Schloß Holte-Stukenbrock, 14. Oktober 2016: Gruppenfoto zum Jubiläum des Löschzugs Schloß Holte vor dem Kettenkarussell auf Pollhans. - © Besim Mazhiqi
Schloß Holte-Stukenbrock, 14. Oktober 2016: Gruppenfoto zum Jubiläum des Löschzugs Schloß Holte vor dem Kettenkarussell auf Pollhans. | © Besim Mazhiqi

Schloß Holte-Stukenbrock Entflammt für die Wehr

Sabine Kubendorff

Gedächtnis der Stadt (17): Warum der Löschzug Schloß Holte am kommenden Wochenende feiern kann und der Löschzug Stukenbrock es bereits getan hat. Ein Rückblick mit einer Liebesgeschichte Schloß?Holte-Stukenbrock. Immer einsatzbereit sein, bei Tag und bei Nacht. Lehrgänge, Übungen, Kameradschaftsabende. Alles ehrenamtlich. Seit vielen Jahrzehnten können sich die Menschen in Schloß Holte-Stukenbrock auf ihre Freiwillige Feuerwehr mit den Löschzügen Schloß Holte und Stukenbrock verlassen. Es gibt Anlass, auf deren Geschichte zu blicken.24./25. JUNI 2017: Es gibt seit 90 Jahren freiwillige Feuerwehrmänner in Schloß Holte, vormals Liemke. Der Löschzug feiert das am Samstag ab 20 Uhr, Sonntag ab 11 Uhr mit der Bevölkerung. Auf großes Brimborium wird dieses Mal verzichtet, das gibt’s erst wieder zum 100-Jährigen. Anlass für die Gründung der Feuerwehr 1927 waren zwei Großbrände, die nicht gelöscht werden konnten, weil die damals zuständigen Wehren aus Verl und Kaunitz nicht schnell genug da waren. Es gibt eine Parallele zum heutigen Löschzug: Damals wie heute waren etwa 50 Männer (und inzwischen auch Frauen) einsatzbereit. Und es gibt eine Liebesgeschichte, die nun auch schon fast 50 Jahre überdauert hat. Es geht um Bernhard Meier, der bis 2007 Stadtbrandmeister, also Chef der Freiwilligen Feuerwehr war. Ohne seine Frau Ursula wäre er wohl nie zur Feuerwehr gekommen. Ursula Meier ist die Tochter des Gerätewarts Johann Theobald, der 1947 mit der Familie in das erste richtige Spritzenhaus der damals noch eigenständigen Feuerwehr Liemke (die Umbenennung in Schloß Holte folgte 1964) eingezogen war. Es steht noch heute (umgebaut) an der Kirchstraße und ist im Familienbesitz. Damals waren unten zwei Garagen für die Löschfahrzeuge, oben war die Wohnung der Familie. Rechts vom Haus stand der Turm, in dem die Schläuche getrocknet wurden. Für Klein-Ursula ein idealer, wenn auch eigentlich verbotener Spielplatz. Sie war zehn Monate alt, als die Familie, zu der auch ihre beiden älteren Brüder gehören, dort einzog. Als sie größer war, waren die Aufgaben bei einem Alarm folgendermaßen aufgeteilt: Mutter ließ per Knopfdruck die Sirenen aufheulen, die die Feuerwehrleute zum Spritzenhaus rief. Tochter Ursula öffnete die Garagentore, damit die Männer (auch die der Familie) nach dem Umziehen ohne Verzögerung losbrausen konnten. Bei so viel Verbundenheit mit der Feuerwehr war klar, dass Ursulas Zukünftiger eigentlich gar keine Chance hatte ohne ein Herz für die Blauröcke. Und jetzt kam Bernhard Meier ins Spiel. Die Angebetete wohnte im Spritzenhaus, und er schlich drum herum Der gebürtige Hövelhofer war schon lange um das Spritzenhaus an der Kirchstraße, ab 1972 wegen der Angebeteten um das neue an der Dechant-Brill-Straße herum geschlichen. Mit Erfolg. 1973 wurde im Gerätehaus Polterabend gefeiert, und – so erinnert sich Ursula Meier noch gut – ihr zukünftiger Ehemann wurde gebeten, passives Mitglied des Löschzuges Schloß Holte zu werden. „Aktiv oder gar nicht“, mit diesen Worten hatte sie sich damals eingemischt. Und, oh ja, Bernhard Meier wurde aktives Mitglied. So aktiv, dass er ein ganz besonders geachteter Feuerwehrmann wurde, der auch nach seinem Wechsel 2007 in die Ehrenabteilung, damals 60 Jahre alt, noch extrem angesehen ist. Feuerwehr ein Leben lang. Das galt auch für Johann Theobald, der nicht mehr erlebt hat, dass sich seine Tochter Ursula verliebte, verlobte und verheiratete. Er starb 1967 im Einsatz. Beim Brand des Hotels Westhoff in Stukenbrock. Die Stukenbrocker hatten die Holter Kollegen damals zur Hilfe gerufen. Und damit kommen wir zum nächsten Kapitel, und gewissermaßen schließt sich ein Kreis.17. JUNI 1932: Die Feuerwehr Stukenbrock wird im Gasthaus (später Hotel) Westhoff gegründet, nachdem Kreisbrandmeister Böhle aus Paderborn die Gründung angeregt und der Pastor von der Kanzel herunter geworben hatte. Ihren ersten Einsatz hatte die junge Feuerwehr im Spätherbst desselben Jahres. Großbrand bei Bauer Brock in Stukenbrock-Senne. Es war nichts zu retten. Es gibt ein Foto von diesem Einsatz aus der Sammlung von Ortsheimatforscher Günter Potthoff. Es zeigt fünf Feuerwehrmänner mit Helm und zwei Zivilisten mit Hut, die Hände lässig in den Hosentaschen. Die Feuerwehrmänner beobachten offenbar unaufgeregt, wie die kurz zuvor angeschaffte neue Magirus-Benz-Motorspritze „Goliath II“ (800 Liter pro Minute) arbeitet. Diese Motorspritze musste von Pferden zum Brandort gezogen werden, was dauerte. Deshalb wurde im Jahr darauf ein Personenwagen 12/50 Opel zu einem behelfsmäßigen Feuerwehrauto umgebaut. Seitdem ging es nur noch aufwärts. Die Feuerwehrmänner gehen nach wie vor auch füreinander durchs Feuer, und ihnen steht ein durchdachtes neues Gerätehaus an der Spellerstraße zur Verfügung. Dort haben die Feuerwehrleute mit der Bevölkerung das 85-Jährige bereits im Mai ordentlich gefeiert.

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