Teamgeist: Die zukünftigen Teilnehmer des 3-Schulen-Theaters zeigen sich auf dem Jugendtheatertreffen in Vlotho. Viele von ihnen gehen auf eine der vier weiterführenden Schulen in Schloß Holte-Stukenbrock und waren bisher Teil von "3ST 1" oder "3ST 2". - © Delia Kornelsen
Teamgeist: Die zukünftigen Teilnehmer des 3-Schulen-Theaters zeigen sich auf dem Jugendtheatertreffen in Vlotho. Viele von ihnen gehen auf eine der vier weiterführenden Schulen in Schloß Holte-Stukenbrock und waren bisher Teil von "3ST 1" oder "3ST 2". | © Delia Kornelsen

Schloß Holte-Stukenbrock Schloß Holte-Stukenbrocker Jungschauspieler lernen bei Theatertreff

Festival: Vier Gruppen aus Ostwestfalen-Lippe nehmen am zweiten Jugendtreffen der LAG teil

Delia Kornelsen

Schloß Holte-Stukenbrock. "Ich will wie meine Schwester sein", "Ich war entsetzt, als ich vom Terroranschlag in meiner Heimatstadt erfuhr", "Ich bin ich und ich war schon immer ich". Identität. In der Psychologie wird dieser Begriff mit "als "Selbst" erlebte innere Einheit der Person" definiert. Mit der Frage, was dieses "Selbst" alles ausmacht, beschäftigten sich am Wochenende 50 Jugendliche mit vier Theaterpädagogen in Vlotho. Dabei war auch das 3-Schulen-Theater (3ST) aus Schloß Holte-Stukenbrock mit seiner neuen Konstellation. Es ist das zweite Jugendtheatertreffen der Landesarbeitsgemeinschaft für Spiel und Theater NRW (LAG), welches dieses Mal unter dem Motto "Identität und Anerkennung" stattfindet. Neben 3ST nehmen drei weitere Jugendtheatergruppen teil, sie kommen aus Herford, Hövelriege und Vlotho. Gefördert wurde das Projekt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Die 12- bis 18-Jährigen haben sich im Vorfeld für einen von vier Workshops entschieden, die die Leiter der teilnehmenden Theatergruppen anbieten. »Diskussionen und Zerrissenheit gebiert Kreativität« Aus verschiedenen Blickwinkeln, wie der Clownerie oder Emotionslagen, wird die vor allem jugendnahe Thematik beleuchtet. Neben dem Vorbereiten einer Präsentation am Ende des Wochenendes gehören auch das Kennenlernen von anderen Theaterbegeisterten und Theatertechniken dazu. Die Mitglieder von 3ST lernen dabei nicht nur Schüler aus anderen Städten kennen, sondern auch sich selbst. Bisher spielen die Jugendlichen in einer der zwei Untergruppen, 3ST 1 oder 3ST 2. "Durch die LAG entstand die erstere im Jahre 2013 aus der schulübergreifenden Theater-AG", erklärt Theaterpädagoge Canip Gündogdu, der bislang mit beiden Gruppen arbeitete. "3ST 2 wurde 2014, aufgrund der großen Nachfrage nach dem Theaterstück 'Gefangen - Erinnerungen an eine Zeit vor meiner Zeit' der ersten Gruppe, von 'TheaterImpulse' gegründet". Bis Januar proben die Ensembles noch getrennt - dann geht es zusammen weiter. Weil die Teilnehmerzahl in den Gruppen diese Saison sank, ist eine Fusion vorgesehen. Die Mitglieder der künftigen 3ST-Generation trafen sich seit August einige Male und entwickeln beim Theaterfestival schon ein echtes Teamgefühl. "Der Altersunterschied in der neuen Gruppe ist ziemlich groß. Die Jüngsten von uns werden zwölf Jahre alt sein, die ältesten über 20", bemerkt Annika. "Es wird bestimmt mehr Diskussionen und Zerrissenheit geben, aber sicher auch viel mehr Kreativität", fügt Franziska hinzu. Die beiden 13-Jährigen spielen noch bei 3ST 2 mit. "Ich freue mich auf die Zeit bei 3ST. Das Wochenende hat mir gezeigt, wie viel Spaß Theaterspielen macht", sagt Emily, die erst seit einigen Wochen Teil des Ensembles ist. Die angehenden Theaterpädagogen der LAG, Atdhe Ramadani und Ahmad Masi Nayebi verstärken das Leitungsteam. Zudem wird eine Mediengruppe den Probenprozess dokumentieren und regelmäßig auf der Facebook-Seite der Gruppe veröffentlichen. Gemeinsam mit Canip Gündogdu und der Musicaldarstellerin und Stimmcoach Alina Meinold wird die große Gruppe ab nächstem Jahr auf ein Stück zum Thema Rebellion hinarbeiten, das im Sommer aufgeführt werden soll. Erst einmal genießen die Mädchen und Jungen die Zeit auf dem Jugendhof in Vlotho. Nach der intensiven Gruppenarbeit zeigen die Jugendlichen am Sonntagmittag, was sie in den drei Tagen erarbeitet haben. Es wird viel gelacht, zum Beispiel wenn die Clowns sich um den besten Sitzplatz streiten oder Mädchen und Jungen sich auf der Bühne räkeln und erzählen, dass sie ihre Beine und ihre Schultern am liebsten mögen und eigentlich alles in Ordnung ist. Dann wird es aber auch ganz ruhig, etwa wenn es um die Angst geht, seine Familie nicht mehr wiederzusehen oder seinen Platz in der Welt nicht zu finden. Ob durch Pantomime, mit Stimme oder Musik, die Schüler geben ihre größten Hoffnungen, Ziele und Sorgen preis - eben ihre Identitäten. Zum Abschied tauschen sie Handynummern aus, die Schauspieler versprechen sich, die Stücke der anderen künftig zu besuchen. Es sind 50 Gleichgesinnte, die Freitagabend zum ersten Mal zusammengekommen sind und 50 Freunde, die das Theaterfestival am Sonntag verlassen haben.

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