Da fliegt er durch die Schikane: Thilo Günther aus Sende mit seiner BMW R 1200 R. Das Motorrad hat 150 PS. "Vierter Gang und das Gas immer am Anschlag", sagt Günther über seine Rennstrategie. Sie ist aufgegangen. Das erste Rennen gewinnt er, im zweiten belegt er Platz 2. - © Jörg Klöppner
Da fliegt er durch die Schikane: Thilo Günther aus Sende mit seiner BMW R 1200 R. Das Motorrad hat 150 PS. "Vierter Gang und das Gas immer am Anschlag", sagt Günther über seine Rennstrategie. Sie ist aufgegangen. Das erste Rennen gewinnt er, im zweiten belegt er Platz 2. | © Jörg Klöppner

Schloß Holte-Stukenbrock / Bremerhaven Der Sender Thilo Günther gewinnt beim Fischereihafenrennen

Überschattet wird die Veranstaltung von einem Unfall mit tödlichem Ausgang

Gunter Held

Schloß Holte-Stukenbrock / Bremerhaven. Motorradrennen zwischen Kaimauer und Strohballen. Packende Duelle zwischen hochgezüchteten Boliden mit bis zu 250 PS und ohne Hubraumbeschränkung und ambitionierter Rennsport bei den Zweizylindern (Twins) und den Renngespannen. Wieder mit dabei war der Sender Thilo Günther, der das Rennen der offenen Superbikes gewann. Er fuhr eine BMW S 1000 RR von seinem Sponsor, der Motorradschmiede Wunderlich. Das Motorrad hat 220 PS bei 1.000 Kubikzentimetern (ccm) Hubraum. Auch das zweite Motorrad, das Günther mit hatte, war eine Wunderlich-BMW, eine R 1200 R mit Boxermotor, also ein Zweizylinder. Bei 1200 ccm hat die BMW eine Leistung von 150 PS. Mit diesem Bike siegte Günther im ersten Rennen der Klasse 2 (für Zwei- und Dreizylinder) und belegte im zweiten Rennen den zweiten Platz. Überschattet wurde das Rennen von einem tödlichen Unfall. Ein 35 Jahre alter Teilnehmer aus dem Kreis Bohmte bei Osnabrück war kurz nach dem Start auf gerader Strecke gestürzt. Warum das passierte, ist noch unklar. Pressesprecher Christoph Nagel, wie alle aus dem Orga-Team tief betroffen, sagte im Gespräch mit der Neuen Westfälischen: "Es war eine Verkettung extrem unglücklicher Umstände. Wir sind alle sehr betroffen und fühlen mit der Familie." Die erste Versorgung wurde vom Rennarzt geleistet, der sofort zur Stelle war. Dennoch erlag der Fahrer im Krankenhaus seinen Verletzungen. Das Fischereihafenrennen ist eines der letzten echten Straßenrennen auf dem europäischen Festland. Und es wird immer wieder verglichen mit der legendären "Tourist Trophy" auf der Isle of Man, das es seit 1907 gibt. Auf eine so lange Tradition kann das Rennen in Fishtown noch nicht zurückblicken. Das erste Fischereihafenrennen fand 1952 statt. Nach einer zehnjährigen Pause zwischen 1990 und 2000 ließ Hinrich Hinck das Traditionsrennen wieder aufleben. Die Start-/Zielgerade ist immer noch die gleiche wie beim ersten Rennen. Der Kurs ist 2,7 Kilometer lang und hat 14 Kurven, inklusive Spitzkehre. Die Sicherheit hat für den Veranstalter oberste Priorität: 1,2 Kilometer lang ist die Strecke, an der Curbs verlegt werden. Damit werden die Bordsteine abgeschrägt. 2.000 große Strohballen sorgen für die Sicherheit von Fahrern und Zuschauern, die sich manchmal nur eineinhalb Meter von der Strecke entfernt drängen. An besonders gefährlichen Stellen sind mehrere hundert Meter Airfences, eine Art Super-Airbag, aufgestellt. "Trotzdem ist das Rennen sehr gefährlich", sagt Thilo Günther. "Das Risiko fährt immer mit." Das erfuhr auch sein Bruder Moritz, der im vergangenen Jahr beim Rennen in Frohburg so schwer stürzte, dass er heute unterhalb der Brustwirbel gelähmt ist. "Es stand aber nie zur Diskussion, ob wir beiden anderen, also Felix und ich, mit dem Rennsport aufhören", sagt Thilo Günther. "Wenn ich fahre, dann gebe ich mein bestes, und während des Rennens ist für andere Gedanken auch kein Platz." Natürlich geht ihm der Unfall seines Bruders in stillen Minuten durch den Kopf, schließlich war das Fischereihafenrennen das erste Rennen nach dem Unfall von Moritz Günther. "Im Programmheft steht eine Würdigung für Moritz. Das fand ich klasse", sagt Thilo Günther. Er hofft, dass nicht der Unfall im Kern des Interesses bleibt, sondern die tolle Veranstaltung, obwohl natürlich auch er den Unfall sehr bedauerlich und tragisch findet. "In den langen Jahren, in denen das Rennen veranstaltet wird, ist es der zweite Unfall, bei dem ein Fahrer tödlich verletzt wird. Es wird alles für die Sicherheit getan, aber der Rennsport ist nun einmal sehr gefährlich", sagt Günther.

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