An der Losbude: Laura (l.) und Silas (r.) hoffen darauf, dass Jana einen Treffer landet. Am Ende gibt es nur einen Trostpreis, der aber erstaunlicherweise besser ankommt als ein großer Teddybär. - © Sarah Jonek
An der Losbude: Laura (l.) und Silas (r.) hoffen darauf, dass Jana einen Treffer landet. Am Ende gibt es nur einen Trostpreis, der aber erstaunlicherweise besser ankommt als ein großer Teddybär. | © Sarah Jonek

Schloß Holte-Stukenbrock Pollhans: Wie Kinder das Volksfest erleben

Mit der ganzen Familie einen Nachmittag lang auf dem Pollhansmarkt

Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock. Pollhans ist ein Familienfest. Das hat Jürgen Gärtner, der den inoffiziellen Titel "Pollhans-Bürgermeister" führt, bei der Begrüßung der Schausteller gesagt. Hat er Recht? Wir machen den Test und gehen mit Besuchern über Pollhans, die das am besten beurteilen können: Kinder. Als Tester konnten wir die Geschwister Jana (7), Laura, (5) und Silas (3) gewinnen. Viel Überredung bedurfte es nicht, nur die Eltern waren skeptisch, was sie bei diesem Experiment wohl erwartet. Die Vorgabe: Die Kinder sind diesmal der Boss. Sie entscheiden, wo es hingeht, an welcher Bude genascht wird und wie lange sie auf der Kirmes bleiben. Den Eltern bleibt aber ein Vetorecht. Die Vorbereitung Zunächst die Kleiderfrage. Zu viel Gepäck kann leicht den Spaß verderben. Also ein Blick zum Himmel - bewölkt - und auf die Wetter-App. Für Samstag sind 13 Grad angesagt. Mittags regnet es. Die Eltern entscheiden sich für warme Jacken und Mützen. 14.15 Uhr wird Bürgermeister Hubert Erichlandwehr Pollhans eröffnen, es bleibt also genug Zeit, zu Hause Mittag zu essen. Tipp der Mutter: Das Lieblingsessen kochen und zum Nachtisch ein Eis servieren. Das füllt die kleinen Bäuche und entlastet die Kirmeskasse. Noch mal alle auf Toilette, und los geht's. Auf Pollhans Schon aus der Ferne ist die "Kopfüberschlechtwerdmaschine" zu sehen. "Da wollen wir gar nicht rein", sagt Jana. Die anderen nicken stumm, die Mutter ist erleichtert. Aber auch das große Riesenrad lehnt sie ab. Die Kinder sind einverstanden, denn gleich nebenan steht eine kleine Version. Da geht es rein. Für Kinder in diesem Alter ist das genau richtig. Die Mädchen haben sichtlich Spaß, dem Jüngsten vergeht die Laune irgendwann. Die Fahrt vom Scheitelpunkt nach unten spürt er im Magen. Aber bevor dessen Inhalt auf dem Boden landet, ist die Fahrt zu Ende. Acht Euro für vier Personen, das ist okay. Nessy, Musikexpress, Autoscooter - die Kinder schauen und staunen, aber mitfahren: nein. Altersangaben fehlen an den Fahrgeschäften völlig, das hat der Vater aus seiner Jugend anders in Erinnerung. Auf Nachfrage am Musikexpress sagt der Kartenverkäufer, dass Kinder ab acht Jahre allein mitfahren dürfen, Jüngere in Begleitung Erwachsener. Die Testkinder interessieren sich mehr für die kleinen Buden. Beim Dosenwerfen räumt die Große ab und gewinnt ein Stoffpferd. Die Schaustellerin wundert das nicht. "Die Kinder treffen oft besser als die Erwachsenen", sagt sie. An der Losbude gibt es den Trostpreis; aber die Seifenblasen stellen sich als interessanter heraus als der Hauptgewinn. "Zum Glück nicht so ein Riesenteddy", sagt Jana. Bananen-Fred unterhält die Gäste Nach einem Stopp am Kinderkarussell führt der Weg zum ruhigeren Teil von Pollhans: auf den Bauernmarkt. Dort geht es fast erholsam zu, obwohl Marktschreier Sven von Bananen-Fred die Menschen launig und lautstark unterhält. Aber endlich keine dröhnende Musik oder Getöse der Fahrgeschäfte. Hier an der Dechant-Brill-Straße gibt es eine Menge zu gucken und zu riechen. Brote, Öle, Salzgurken, Backkartoffeln, Kräuter, Käse, Taschen oder Holzschnitzwerk. Und ein Getränkestand mit Biobier. Pause und Kassensturz. Für Dosenwerfen (10 Euro), Kinderriesenrad (8 Euro), Lose (3 Euro), Kinderkarussell (6 Euro), Zuckerwatte, Popcorn (6,50 Euro) und Getränke (10 Euro) hat die Familie 38,50 Euro ausgegeben. Durchs Wirtschaftszelt - für Kinder wenig interessant - geht es zurück auf den Rummel. Entenangeln (15 Euro), Dalmatiner-Luftballon (9 Euro) und Süßes für den Rückweg (12,50 Euro). Kurz vor 18 Uhr wechselt das Publikum. Die Familien machen sich auf den Heimweg, die Nachtschwärmer strömen heran. Nach etwa drei Stunden Kirmes fehlen der Familie 75 Euro im Portemonnaie. Fazit Pollhans darf sich tatsächlich Familienfest nennen, findet die Familie. Es gibt genug Abwechselung. Kinder, Jugendliche und Erwachsene - jeder findet etwas für sich. Und die Preise? Die Familie hat ganz schön geprasst, manchmal haben die Eltern - zum Testzweck - die Kinder sogar zum Mitmachen an Buden ermuntert. Bratwurst und Pommes waren Dank des Mittagessens überhaupt kein Thema. Ohne Test für die NW wären es sicher weniger als 50 Euro gewesen, schätzt der Vater. Für fünf Personen. Das finden die Erwachsenen fair. Besonders beeindruckt sind sie von 1,50 Euro für 0,3 Liter Sprudel und 2 Euro für ebenso viel Biobier. Den Rückweg tritt die Familie müde, aber glücklich an.

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