Auf den Wagen: Bauhof-Leiter Albrecht Elbracht steuert den Radlader, der die Palette mit dem historischen Ofen auf den Anhänger hievt. Harald Scholz zeigt an, wie weit er noch fahren kann. - © Birgit Guhlke
Auf den Wagen: Bauhof-Leiter Albrecht Elbracht steuert den Radlader, der die Palette mit dem historischen Ofen auf den Anhänger hievt. Harald Scholz zeigt an, wie weit er noch fahren kann. | © Birgit Guhlke

Schloß Holte-Stukenbrock Geplantes Industriemuseum auf dem Gelände der Holter Eisenhütte ausgeräumt

Alte Gießerei: Fördervereinsmitglieder räumen historisches Gebäude aus, in dem das Museum mit Begegnungsstätte aufgebaut werden sollte. Ofen-Ausstellung ist zurück ins Rathaus gezogen

Birgit Guhlke

Schloß Holte-Stukenbrock. Es ging nicht nur um Öfen, die vor mehr als 150 Jahren die Industrialisierung im damaligen Liemke (heute Schloß Holte) befeuert hatten. Die Mitglieder des Fördervereins Industriemuseum wollten mit ihrem Konzept ein Museum mit einer Begegnungsstätte in der Alten Gießerei realisieren, in der zur Holter-Eisenhütten-Zeit eben Öfen hergestellt worden sind. Diese Idee ist gescheitert, am Donnerstag haben die Vorstandsmitglieder und Helfer das einzig verbliebene Hüttengebäude ausgeräumt. Bauhof-Leiter Andreas Elbracht und sein Kollege Harald Scholz hieven mit einem Radlader einen gusseisernen Ofen auf den Anhänger eines Bauhofwagens. Die rund 45 Öfen gehen wieder zurück ins Rathaus, wo eine Dauerausstellung an die Zeit erinnert, als Friedrich Ludwig Tenge auf dem Gelände vor dem Holter Jagdschloss die Eisenhütte aufgebaut und dort bis zu 200 Mitarbeiter beschäftigt hatte. Im Rathaus wird es nun „mächtig eng“ für die Öfen, sagt Günter Potthoff, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins. Zusammen mit Friedrich Dransfeld, Gottfried Kleines und Roswitha Irmer packt er die Sachen zusammen, mit denen der Förderverein in den vergangenen Jahren angedeutet hatte, wie ein Museum mit Begegnungsstätte in der Alten Gießerei hätte aussehen können."Sehr zögerliche Unterstützung der hiesigen Politik" Wie mehrfach berichtet, hatte der Förderverein ein Konzept für den Aufbau des Museums erarbeitet. Für den Aufbau gab es verschiedene Fördermöglichkeiten, über eine Anschubfinanzierung und die Übernahme der Betriebskosten – wie vom Förderverein beantragt – hatte der Stadtrat zu entscheiden. Mit den Stimmen der CDU-Mehrheitsfraktion wäre dafür zwar Geld bewilligt worden, aber nicht genug, um das Projekt an den Start bringen zu können. Sieben Jahre nach der ersten Idee für ein Industriemuseum und der Arbeit an Konzepten für die Realisierung zog der Eigentümer der historischen Immobilie, Carl-Philipp Tenge-Rietberg, der Enkel des Eisenhütten-Gründers, Ende März sein Einverständnis für die Museumsnutzung zurück. Er hielt es nicht mehr für realistisch, dass es mal was wird mit dem Museum, auch wegen der „sehr zögerlichen Unterstützung der hiesigen Politik“. Davon waren Friedrich Dransfeld und seine Mitstreiter überrascht worden, sie hatten noch immer versucht, alternative Unterstützungsmöglichkeiten zu finden. Nun zeigt er auf kahle Wände und den Boden, die Fördervereinsmitglieder eigenhändig geweißt, gestrichen oder dort Unebenheiten ausgeglichen hatten, „damit keiner stolpert“. Die Stühle sind schon wieder weggeräumt, auf denen im August zum Beispiel die Zuschauer saßen, die das Konzert während der Kulturtage erlebt hatten, als Förderverein und Kulturkreis erstmals ausprobierten, was möglich wäre, wenn die Alte Gießerei alternativer Veranstaltungsort, neudeutsch Location, sein könnte. Statt der geplanten 50 Besucher kamen im Sommer schließlich mehr als 100. Experiment gelungen, hieß es seinerzeit. Das ist, neben der persönlichen Enttäuschung, auch der Aspekt, den Friedrich Dransfeld noch immer umtreibt. Die Initiatoren sind sich einig, dass sie ein Angebot für alle Bürger hätten schaffen können und dass das auch viele Bürger so gesehen haben. Ob als Chor-Probenraum, Kaffeetafelzimmer bei Kommunion oder Konfirmation, Vereinstreffpunkt oder Versammlungsraum, mit diesem Gebäude hätte eine Lücke geschlossen werden können, die entstanden ist, nachdem einige Traditionsgaststätten im Stadtgebiet geschlossen hatten."Die Idee wollen wir nicht aufgeben" Auch „als außerschulischer Lernort“ hatte das Probemuseum bereits Erfolg. Für den Donnerstag hatte sich eine Gruppe aus Paderborn zur Besichtigung angemeldet – „denen haben wir dann wieder abgesagt“. Die Fördervereinsmitglieder hatten auch nach Rückschlägen in den vergangenen Monaten immer wieder bekräftigt, nach Alternativen und Lösungen zu suchen – ohne Erfolg für das ursprüngliche Konzept. „Aber die Idee eines Industriemuseums wollen wir nicht aufgeben.“ Neuer Standort, andere Variante? Das sei jetzt nur noch möglich, wenn die Stadt mitmache, Gebäude zur Verfügung stelle und die Betriebskosten übernehme – dafür brauche es dann wiederum die Zustimmung des Stadtrates. „Unsere ehrenamtliche Arbeit“, so beteuert Dransfeld, „würden wir ja mit einbringen.“

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