Heimatkunde in kompakter Form: Rolf Westheider (v. l.), Martin Maschke , Friedrich Flöttmann, Johannes Glaw, Eckhard Möller, Ralf Othengrafen, Daniel Bollweg, Siegfried Kornfeld, Landrat Sven-Georg Adenauer und Friedrich Fischer mit dem neuen Jahrbuch. - © Marten Siegmann
Heimatkunde in kompakter Form: Rolf Westheider (v. l.), Martin Maschke , Friedrich Flöttmann, Johannes Glaw, Eckhard Möller, Ralf Othengrafen, Daniel Bollweg, Siegfried Kornfeld, Landrat Sven-Georg Adenauer und Friedrich Fischer mit dem neuen Jahrbuch. | © Marten Siegmann

Kreis Gütersloh/Schloß Holte-Stukenbrock Heimatjahrbuch 2016 konzentriert sich auf Kunst und Kultur

Laura Maria Niewöhner steuert Artikel über die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers „Stalag 326“ bei

Sigurd Gringel
Marten Siegmann

Schloß Holte-Stukenbrock. Es ist ein großes Lob, das die Autorin Laura Maria Niewöhner natürlich gern hört. Manfred Büngener vom Förderverein der Dokumentationsstätte „Stalag 326“ findet ihren Aufsatz ausgezeichnet. „Ich bin begeistert“, sagte der Vereinsvorsitzende wörtlich. Die 22-jährige Studentin hat für das aktuelle Heimatjahrbuch des Kreises Gütersloh einen Aufsatz über die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers verfasst. Laura Maria Niewöhner gibt auf wenigen Seiten einen dennoch umfangreichen Überblick. Von der Planung des Lagers noch vor Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion über das Sozialwerk Stukenbrock bis zur Eröffnung der Dokumentationsstätte. Rahmen ist der Besuch des Bundespräsidenten Joachim Gauck im Mai dieses Jahres. Die Autorin hat für ihren Artikel viel gelesen. Die 22-Jährige arbeitet seit etwa einem Jahr im Team der Dokumentationsstätte, gibt Führungen und kümmert sich um Seminare für Schulklassen. Aktuell konzipiert sie die neue Dauerausstellung mit, die im kommenden Jahr eröffnet werden soll. Über Inhalt und Art sagt das Projektteam noch nichts. Den fachlichen Hintergrund hat sich Laura Maria Niewöhner in ihrem Studium angeeignet. Sie studiert Geschichte und Sozialwissenschaften in Bielefeld und beschäftigt sich auch in ihrer Bachelorarbeit mit dem Thema „sowjetische Kriegsgefangene im Kreis Gütersloh“, speziell mit dem Bau der fünf Kilometer langen Rollbahn für den Flughafen Gütersloh ab 1941. Die Dokumentationsstätte „Stalag 326“ sei ihr lange unbekannt gewesen, sagt Laura Niewöhner. Erst eine Kommilitonin habe sie darauf aufmerksam gemacht, dann hat sie ein Praktikum in Stukenbrock-Senne absolviert. Seitdem bewegt sie dieser Teil der neueren Geschichte. „Ich finde es wichtig, Erinnerungsarbeit zu leisten“, sagt sie. Seit 1983 erscheint 
das Heimatbuch jährlich Oliver Nickel, Geschäftsführer der Dokumentationsstätte, habe sie schließlich gefragt, ob sie sich dem Thema für das Jahrbuch annehmen könne. Und der Historiker hatte anschließend nur wenige Anmerkungen zum Text, sagt sie. Das Schreiben liegt ihr. Deshalb macht sie auch die Öffentlichkeitsarbeit für den Reit- und Fahrverein in ihrem Heimatort Avenwedde. Natürlich sind auch die anderen Beiträge des Jahrbuchs lesenswert. Und diesmal ist das Jahrbuch etwas dicker. 192 Seiten umfasst die aktuelle Auflage, seit 1983 erscheint das Heimatbuch jährlich. „In diesem Jahr ist der Umfang etwas höher“, bestätigt Kreisarchivar und Chefredakteur Ralf Othengrafen. Jeder der 27 Beiträge hat einen anderen Autor. Othengrafen: „Das macht den Reiz des Buches aus – es wird aus ganz vielen verschiedenen Perspektiven auf den Kreis Gütersloh geblickt.“ Vor allem die Themen Kunst und Kultur sind in der aktuellen Ausgabe prominent vertreten. So handelt etwa der Beitrag von Autor Eckhard Möller von dem vor hundert Jahren verstorbenen Herzebrocker Bildhauer Caspar von Zumbusch, Rolf Westheider widmet sich Böckstiegels Kollegen Bernhard Kleinhans und Doris Pieper blickt zurück auf das Kulturfestival „Wege durch das Land“, das seit 20 Jahren existiert und mittlerweile eine gut gepflegte Tradition im Kreis Gütersloh ist. Von einer Veranstaltung eben dieser Reihe stammt auch das von Detlef Güthenke geschossene Foto, das das Langenberger Gut Geissel auf der Titelseite des Buches zeigt. „Geschichte, Heimat- und Landeskunde“ – mit diesen Worten ist der erste Themenblock des Heimatjahrbuchs überschrieben. Die Texte handeln etwa vom Widerstand des Pfarrers Wilhelm Florin – ab 1929 Lehrer am Evangelisch Stiftischen Gymnasium in Gütersloh – gegen das Nazi-Regime, ein anderer thematisiert das Frauen-Strafgefangenenlager in Rheda. Manfred Beine hat unter dem Kapitel „Gesellschaft, Freizeit und Vereine“ für das Heimatjahrbuch geschrieben. Er ist der Rietberger Gesellschaft „Harmonie“ gewidmet. Der Geselligkeits- und Kulturverein besteht seit nunmehr 175 Jahren. Ursprünglich gegründet, „um sich durch gesellschaftliche Unterhaltung und Vergnügen zu erheitern“, stehen mittlerweile vor allem freundschaftliche Begegnungen und das Geselligkeitsmoment bei gemeinsamen Exkursionen in die Kunst- und Kulturgeschichte auf dem Programm. Auch beim Gütersloher Flöttmann-Verlag steht ein Jubiläum an: 150 Jahre in die Vergangenheit reicht die Firmengeschichte zurück. Grund genug für Autor Volker Pieper, auf die Geschichte des Unternehmens zurückzublicken, das seit nunmehr 34 Jahren auch das Heimatjahrbuch verlegt. Ein Beispiel für weniger erfolgreiche Ökonomie gibt Wolfgang Kosubek in seinem Beitrag über den Bergbau in Ascheloh und Eggeberg. Bevor der Betrieb 1925 vollends eingestellt wurde, so die Überschrift, wurde man in Halle mit Steinkohle „eher arm als reich“. Ob Halle oder Rietberg, Gütersloh oder Rheda – „so ein Jahrbuch hat auch eine Klammerfunktion für den Kreis“, sagt Kreisheimatpfleger Martin Maschke. 3.500-mal wurde das Heimatjahrbuch in der aktuellen Ausgabe gedruckt, für zwölf Euro ist es bei lokalen Buchhandlungen oder direkt beim Flöttmann-Verlag erhältlich. Und während die aktuelle Ausgabe gerade erst erschienen ist, macht sich die Redaktion schon Gedanken um das kommende Jahr – die Planungen für das Heimatjahrbuch 2017 sollen bereits im Dezember starten.

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