Schloß Holte-Stukenbrock Nach Schlaganfall fit durch Training

Geduldsprobe: Warum es sich lohnt, nicht aufzugeben. Friedel Splitthoff geht es dank einer speziellen Förderung wieder richtig gut

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Vor zwei Jahren ist es passiert. Auf einer Parkbank. Am ersten Urlaubstag in Wesel am Niederrhein. Schlaganfall. „Auf einmal hat sich alles gedreht, ich habe gedacht, das war es jetzt“, erzählt Friedel Splitthoff vom schlimmsten Tag seines Lebens. „Ich konnte sprechen, aber nicht laufen.“ Der heute 78-Jährige kam sofort ins Krankenhaus. Der Neurologe prophezeite, dass in drei Monaten alles wieder gut sein würde. War es aber nicht. Der Arzt schrieb Tagespflege auf. Die aber zahlte die Krankenkasse nicht. Vom Physiotherapeuten gab es Sporttherapie. 100 Sitzungen. „Die Krankenkasse hat 50 genehmigt.“ Und Friedel Splitthoff nahm sie wahr. Zweimal pro Woche kommt er seit einem Jahr ins VIP-Sportstudio Ackermann und wird dort gezielt gefördert. Lange hat er einen Stock als Gehhilfe dabei gehabt und seine Frau, die ihn in der Anfangszeit regelmäßig begleitete. Mittlerweile kommt er ohne Stock und ohne Frau, steht ohne Probleme eine halbe Stunde lang auf dem Laufband und arbeitet darauf hin, zwei Kilometer in 30 Minuten zu schaffen. „Nur noch 200 Meter fehlen“, erzählt Friedel Splitthoff stolz. Übertreiben will er es nicht. „Ich gucke immer auf den Blutdruck.“ Aber es macht ihn stolz, dass er so viele positive Reaktionen von denen bekommt, die um ihn herum trainieren. „Ich hätte nicht gedacht, dass es wieder so gut wird.“ Niederschmetternd war die Diagnose, die Ungeduld kam hinzu, als er merkte, dass es zunächst in kleinen Schritten besser ging. „Mein Neffe hatte mir eine Rollator geschenkt, damit bin ich über die Falkenstraße gelaufen.“ Aber: „Ich habe mich lange dagegen gewehrt.“ Arnold Ackermann kennt Friedel Splitthoff bereits seit Jahrzehnten. Der gebürtige Bocholter hat als Schaufenstergestalter in vielen Städten gearbeitet. Bielefeld war seine letzte Berufsstation. 22 Jahre lang war er bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1999 Substitut bei Horten/Kaufhof. „Dort haben wir irgendwann die ganze Abteilung leer gemacht, um Fitnessgeräte zu präsentieren.“ Arnold Ackermann, der seinerzeit der erste war, der in Bielefeld ein Fitnessstudio eröffnete, führte vor, wie sie zu bedienen sind. „Daher kannten wir uns.“ Das Leben führte beide nach Schloß Holte-Stukenbrock. „Ältere Menschen brauchen keine Muckibude“ Splitthoff lebte mit seiner Frau zunächst über dem Laden vom Café Wölke, ehe er ein Haus an der Falkenstraße kaufte. Auch Arnold Ackermann lebt in SHS und betreibt hier seit 24 Jahren ein Fitnessstudio an der Industriestraße. Viele seiner Kunden sind 50 plus. Ackermann hat zudem spezielle Geräte für Menschen nach Schlaganfall und für die Prävention. Den Ausschlag gab, dass sein Sohn bereits im Mutterleib einen Schlaganfall erlitt. Er konnte ihn mit entsprechendem Training fördern. Auch den Mitgliedern kommen die Geräte zugute. „Viele Ältere gehen in den Intensic-Zirkel.“ Dort wird die Tiefenmuskulatur trainiert. Für Friedel Splitthoff wird das der nächste Schritt sein. „Durch Fixierung des Körpers ist garantiert, dass wirklich nur diese Muskulatur beansprucht wird“, erläutert Ackermann. Bei ihm werde Fitness nach sportmedizinischen Erkenntnissen vermittelt, betont der studierte Sportlehrer. „Damit die Kunden im Alltag fit sind. Nicht mehr und nicht weniger.“ Der 68-Jährige ist selbst das beste Beispiel, dass man im fortgeschrittenen Alter noch die Fitness durch regelmäßiges Training erhalten kann. „Wenn ich meine zehn Klimmzüge mache, staunen selbst jüngeren Kunden.“ Er selbst trainiert dafür, mit 70 Jahren als Sieger aus einem Wettbewerb zu gehen, bei dem er zehn Klimmzüge, zehn Kniebeugen mit Körpergewicht auf der Schulter und ebenso oft Bankdrücken mit Körpergewicht vorweisen muss. Ackermann ist sich sicher, dass er Ältere eher motivieren kann. „Durch mein Alter begegne ich ihnen auf Augenhöhe.“ Auch die familiäre Atmosphäre ist ihm wichtig. „Ältere Menschen brauchen keine Muckibude und auch keinen Single-Treff.“ Ulf Herden (66) bestätigt: „Hier sind viele 50 aufwärts, da fühlt man sich wohl.“ Brigitte Dierich (80) ist es wichtig, lange gesund zu bleiben. Dazu gehört auch, sich mit anderen auszutauschen. „Mir hat das Training unheimlich weitergeholfen“, sagt Friedel Splitthoff. Im Juni wird Splitthoff 79. Bis dahin und sicher auch lange danach wird weiter regelmäßig trainiert.

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