Leuchtender Abschluss: Für ein stimmungsvolles Bild sorgten ein paar Regentropfen und der Sonnenuntergang am Pollhansmontag am Festplatz - festgehalten hat den malerischen Regenbogen über der Kirmes Luca Sundermann (17). Und seine Großmama sagte, dass das auf jeden Fall in die Zeitung müsse. Stimmt. - © Luca Sundermann
Leuchtender Abschluss: Für ein stimmungsvolles Bild sorgten ein paar Regentropfen und der Sonnenuntergang am Pollhansmontag am Festplatz - festgehalten hat den malerischen Regenbogen über der Kirmes Luca Sundermann (17). Und seine Großmama sagte, dass das auf jeden Fall in die Zeitung müsse. Stimmt. | © Luca Sundermann

Schloß Holte-Stukenbrock Bilanz: Was von Pollhans übrig bleibt

Stadtverwaltung, Marktbeschickern, Rotkreuzler und Polizei bewerten die dreitägige Ausnahmesituation im Dorf

Birgit Guhlke

Schloß Holte-Stukenbrock. Wenn der Ostwestfale etwas "nicht so schlecht" findet, ist es sehr gut. Diese Sprachregelung haben augenscheinlich auch die Schausteller des diesjährigen Pollhansmarktes übernommen. Zahlen nennen sie sich nicht, aber Pollhanschef Klaus Lüke ist als Seismograph der wirtschaftlichen Befindlichkeiten der Kirmesbetreiber und Händler seit mehr als 20 Jahren geschult. "Normal" ist aus Sicht von Polizei und Rotem Kreuz der Pollhansmarkt gelaufen - das allerdings hat mit "nicht so schlecht" nichts zu tun. Stadt Klaus Lüke ist der Marktbeauftragte der Stadtverwaltung - seit 21 Jahren. Und er hat dieses Jahr zu Pollhans etwas erlebt, das ihn glauben lässt, dass der liebe Gott "ein Stück weit Schloß Holter ist". Es geht um Regen, ausgebliebenen Regen. In den vergangenen Jahren musste er immer wieder dafür sorgen, dass das nasse Festgelände zwischendurch abgeschottert wurde. "Dieses Jahr habe ich nicht einmal das Wort Schotter gehört." Und das ist wichtig für erfolgreiches und ausgelassenes Treiben gleichermaßen. Dass an den drei Tagen vermutlich wieder mehr als 250.000 Besucher auf dem Pollhansplatz unterwegs gewesen waren, macht er auch an der Situation fest, die dann herrscht, "wenn wir den Bauernmarkt kassieren". Wenn er sonntags zusammen mit Bauernmarktorganisator Walter Rieksneuwöhner sieht, "wie sich die Leute da durchschieben". Die Betreiber der insgesamt 60 Stände zahlen traditionell am Pollhanssonntag. 330 Verträge hat die Stadt für den restlichen Teil des Marktgeländes abgeschlossen, regulär werden diese Gebühren vorab, bis zum 1. August, überwiesen, wie Klaus Lüke erklärt. Nachrücker zahlen später, wenn sie noch einen Platz finden. Auf dem Gelände ist alles klar abgemessen, Spielraum gibt es kaum, wenn die Stände größer sind als angemeldet. Ab nächster Woche dreht sich schon wieder alles um den nächsten Pollhans, die Bewerbungsfrist für Stand- und Fahrgeschäftsplätze beginnt. Wer mit seinem Karussell dabei sein will, hat für die Bewerbung Zeit bis zum 30. November, die Frist für Imbissstuben und Händler endet am 31. Januar. Marktbeschicker Dass er auch 2017 wieder dabei sein möchte, weiß Debütant Frank Otte jetzt schon. Der Betreiber des sogenannten Bayernzeltes ist beeindruckt von dem Konzept aus Kirmes mit Festzelten und Bauernmarkt sowie dem Zuspruch für den Pollhansmarkt. Ein bisschen wird er noch "an der Taktung" der Band-Auftritte feilen, sagt der gebürtige Versmolder. Die Almhütte im Zelt wird erst heute abgebaut - mit einem großen Kran. Das Angebot, sich auch in einem Zelt in einen etwas ruhigeren Bereich zurückziehen zu können, sei gut angenommen worden. Und soll auch zu Pollhans 2017 gehören. Genauso wie Wokgerichte und Sushi aus Stukenbrock von Caijing Weng und seiner Frau. Die beiden betreiben seit mehr als einem Jahr im ehemaligen Eiscafé Dolomiti in Stukenbrock einen China-Imbiss und haben den Pollhansmarkt um diese Varianten auf der Kirmesspeisekarte bereichert. Die Schwiegereltern des 25-Jährigen helfen an diesem Tag mit, den Stand zu räumen. Anstrengend sei es gewesen, da sind sich alle einige, aber auch gut. Helfer Marco Österwinter lobt aus Sicht der Helfer im Notfall den Ablauf. Der Schloß Holter Rotkreuzleiter hat einen ähnlichen Einsatz erlebt wie in den vergangenen Jahren - "nicht groß auffällig", heißt das in seinen Worten. Ein einsatzloses Volksfest wird es vermutlich nie geben, die üblichen Hilfeleistungen bei verstauchtem Knöchel, Platz- oder Schnittwunden und nach Alkoholmissbrauch und Schlägereien betreuten auch in diesem Jahr gut 150 Vertreter vom heimischen DRK und befreundeter Hilfsorganisationen aus den Nachbarkommunen. Gut funktioniert habe das neue System der Standkennzeichnung. Bislang hatten nur größere oder markantere Fahrgeschäfte oder Stellen auf dem Festgelände eine Kennzeichnung aus Buchstaben (Anfangsbuchstabe der Straße) und Ziffer, jetzt habe das jeder Stand. Das helfe den Einsatzkräften sehr bei der Orientierung, wenn sie zu einem Notfall gerufen werden - und es nun nicht mehr nur heiße, "da am Pizzastand". Polizei Wie berichtet, hatte auch die Polizei gut zu tun - am meisten am Samstag. In der Nacht zum Sonntag hatten zwei bislang Unbekannte einen 22-Jährigen aus Eritrea beleidigt und später noch vermutlich mit Pfefferspray verletzt. In diesem Fall ist nun auch der Staatsschutz eingeschaltet. Insgesamt sprachen die Beamten 43 Platzverweise aus und schrieben 29 Strafanzeigen wegen verschiedener Delikte, darunter Diebstahl, Sachbeschädigung und Widerstand gegen Polizeibeamte. Rund um das Festgelände waren temporäre Halteverbotsflächen eingerichtet, Parkplätze ein paar Straßen weiter ausgewiesen worden. Das hinderte Pollhansbesucher nicht daran, ihre Fahrzeuge doch in den verbotenen Zonen abzustellen, teils verkehrswidrig. Mehrere Autos wurden abgeschleppt. Der Ostwestfale parkt ja auch gerne nah bei.

realisiert durch evolver group