätte. „Macht und Pracht" lautet das Oberthema des diesjährigen Tags der offenen Gedenkstätten. Niewöhner hat die Besucher am Sonntag dafür sensibilisiert, dass Bilder Ausdruck und Manifestation von Macht über andere Menschen sein können. Zehn Besucher sind schon um 11 Uhr da, kurz nachdem die ehrenamtliche Mitarbeiterin Brigitte Kraatz die Tür aufgeschlossen hat. Einige von ihnen kommen aus SHS und Hövelriege. Rita Klassen und ihr Ehemann Heinrich leben in Verl und nehmen zum ersten Mal an einer Führung teil. Gemeinsam mit den anderen Gästen stehen sie vor dem großen Schriftzug „Der Weg in das Lager". Hier erfahren sie, dass die Kriegsgefangenen im Anschluss an ihre menschenunwürdige Deportation nach Deutschland vom Bahnhof Hövelhof bis nach Stukenbrock-Senne laufen mussten. Auf dem Gelände gab es für die ersten Gefangenen keinerlei Unterkünfte. Sie mussten Erdhöhlen ausheben, um sich vor der Witterung zu schützen. „Baracken errichteten die Gefangenen in Zwangsarbeit selbst", erklärt Kraatz, „und zwar aus Material, das sie zu Fuß aus Hövelhof herschaffen mussten." »Sowjetische Soldaten waren zur Vernichtung vorgesehen« Die schlechte Situation der Soldaten ergab sich außerdem aus fehlenden hygienischen Vorkehrungen, unzureichender Versorgung und harter körperlicher Arbeit im Umland oder im Ruhrbergbau. „Die sowjetischen Kriegsgefangen waren zur Vernichtung durch Arbeit vorgesehen", sagt Kraatz. „Die Ausstellung ist sehr eindrücklich", sagt Rita Klassen. „Es ist unglaublich, dass wir so wenig über diese Gräueltaten wissen, die in unmittelbarer Nähe stattfanden", fügen die Verler hinzu. Das Ehepaar nimmt sich vor, noch einmal die Ausstellung zu besuchen, dann mit ihren drei erwachsenen Kindern und deren Familien. Christian Abel und Ludwig Kraus sind aus Hannover angereist. Die beiden sind geschichtsinteressiert, kennen viele große Gedenkstätten im deutschsprachigen Raum und haben sich für den diesjährigen Tag der offenen Gedenkstätten vorgenommen, die weniger bekannten Orte zu besuchen. „Das Fotomaterial ist sehr interessant", sagt Kraus. Auf manchen Bildern sind halb nackte oder ganz unbekleidete, abgemagerte Männer zu sehen. Auf anderen Fotos ist eine Gruppe von Leuten hinter Stacheldraht abgebildet. „Es gibt Einzelaufnahmen, die der rassistischen Ideologie entsprechend versucht haben, eine Typologie der Gefangenen vorzunehmen", sagt Laura Niewöhner. Die meisten Aufnahmen stammen von dem Lagerarzt Hugo Lill". „Sie weisen unzweifelhaft eine sogenannte Ästhetik der Unterdrückung auf", erklärt Niewöhner, „die Bilder sind nämlich aus einer Perspektive der Machtüberlegenheit aufgenommen worden und zeigen die Kriegsgefangenen in einer unterworfenen Situation." Am Nachmittag wurden diese Analysekriterien gemeinsam mit Besuchern auch auf einen Film angewandt.

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