Auf dem Plattenberg: Ein Teil der Blümchenpflückergruppen, die sich am Bikertreff Kemper bei Brilon getroffen haben. Strahlender Sonnenschein während der gesamten Tour haben den morgendlichen Regen schnell vergessen lassen. - © Gunter Held
Auf dem Plattenberg: Ein Teil der Blümchenpflückergruppen, die sich am Bikertreff Kemper bei Brilon getroffen haben. Strahlender Sonnenschein während der gesamten Tour haben den morgendlichen Regen schnell vergessen lassen. | © Gunter Held

Schloß Holte-Stukenbrock Video: NW-Motorradtour bei bestem Wetter

Fahrspaß: Wer dem morgendlichen Regen trotzt, wird mit schönen Touren belohnt. Als Abschluss geht es von Kaunitz im Konvoi zum Holter Kirchplatz

Knut Dinter
Gunter Held

Schloß Holte-Stukenbrock. Endlich. Sonntagmorgen. Nach wochenlangen Vorbereitungen soll die zweite Motorradtour der Neuen Westfälischen starten. Ein Blick aus dem Fenster dämpft die Euphorie: Es regnet. Also, Regenklamotten über die Lederkombi, rauf aufs Bike und los. Kurz vor 8 Uhr nieselt es nur noch in SHS. Etliche Biker sind schon da, haben ihre Motorräder unter den Arkaden geparkt. Um 9 Uhr hört es auf zu regnen. Trotzdem gibt es schon etliche Absagen. Unter denen, die dennoch gekommen sind, herrscht gute Stimmung. „Wird schon. Das Wetter soll besser werden", sind Sätze, die viele äußern. Um 9.40 Uhr starten die ersten beiden Gruppen, eine sportive, eine Blümchenpflückergruppe. 77 Fahrerinnen und Fahrer sind gekommen – nur etwas mehr als die Hälfte der Angemeldeten. Etwas enttäuscht sind die Organisatoren schon. Aber die Teilnehmer kommen nicht nur aus SHS, Oerlinghausen und Leopoldshöhe. Es sind Fahrer aus Löhne dabei, aus Bielefeld, Gütersloh, Werther und Halle – und sogar aus Soest und Rüthen im Sauerland. Die Teilnehmer werden belohnt. Bestes Motorradwetter. Herrliche Kurven auf trockenen Straßen im Sauerland, fantastische Ausblicke in weite Täler. Interessante Gespräche während der Mittagsrast. Und ein Teilnehmer klagt: „Ich glaube, dass ich einen Sonnenbrand bekommen habe." Alle genießen die Touren und kommen heil wieder in SHS an. Die NW-Ausfahrt bedeutete für die meisten Biker ein Gemeinschaftserlebnis, das sie sonst nicht haben. „Ich fahre überwiegend allein", sagte Hermann Jacobebbinghaus aus Lipperreihe. Er war daher begeistert, sich mal einer Gruppe anschließen zu können. „Schön, dass wir ganz ohne Stress nach Brilon geführt wurden", sagte er. Stolz verwies Jacobebbinghaus auf seine gepflegte Honda 750 Four, die bereits 34 Jahre alt ist. „Ich könnte das jedes Jahr machen. Es war einfach nur schön", stellte Harald Knüppel aus Leopoldshöhe begeistert fest. Mit seiner Suzuki, Baujahr 1985, war er in Richtung Sauerland unterwegs und genoss das ruhige Fahren ohne Vollgas. Sarah Lühr und ihr Freund Sebastian Schramm aus Schloß Holte-Stukenbrock sahen das genauso. „Es war top, einfach wunderbar", meinten sie. „Wir hatten keinen Regen und es war eine harmonische Gruppe. Die Fahrt hat uns großen Spaß gemacht." Vater Ernst Lühr fand es angenehm, mit anderen gemütlich fahrenden Blümchenpflückern unterwegs sein zu können. „Jeder hat Rücksicht genommen", berichtete er. „Ab und zu haben wir auch auf die Zurückgebliebenen gewartet." Viel los auf dem Holter Kirchplatz Der kurze Schauer zu Beginn sei höchstens „Angsttropfen" gewesen, meinte Klaus-Peter Beimdiek aus Schloß Holte-Stukenbrock. Rund 300 Kilometer legte er während des Sonntags zurück. Ziel war der Rothaarsteig. „Es hat alles gepasst – das Wetter, die Organisation", sagte er. „Ich hoffe auf die dritte NW-Tour im nächsten Jahr." Gegen eine Teilnahme hatte sich am frühen Morgen Paul Henkemeier entschieden. „Die Vorhersage war grenzwertig", sagte der Kawasaki-Fahrer. „Wir mussten deshalb abwägen und haben deshalb gesagt Safety first." Am gemeinsamen Abschluss haben Vater und Sohn Henkemeier dennoch teilgenommen. „So ein Motorrad ist für viele einfach ein Herzenswunsch, wenn die Kinder aus dem Haus sind und es finanziell möglich ist", meinte Thomas Böckler und deutete auf die zahlreichen Maschinen der Marke Harley Davidson, die auf dem Kirchplatz parkten. Böckler ist Director der Bielefelder Gruppe (Chapter) der Harley Owners Group, des weltweit größten Motorradclubs. Mit ihren Besuch auf dem Holter Kirchplatz wollten die 17 Bielefelder mit so manchem Vorurteil aufräumen. „Wir sind einfach nur Enthusiasten, die Spaß am Motorradfahren haben", erklärte Böckler. Auch wenn sie die gleiche schwarze Lederkluft tragen und die gleichen Bikes fahren, wollten sie nicht mit Rockergruppen verwechselt werden. „Wir suchen eher das Easy-Rider-Feeling", sagte er. „Wir haben es gar nicht nötig zu heizen." Die Gruppe „Bikers against child abuse" (BACA) informierte über ihre Arbeit. Die Motorradfahrer haben es sich zur Aufgabe gemacht, misshandelte und missbrauchte Kinder zu begleiten und zu stärken. Gleich nebenan befand sich der Stand der Neuen Westfälischen. Astrid Borges und Bärbel Krückemeier verteilten kostenlose Exemplare der Tageszeitung und luden Kinder ein, sich beim „Tapsi"-Wurfspiel zu versuchen. „Besser ankommen mit Hirn", lautete das Motto am Stand der Verkehrswacht Gütersloh. Pia Coulthard warb hier für besonnenes Fahren. Auch Sebastian Brand, der Verkehrssicherheitsberater der Polizei im Kreis Gütersloh, klärte in zahlreichen Gesprächen über mögliche Gefahren auf. „Wir möchten erreichen, dass es erst gar nicht zu Verkehrsunfällen kommt", sagte er. Die Freiwillige Feuerwehr war mit vier Kameraden gekommen, um über richtiges Verhalten aufzuklären, wenn ein Grill mal brennt. Auf großes Interesse der Zweiradfahrer traf Matthias Römer von der Johanniter-Unfall-Hilfe beim Thema Erste Hilfe bei einem Verkehrsunfall. Bei der Frage „Helm abnehmen oder nicht?" warnte er vor falschen Vorstellungen. „Ist ein Patient bewusstlos, muss der Helm immer runter", erklärte er, „denn sonst kann man die Vitalfunktionen nicht richtig prüfen."

realisiert durch evolver group