Familie Sperlich vor ihrem rot-gelben Zelt, von links Mama Tanjela (39), Maickel (7), Manolito (12), Danny (6), Michelle (16) und Papa Jan (38) mit Pudel und Kamel . Auf dem Foto fehlt der älteste Sohn Angelo (19). - © FOTOS: PRIVAT
Familie Sperlich vor ihrem rot-gelben Zelt, von links Mama Tanjela (39), Maickel (7), Manolito (12), Danny (6), Michelle (16) und Papa Jan (38) mit Pudel und Kamel . Auf dem Foto fehlt der älteste Sohn Angelo (19). | © FOTOS: PRIVAT

SCHLOß HOLTE-STUKENBROCK Acht Sperlichs sind ein Zirkus

Kleines Familienunternehmen arbeitet hart an seiner Tradition

VON SUSANNE LAHR

Schloß Holte-Stukenbrock. Ihr jüngstes Gastspiel in der Stadt ist schon einige Jahre her. Doch für Tanjela und Jan Sperlich hat es bleibende Bedeutung. Die beiden Oberhäupter des kleinen Familiencircus Sperlich, der über Ostern auf dem Pollhansplatz gastiert, haben sich auf dem Standesamt von Schloß Holte-Stukenbrock das Ja-Wort gegeben. Das war 2006. Wobei die 39-Jährige kurz überlegen muss, ob es nicht doch 2004 war. Viele Orte, viele Auftritte liegen dazwischen.

Der Circus Sperlich ist ein Familienzirkus im besten Sinne, besteht seit 30 Jahren. Neben Tanjela und Jan gehören die Kinder Angelo (19), Michelle (16), Manolito (12), Maickel (7), Danny (6) und Elena (4) dazu. Sie bauen das gelb-rote Zelt auf und ab, kümmern sich um rund 30 Tiere, sie sind die Artisten in der Manege. Schon die Kleinste, Elena, macht mit bei den Lasso-Spielen der Wild-West-Show, die den großen Abschluss des 90-minütigen Programms bildet.

"Wir bieten ein abwechslungsreiches Programm an", sagt Tanjela Sperlich selbstbewusst. Es gibt unter der 18 Meter hohen Zirkuszelt-Kuppel Clownerie, Schlangen- und Balance-Akrobatik, Nummern auf dem Vertikalseil und am Trapez, Pony- und Pudel-Dressuren sowie die schon genannte Wild-West-Show inklusive Messerwerfen.

Sie und ihr Mann Jan wissen, dass es in ihrer Branche durchaus schwarze Schafe gibt, gerade auch bei den kleinen Wanderzirkussen, die das Blaue vom Himmel versprechen, was das Können ihrer Artisten angeht. "Dafür können wir aber nichts", sagt Jan Sperlich (38). "Wir geben uns wirklich Mühe", sagt seine Frau, um dann dieses Understatement zu korrigieren: "Wir geben uns nicht nur Mühe, wir haben ein tolles Programm für die ganze Familie."

Dass gerade der berühmte Zirkus Roncalli in nur wenigen Kilometern Entfernung gastiert, interessiert den kleinen Familienzirkus nicht wirklich. "Wenn wir darauf achten würden, würde das unsere Auftrittsmöglichkeiten erheblich einschränken", sagt Jan Sperlich. Er und seine Familie gehen bewusst in kleinere Orte, bieten gute Unterhaltung zu erschwinglichen Preisen an. "Drei Euro Eintritt für Kinder können sich auch mal Familien leisten, die weniger Geld im Portemonnaie haben", sagt Tanjela Sperlich.

Gestern Nachmittag kann die Familie erst mit dem Aufbau des Zeltes, das einen Durchmesser von 18 Metern hat, beginnen. Vater Jan und Sohn Angelo schwingen die Vorschlaghämmer, um die Zeltpflöcke in den Pollhansplatz zu treiben. "Die Erde ist nicht zu verdichtet", sagt der 38-Jährige, "geht schon." Trotzdem rinnt bei sommerlichen Temperaturen der Schweiß. Nebendran baut seine Frau einen Paddock für die Ponys auf. Manolito befestigt die Spanngurte an den Pflöcken, deckt sie mit Jutehauben ab. Alle helfen mit, sie kennen es nicht anders. Insgesamt dauert es zweieinhalb bis drei Stunden, bis das Zelt steht, in dem bis zu 300 Personen Platz finden können. Ein solcher Besuch wäre traumhaft, gibt Jan Sperlich zu.

Vielleicht gelingt es in Schloß Holte-Stukenbrock, der Stadt, die in der Heiratsurkunde verewigt ist. Bevor die erste Vorstellung steigt (siehe Info-Kasten), hat Zirkus-Familie Sperlich am heutigen Karfreitag auch ein paar Minuten Zeit zum Relaxen, da an diesem stillen Feiertag nicht gewerkelt und nicht gespielt werden darf. "Ansonsten ist es egal, ob wir Werk-, Sonn- oder Feiertag habe", sagt Tanjela Sperlich, "wir haben immer genug Arbeit."

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group