Am lebendigen Beispiel von Pferdedame Luna, die von Rita Streck-Brechmann (l.) gehalten wird, erläutert Tanja Richter (2.v.l.) den Teilnehmern des Kurses die Struktur der Muskulatur. - © FOTO: KARIN PRIGNITZ
Am lebendigen Beispiel von Pferdedame Luna, die von Rita Streck-Brechmann (l.) gehalten wird, erläutert Tanja Richter (2.v.l.) den Teilnehmern des Kurses die Struktur der Muskulatur. | © FOTO: KARIN PRIGNITZ

Schloß Holte-Stukenbrock Physiotherapie für Pferde

Seminarleiterin Tanja Richter hält Pferdeosteopathie für reine Illusion

Schloß Holte-Stukenbrock (kap). Mit geübtem Therapeuten-Griff streicht Tanja Richter der Senner Stute Luna über den braunen Rücken bis hin zum Pferde-Popo. "Butterweich, so soll das sein", lobt die 47-Jährige. Dass Luna auf der Weide des Hofes Brechmann steht, ist keineswegs selbstverständlich. Beinahe wäre sie eingeschläfert worden.

"Der Vorbesitzer war ratlos", erzählt Kristin Trede. Luna leidet an der sogenannten Huf-rehe, einer schmerzhaften Entzündung der Huflederhaut. Die Heilung braucht viel Geduld, kostet Geld. Eine Herausforderung, die die Tierheilpraktikerin, der die Stute mittlerweile ebenso gehört wie Rita Streck-Brechmann, annahm.

Information

Regelmäßige Seminare

Im neu gegründeten Seminarzentrum für Tiergesundheit OWL sollen regelmäßig Seminare für Tierhalter und Therapeuten stattfinden.

Um qualitativ hochwertige Weiterbildungen zu bekommen, seien sie und ihre Mitstreiterinnen oft weit gefahren, erzählt Kristin Trede. Gedanke, der nun umgesetzt wird. "Wir können es auch hier."

Im April wird Buchautorin und Journalistin Monika Peichl zu Gast sein. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Impfen.

Weitere Informationen gibt es über die Tierheilpraktiker-Verbände und über die Homepage
www.seminarzentrum-tiergesundheit.de. (kap)

Trede und ihren Mitstreiterinnen Dr. Ricarda Dill aus Detmold und Petra Althof aus Bad Salzuflen ist es aber auch wichtig, Aufklärung zu leisten, Skeptiker von der ganzheitlichen Methode ihrer Behandlung zu überzeugen. Deshalb hat die 53-jährige Schloß Holte-Stukenbrockerin im Sommer dieses Jahres mit den anderen beiden Tierheilpraktikerinnen das "Seminarzentrum für Tiergesundheit OWL" gegründet.

Referentin der zweiten Veranstaltung in den Räumen bei der Stiftung Hof Brechmann war Tanja Richter, und die nahm kein Blatt vor den Mund. Hand auflegen und dann wird alles wieder gut? So laufe es bei ihr auf gar keinen Fall. "Ich bin eher die Handfeste, die die Strukturen bearbeitet." Richter leitet in Süddeutschland das Institut für Pferdephysiotherapie, ist Buchautorin und hält Pferdeosteophatie für reine Illusion. "Damit löst man keine Probleme."

Wichtig sei vielmehr, auf die Bewegung des Pferdes zu achten, die äußeren Bedingungen wie Haltung und Ernährung im Blick zu haben. "Wie beim Menschen muss man es ganzheitlich sehen." Lebe ein Tier unter schlechten Bedingungen, dann könne man es einrenken, so oft man wolle, "das hilft nicht". Kristin Trede zog den Vergleich mit Fußballern heran, die nicht ohne Physiotherapeuten und Massagen auskommen. "Auch das Pferd ist ein Sportler."

Tanja Richter hatte den 12 Teilnehmern eine überraschende Zahl mitgebracht. "Pferde werden im Durchschnitt nur 8,5 Jahre alt." Das sei "verdammt wenig". Meist gebe es Probleme mit dem Bewegungsapparat, "und dann geht es darum, die Pferde möglichst schnell wieder fit zu bekommen".

Die nötige Geduld steht oftmals wirtschaftlichen Interessen im Wege. Tiere, deren Behandlung zu lange dauern würde, werden eingeschläfert. "Wir wollen zeigen, wie es besser geht", sagt Kristin Trede.

Sie hat Stute Luna klassisch homöopathisch therapiert. Die Ernährung der zu moppeligen Luna wurde umgestellt, die Pferdedame auf Diät gesetzt. "Das haben wir gut hinbekommen", meint Trede. Bis sich die Hufe komplett erneuert haben, dauere es allerdings neun Monate. Zeit, die viele Pferdebesitzer nicht bereit sind, zu investieren.

"Mit den Tierärzte, die oft nicht den ganzheitlichen Blick haben, findet noch zu wenig Zusammenarbeit statt", findet Teilnehmerin Christine Schmidt aus Holzminden. Nicht selten sei das ein Zeitproblem. "Es wird zu wenig Ursachenforschung betrieben", meint auch Udo Spitzbarth, der in Paderborn eine Pferdepension betreibt. Zudem gehe die Ausbildung der Pferde heute viel zu schnell, "weil es sonst zu viel Geld kostet". Halter wollten die Tiere schnell verkaufen, "dadurch ist die Haltbarkeit reduziert". Spitzbarth verglich das im übertragenen Sinne mit Kinderarbeit.

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