Täglich grüßt die geschlossene Bahnschranke: Wie hier am Bahnübergang Holter Straße durchkreuzt die Sennebahn die Stadt. - © Birgit Guhlke
Täglich grüßt die geschlossene Bahnschranke: Wie hier am Bahnübergang Holter Straße durchkreuzt die Sennebahn die Stadt. | © Birgit Guhlke

Schloß Holte-Stukenbrock Die Bahn als Verkehrshindernis in Schloß Holte-Stukenbrock

Bahnübergang: Feuerwehrchef Claus Oberteicher spricht von einer Katastrophe

Birgit Guhlke

Schloß Holte-Stukenbrock. Der Ärger über die Wartezeiten an den geschlossenen Bahnübergängen reißt nicht ab. Die Bürger schimpfen über Staus und Stillstand, einige sorgen sich, dass Feuerwehr und Rettungswagen zu sehr ausgebremst werden. Jetzt aber könnte Bewegung in die Angelegenheit kommen - symbolisch wie auch real. Der Halbstundentakt der Sennebahn auf der Strecke von Bielefeld nach Paderborn und zurück erfreut viele Pendler, Schüler und Studenten. Ganz anders fällt die Bewertung aus, wenn die Schloß Holte-Stukenbrocker an den Bahnübergängen stehenbleiben müssen, sei es als Fußgänger, Rad- oder Autofahrer. Gefühlt dauert es eine Ewigkeit, bis der Zug zwischen den geschlossenen Schranken durchfährt. Und bis sich der Stau auf den Straßen wieder aufgelöst hat, vergeht noch einmal eine gefühlte Ewigkeit. Wie mehrfach berichtet, heißt es bei der Deutschen Bahn AG, dass diese Schließzeiten nicht zu verkürzen seien. Sicherheit, Vorgaben, Stellwerkcomputereinstellungen - all das bestimme, wie lange die Schranken geschlossen sein müssten. Für die Ratspolitiker, Bürgermeister Hubert Erichlandwehr und Verwaltungsmitarbeiter ist nicht alles nachvollziehbar, vor allem nicht in dieser Absolutheit. Hinzu kommt, dass Rettungswagen und Feuerwehr genauso lange warten müssen, viele fragen sich, ob das auf Dauer gut gehen kann. Wehrführer Claus Oberteicher ist nicht für Panikattacken bekannt, wird aber bei diesem Thema sehr deutlich: "Ehrlich gesagt, das ist eine Katastrophe", sagt der Chef der Freiwilligen Feuerwehr. Damit meint er die Stausituation, die bei geschlossenen Schranken vor allem auf der Holter Straße und der Oerlinghauser Straße entsteht. Zu spät gekommen ist die Feuerwehr deswegen bisher nicht. Noch nicht, wie Claus Oberteicher sagt. Denn die Feuerwehrleute müssen wie jeder andere vor den geschlossenen Schranken warten. Bei sogenannten "zeitkritischen Einsätzen", so erklärt Claus Oberteicher, werden grundsätzlich immer beide Löschzüge alarmiert, also die Stukenbrocker und die Schloß Holter. Das sind Einsätze, "wenn Menschenleben in Gefahr sind". Wohnhausbrände, Verkehrsunfälle mit beispielsweise eingeklemmten Personen. Dieses System habe bislang immer gut funktioniert, mindestens einer der beiden Löschzüge war also immer rechtzeitig vor Ort. "Es ist beruhigend zu wissen, dass von der anderen Seite auch noch jemand kommt", sagt Claus Oberteicher, "und so bekommen wir den möglichen Zeitverlust kompensiert". Dennoch wünscht auch er sich "eine Optimierung" an den Schranken. Die Wartezeit an den Bahnübergängen ist auch ein Thema bei den Rettungswagen-Einsätzen, wenngleich kein dramatisches, wie Kreis-Verwaltungssprecherin Beate Balsliemke auf Anfrage der Neuen Westfälischen recherchiert hat. "Aus Sicht des Kreisrettungsdienstes besteht derzeit kein Handlungsbedarf. Eine signifikante Verschlechterung der Hilfsfristen ist nicht erkennbar", heißt es in der per E-Mail mitgeteilten Antwort. Wenn ein Rettungswagen vor geschlossenen Schranken halten muss, wird das festgehalten. Demnach mussten Rettungswagen in SHS im Jahr 2014 38-mal an Bahnübergängen warten, im vergangenen Jahr, im Jahr der Umstellung auf den Halbstundentakt, 66-mal. Für dieses Jahr sind bislang 54 Fälle dokumentiert, hochgerechnet können das 59 Fälle werden. Die Kollegen aus der Rettungswache nähmen "verlängerte Wartezeiten bei der Ausfahrt des Zuges aus dem Bahnhof wahr". Die Wartezeit an den Schranken habe sich indes verkürzt, wenn der Zug am Bahnhof Schloß Holte einfährt. "Eine signifikante Verschlechterung der Hilfsfristen" hätten die Beteiligten nicht festgestellt. Verbessern wird sich schon bald etwas - und sei es nur für Fußgänger. Pascal Lideck, Verkehrsexperte in der Verwaltung, erklärt: An der Kreuzung Holter Straße, Bahnhofstraße, Kaunitzer Straße wird die Ampelschaltung so verändert, dass Fußgängern Grün angezeigt wird, wenn die Autofahrer wegen der geschlossenen Schranke halten müssen. Die Ampelschaltung soll zudem so verändert werden, dass sich der Stau auf der Holter Straße schneller wieder auflösen kann. Und die Stadt ist bei ihrer Suche nach einem Gutachter fündig geworden, der klären soll, ob die Bahn recht hat, wenn sie sagt, dass sich nichts verbessern lasse. Zwei Gutachter (Dresden und München) sind in der engeren Auswahl. Leicht war die Suche nicht, sagt Pascal Lideck. Es gebe kaum Fachleute, die so etwas anbieten und nicht für die Bahn arbeiten. Der Ausgang der Prüfung ist noch offen. Es könne auch herauskommen, "dass nichts verbessert werden kann". Kommentar Richtig so! Der Ärger schwelt schon seit Monaten. Es gibt wohl kaum einen Schloß Holte-Stukenbrocker, der nicht schon einmal entnervt an den geschlossenen Schranken am Bahnübergang gestanden hätte. Rat und Verwaltung – allen voran Bürgermeister Hubert Erichlandwehr – wollen sich nicht mit den Erklärungen der Bahn zufrieden geben, die immer wieder sagt, dass da nichts zu ändern sei. Ein – unabhängiger – Gutachter soll das nun prüfen und eventuell sogar eine Lösung vorschlagen. Das ist gut so. Wenn nun herauskommt, dass wirklich nichts zu machen ist, werden es die Betroffenen wohl akzeptieren. Wenn nicht, kann es nur besser werden. Und das zu versuchen, ist immer richtig! Kontakt zum Autor

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