Ein Wahrzeichen der Stadt: Unser Leser Martin Düsterberg fotografiert das Schloss im sehr zeitigen Frühjahr. Die Farbe war für die Schloß Holter zunächst gewöhnungsbedürftig. - © Martin Düsterberg
Ein Wahrzeichen der Stadt: Unser Leser Martin Düsterberg fotografiert das Schloss im sehr zeitigen Frühjahr. Die Farbe war für die Schloß Holter zunächst gewöhnungsbedürftig. | © Martin Düsterberg

Schloß Holte-Stukenbrock Der Weg vom Bauernhof zum Schloss Holte

Schlossgeschichte: Erstmalig wird das Holter Schloss als Bauernhof im 14. Jahrhundert erwähnt. Der Name "Schloss Holte" hat sich erst um 1700 durchgesetzt.

Schloß Holte-Stukenbrock. Es war ein Ostfriese, der den Wiederaufbau des Hauses Holte, wie das Schloss bis etwa 1700 genannt wurde, verantwortete. Enno III. Graf von Ostfriesland und Rietberg (1563 - 1625) plante gemeinsam mit seiner Frau Walburga Gräfin von Rietberg, die nur 29 Jahre alt wurde und nach der Geburt ihres dritten Kindes 1586 wahrscheinlich im Kindbett starb, das Haus in seiner heute bekannten Ausformung erstehen zu lassen. Beinahe jedenfalls, denn die beiden Ecktürme kamen erst kurze Zeit später, nämlich 1620 hinzu. Doch der Wiederaufbau des Hauses Holte zu einem Weserrenaissence-Schlösschen begann im Jahr 1589. Diese geschichtlichen Zusammenhänge hat Ortschronist Günter Potthoff in jahrelanger Fleißarbeit zusammengetragen und in seinem Buch "Aus der Geschichte der Domäne Holte" niedergeschrieben. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die Geschichte des Schlosses in dieser Serie erzählt werden kann. Die Fertigstellung oder zumindest den Zustand, in dem das "Haus Holte" bewohnbar wurde, das war im Jahr 1616, hat Enno schon nicht mehr als Landesherr miterlebt. Im Jahre 1600 verzichtete er zugunsten seiner beiden Töchter Sabina Catharina und Agnes auf Rietberg und erhielt dafür das ostfriesische Harlingerland. Da hatte das Schloss aber bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Erstmalig erwähnt wurde der Bauernhof Holte im Jahr 1345. Damals übereignete Graf Heinrich von Schwalenberg seinem Schwiegersohn Otto von Rietberg, geboren vor 1303, gestorben 1347, die Ortschaft Limbeke (Liemke) im Kirchspiel Oerlinchusen. Wann aus dem Holzbau ein "festes Haus" wurde, ist nicht bekannt. Es muss aber Mitte des 15. Jahrhunderts passiert sein, nachdem am 24. Juli 1457 ein Blitzschlag einen Großbrand in Rietberg verursachte. Das "feste Haus" wurde notwendig, entweder um eine Residenz für Konrad V. von Rietberg zu schaffen, weil das Schloss in Rietberg beim Brand zerstört wurde, oder, zweite Möglichkeit, Konrad V. wollte seine Landesherrschaft im nordöstlichen Teil der Grafschaft Rietberg stärken. Wechselvoll gestalteten sich die folgenden 200 Jahre, in denen das Haus auch Gegenstand von Erbstreitigkeiten wurde. Die Katastrophe kam 1556 aus Lippe. Ursache jedoch war wohl Johann II., streitsüchtiger Graf von Rietberg, der auch "der Tolle" genannt wurde. Er war so missgünstig, dass er seiner Frau und seinen beiden Töchtern nicht genug Geld für ein standesgemäßes Leben überließ. In ihrer Verzweiflung wandte sich Agnes von Bentheim und Steinfurt an den Rentmeister Johann von Willen, eine Art Finanzminister, um sich Geld zu leihen. Bei der Kontrolle der Bücher entdeckte Graf Johann II. die Fehlbeträge und beschuldigte von Willen der Unterschlagung. Der sagte jedoch nichts über den Verbleib des Geldes. Der Rietberger Graf ließ ihn ohne Prozess aufhängen. Weshalb von Willen die Gräfin nicht verriet, darüber darf spekuliert werden. Plünderung und Brandschatzung als Racheakt Sein Bruder, Otto von Willen, floh daraufhin nach Lippe und schwor Rache. 1556 drang er mit einer Schar Gleichgesinnter in die Grafschaft Rietberg ein und zündete das Haus Holte an, plünderte und verwüstete. Johann II. verlangte dafür vom Grafen Bernhard zu Lippe Schadenersatz, den der aber nicht leistete. Es folgten Scharmützel und Überfälle - Johann II. bleib weiter starrsinnig. Schließlich griff der Herzog von Jülich als Kaiseroberster ein. Nach siebenmonatiger Belagerung des Rietberger Schlosses ergab sich Johann II. Wie oben beschrieben, gestaltete sich der schlossartige Ausbau bis 1616, dem Jahr, das das dem Jubiläum zugrunde liegt. Erst ab 1700 wird es als Schloss bezeichnet. Die beiden Ecktürme wurden aber erst 1620 hinzugefügt. Die erste größere Renovierung datiert im Jahr 1717. Da musste der Mittelturm abgerissen und neu aufgebaut werden. Kostenpunkt: 400 Reichstaler. Damals ein kleines Vermögen. Knapp 100 Jahre später sieht das Schloss heruntergekommen aus. Fenster sind kaputt, das Dach undicht. Weil das Rietberger Schloss damals abgerissen wurde, kam das Holter Schloss in den Genuss der Schieferplatten für das Dach. 1822 erwarb Friedrich Ludwig Tenge das Schloss. Es sollte Wohnsitz seines Schwiegersohnes Julius Meyer werden. Die letzte große Renovierung begann 1978. Zu diesem Zeitpunkt entschied sich die Eigentümerfamilie Tenge-Rietberg auch für das auffällige Gelb, einer Farbe, die typisch für barocke Bauten ist. Aufruf Das sonnengelbe Schloss am Rand des Holter Waldes ist ein Wahrzeichen der Stadt - und ein beliebtes Fotomotiv. Wann haben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich und/oder Ihre Gäste mit dem Schloss im Hintergrund in Szene gesetzt? Erzählen Sie uns ihre Geschichten und schicken uns Ihre Fotos per E-Mail an die Adresse: shs@nw.de

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