Der Klassiker: Eine Fahrt im Kettenkarussell, zu der beruhigend altmodische Musik gespielt wird, gehört zum Pflichtprogramm auf Pollhans. - © Sarah Jonek
Der Klassiker: Eine Fahrt im Kettenkarussell, zu der beruhigend altmodische Musik gespielt wird, gehört zum Pflichtprogramm auf Pollhans. | © Sarah Jonek

Schloß Holte-Stukenbrock Pollhans macht den Schaustellern viel Freude

Ein verlässliches feines Volksfest

Sabine Kubendorff

Schloß Holte-Stukenbrock. Alles muss sein wie immer. Nur ganz kleine Veränderungen werden geduldet. Sonst wird der treue Pollhans-Besucher nöckelig. Also: In diesem Jahr war eigentlich alles so wie immer. Käse-Fred schrie zuverlässig "Attacke", Socken-Seppel klemmte wie gewohnt hinter dem Verkaufstresen. Schausteller lockten mit gutturalen Lauten und stöhnten "Mannomann" ins Mikro. Es gab japanisches Heilöl und Pferdesalbe, die eigentlich gegen alles hilft. Und dann das. Hirschkekse, Rindernasen, Putenfüße. Naturreine Kauartikel für Hunde zur Zahnpflege und zur Stärkung der Kaumuskel. Firmenchef Maciek Belta macht der Geruch der gut 50 verschiedenen getrockneten Tierkörperteile (mit denen sich heute auch die Emsbornerin beschäftigt) nichts mehr aus. Für Passanten ist er gewöhnungsbedürftig, aber wenn sie einige Schritte weiter sind, dominiert wieder diese Duftmischung, die für Pollhans so typisch ist. Ein Hauch von Holzkohle und Fettgebackenem, kombiniert mit einer Note von alkoholisiertem Atem an gebackenen Champions und Pommes XXL. Neu auch dies: Die Ostwestfälische Pollhans-Partei, die seit 2009 zuverlässig ernsthaft Dummsinn verbreitet, hat sich in diesem Jahr dem Thema "Betreutes Trinken" gewidmet. 2015 hatten die Pollhans-Kulteimer bei den sechs Damen im Mittelpunkt gestanden. Natürlich gab es die auch in diesem Jahr, und Hans-Josef Sczepurek von Bussemas-Baustoffe ist sich ganz sicher, dass rein rechnerisch inzwischen in jedem SHS-Haushalt einer dieser grauen Eimer genutzt wird. "Mindestens", sagt er. 4.000 sind allein dieses Mal unter die Leute gebracht worden. Ach ja, einen offiziellen Pollhans-Bummel gab es auch noch Auch Heinz Lukaschek hat Beute gemacht. Mit Arminia- Bielefeld-Schal steht er am Stehtisch hinter der Gulaschkanone und löffelt eine Erbsensuppe. Unter dem Tisch die grauen Eimer (und ein blauer von Happe-Baustoffe). Für den Garten braucht er dringend die Eimer. Zum Beispiel für die heruntergefallenen Äpfel, die er täglich aufsammeln muss. Oder die wenigen Pflaumen, die man in diesem Jahr ernten konnte und die dann auch noch über Nacht verschimmelt sind. Ja, der Pollhans-Montag ist gerade für die älteren Holter der Tag, an dem man sich mit dem eindeckt, was man für Haus, Hof, Garten und Küche so braucht. Und sich dann mit Nachbarn im Bauernzelt niederlässt. Oder beim Lions-Club im Wirtschaftszelt. Acht bis zwölf Mitglieder des Service-Clubs ackern ehrenamtlich, um bei dem Verkauf von Kuchen, Waffeln, Brötchen und Getränken Geld zu generieren, das sie dann für gute Zwecke spenden wollen. 5.000 Euro werden auch in diesem Jahr wieder zusammenkommen, und davon soll auch Behindertenbeauftragte Ursula Pankoke etwas abbekommen. Ursula Pankoke zählte zu den 110 Gästen, die die Stadt gestern zuerst zum Frühstück in der Gaststätte Schniedermann und dann zum Bummel über den Pollhans-Platz eingeladen hatte. Pollhans-Bürgermeister Jürgen Gärtner vorneweg, gab's hier ein Bierchen, dort eine Karussellfahrt, dann auch Gespräche, wie super Pollhans in diesem Jahr wieder läuft, wie friedlich in den Zelten gefeiert wird. Gott sei Dank. Alles war wie immer.

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