Aufgepasst: Die Polizisten Saskia Haverig, Keller, Healy und Daut (v.l.) beobachten einen möglichen Verdächtigen. Sie haben den Richtigen im Auge. - © Patrick Herrmann
Aufgepasst: Die Polizisten Saskia Haverig, Keller, Healy und Daut (v.l.) beobachten einen möglichen Verdächtigen. Sie haben den Richtigen im Auge. | © Patrick Herrmann

Schloß Holte-Stukenbrock Eine schwierige Pollhans-Nacht für die Polizei

Handgemenge und Schlägereien gehören zu "Polle", sind aber häufiger geworden

Patrick Herrmann

Schloß Holte-Stukenbrock. "Kollege verletzt", auf diese Durchsage per Funk haben die Polizisten Daut und Keller gar keine Lust. Eigentlich freuen sie sich auf Pollhans. "Ich mag das, weil hier was los ist", sagt Daut während einer Patrouille über den Platz. Der Abend für die knapp 30 Polizisten der Nachtschicht beginnt um 20 Uhr. Jeder begrüßt hier jeden mit Handschlag. Die Stimmung ist gelöst. Auftaktmeeting, Einsatzbesprechung mit Markus Wolff, Chef der Polizeiwache Schloß Holte. Präsenz zeigen. Dem Sicherheitsdienst helfen, das Hausrecht durchzusetzen. Platzverweise aussprechen. Auffällige Personen kontrollieren. "Wir fackeln hier nicht lange." Wolff schwört das Team ein. Es soll erst gar keine brenzlige Situation entstehen. Terrorgefahr - offiziell "Gefährdungslage" - besteht nicht. Wolff: "Es gibt keine Hinweise." Schicht ist von 20 Uhr abends bis 5 Uhr morgens. In Kleingruppen geht es auf den Platz. Ausgerüstet mit Funkgerät, Handschuhen, Einwegfessel, Handfesseln, Taschenlampe, Pfefferspray, Einsatzmehrzweckstock und Schusswaffe. Gefunkt wird über den Kanal BAO2 - Besondere Aufbauorganisation 2. Der normale Funkverkehr darf nicht gestört werden. Um 21.45 Uhr gehen Daut und Keller mit ihrer Kleingruppe los. Geführt wird das Team von Saskia Haverig, Stellvertreterin von Markus Wolff. Die erste Runde über den Platz ist zum Kennenlernen. Die Zelte wurden während des Meetings charakterisiert, aber den Sicherheitsdienst will die Gruppe trotzdem kennenlernen. Bayernzelt, Veltins-Clubzelt. Schon die erste Meinungsverschiedenheit. Ein Besucher hat Hausverbot im Clubzelt. Es gab Streit, und der Besucher war beteiligt. Zum Schlichten, wie er beteuert. Warum er jetzt nicht mehr rein darf, versteht er nicht. Die Situation bleibt entspannt. Es wird geredet, einmal der Ausweis überprüft. Die Sache ist geklärt. An einer Bierbude zwischen dem Wirtezelt und dem Disco-Zelt wird die Patrouille von einer Schaustellerin angesprochen. Ein Besucher habe einen Teleskop-Stab dabei. Der ist nach dem Waffengesetz verboten. Der Mann wird an einen weniger belebten Ort geführt. Er kooperiert, gibt die Waffe ab. Er habe den Stab als "Sicherheit" mitgenommen, hatte Angst, dass wieder jemand im Affenkostüm auftaucht. Der Täter wird durchsucht, sicher ist sicher. Die Polizisten finden nichts. Der Täter bekommt eine Anzeige wegen Waffenbesitz und ein Temporäres Hausverbot. "Sie verlassen auf direktem Weg das Gelände", erklärt Saskia Haverig. Kommt er noch einmal wieder am Abend, wird er in Arrest genommen, verbringt die Nacht in einer Zelle in Bielefeld. Am nächsten Tag ab 10 Uhr darf er wieder auf den Platz. Bei jeder Lage beachten die Polizisten einige Regeln. "Heute achten wir auf die Hände", sagt Daut. Hieb und Stichwaffen sind zu häufig in Taschen versteckt, deswegen müssen die Hände sichtbar sein. Werden Personen überprüft, durchsucht oder wird ein Polizist anderweitig gefordert, bildet der Rest der Gruppe einen Schirm. So wird sichergestellt, dass die Beamten ungestört ihrer Arbeit nachgehen können. Über Funk wird eine Schlägerei am Autoscooter gemeldet. Die Polizei eilt zum Fahrgeschäft. Die vermeintlichen Täter sind schon vom Sicherheitsdienst aus dem Verkehr gezogen. Die Gruppe überprüft Personalien und spricht Platzverweise aus. Die Jugendlichen müssen allerdings mehrmals mit Nachdruck zum Gehen aufgefordert werden. Ruhe herrscht nur kurz. Der Sicherheitsdienst meldet eine Person mit Phaser, eine Art Elektroschocker, am Ausgang zum Bahnhof. Im Laufschritt geht es für die Beamten dort hin. Die verdächtige Person ist verschwunden. Stattdessen müssen sie erste Hilfe leisten. Ein Mann mittleren Alters hatte zu viel Durst. Der Phaser wird später im BH der Freundin des Verdächtigen sichergestellt. Sie hatte versucht die Waffe zu verstecken. Zeit für eine kurze Pause im Polizeirevier. Der Akku eines Funkgeräts hat schlappgemacht. Einmal Luft holen, etwas trinken. Über einen Beamer wird das Aktuelle Sportsstudio in den Aufenthaltsraum übertragen. Hamburg gegen Gladbach. Ergebnistipps werden verglichen. Danach geht es wieder raus auf den Platz. Eine Runde über den dunklen Bauernmarkt. Es riecht nach Gras, der Trupp findet allerdings keine Raucher. Eine Zeit lang ist es relativ ruhig. Vereinzelte Personenkontrollen, mehr nicht. Später wird die Nacht noch heiß. Besonnen und ruhig, die Polizei versucht so vorzugehen. Saskia Haverig sucht das Gespräch, wenn es zu schwierigen Situationen kommt. Polizisten sind auch nur Menschen. Keiner möchte Auseinandersetzungen. Keller fasst es in einem alten Sprichwort zusammen: "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es auch wieder hinaus."

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