Stumme Zeugen des Leids: Einer von zahlreichen Gedenksteinen auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof in Schloß Holte-Stukenbrock. - © Tyler Larkin
Stumme Zeugen des Leids: Einer von zahlreichen Gedenksteinen auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof in Schloß Holte-Stukenbrock. | © Tyler Larkin

Schloß Holte-Stukenbrock NRW will Dokumentationsstätte Stalag 326 stärker unterstützen

Landtag entscheidet über Antrag von rot-grüner Regierung, der die Arbeit der Einrichtung langfristig sichern soll

Stefan Boes

Schloß Holte-Stukenbrock. Die Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne soll nach den Plänen der Landesregierung langfristig so unterstützt werden, „dass sie ihrer wachsenden internationalen Bedeutung gerecht werden kann." Die Regierungsfraktionen SPD und Grüne setzen sich dafür ein, dass die Arbeit der NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Nordrhein-Westfalen dauerhaft abgesichert wird. Der Landtag stimmt heute über einen entsprechenden Antrag ab. Unter den Gedenkstätten nimmt das frühere Lager für sowjetische Kriegsgefangene eine besondere Bedeutung ein, wie aus dem Antrag hervorgeht: „Mit dem Stalag 326, einem der größten Kriegsgefangenenlager des ehemaligen Deutschen Reiches, besteht die Möglichkeit, das Verbrechen an sowjetischen Kriegsgefangenen aus dem bisherigen Erinnerungsschatten herauszuholen", heißt es. Eine größere Gedenkstätte als die in Schloß Holte-Stukenbrock für diese Opfergruppe gebe es bisher nicht. „Das Ziel der Landesregierung ist es, die Dokumentationsstätte und den zum Stalag gehörenden Ehrenfriedhof weiterzuentwickeln", sagt der Bielefelder Landtagsabgeordnete Günter Garbrecht (SPD). „Wir wollen den Bund dazu bewegen, sich zu engagieren", so Garbrecht, der sich gemeinsam mit dem CDU-Landtagsabgeordneten André Kuper (Rietberg) für die Förderung der Dokumentationsstätte stark macht. Ob und in welchem Umfang der Bund Fördermittel bereitstellt, ist noch offen. Einrichtung wünscht sich mehr Personal Oliver Nickel, Geschäftsführer der Dokumentationsstätte, begrüßt den Antrag. Das Interesse an der Einrichtung wachse. Um die Arbeit abzusichern, brauche es mehr Personal. „Wir haben zwei- bis dreitausend neue Dokumente recherchieren können, die ausgewertet werden müssen", berichtet er. Auch für die bislang fehlende professionelle Konservierung und Restaurierung des Archiv- und Sammlungsbestandes sei weitere Förderung nötig. Die Dokumentationsstätte wird durch einen Förderverein getragen. Das Stalag 326 mit dem dazugehörigen Kriegsgräberfriedhof ist wahrscheinlich das größte Lager bzw. der größte Friedhof für sowjetische Kriegsgefangene auf dem Gebiet des ehemaligen deutschen Reiches. Nach Angaben der befreiten sowjetischen Kriegsgefangenen befinden sich um die 65.000 Tote in den Massengräbern.

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