Rehe auf dem Feld: Der Nachwuchs ist bei der Mahd gefährdet. - © Aurel Eichberg
Rehe auf dem Feld: Der Nachwuchs ist bei der Mahd gefährdet. | © Aurel Eichberg

Schloß Holte-Stukenbrock Wie Landwirte Tierkinder während der Mahd schützen wollen

Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock. Das Gras für die Silage ist größtenteils gemäht, jetzt steht die Heumahd an. Für Wildtiere ist diese Zeit gefährlich, denn viele bringen in diesen Wochen ihren Nachwuchs zur Welt. Landwirte und Jäger arbeiten zusammen, um die Jungtiere zu schützen. Das hohe Gras bietet einerseits den Tieren Schutz vor Fressfeinden, andererseits sind sie somit auch für Landwirte und Erntehelfer nur schwer erkennbar. Der Deutsche Jagdverband empfiehlt, dass die Landwirte mindestens 24 Stunden vor der Mahd die Jäger informieren, damit die die Wildtiere verscheuchen und so in Sicherheit bringen können. Das geschieht auch, sagt der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsverbandes, Jörg Dreischalück. Ein bis zwei Tage vor der Mahd nimmt er Kontakt zu dem jeweiligen Jäger auf. Plastiktüte hängt am Pfahl Nicht immer haben die Jäger Zeit, manche Jagdpächter wohnen auch nicht vor Ort. Dann geht Jörg Dreischalück auch selbst eine Wiese ab. Wenn er Jungtiere entdeckt, markiert er die Stelle mit einem Pfahl und einer Plastiktüte. Die Tüte ist gleichsam optisches und akustisches Signal und soll das Muttertier dazu bewegen, den Platz zusammen mit dem Jungtier zu verlassen. Einsatz von Drohnen in der Testphase Inseln in der Wiese am nächsten Tag stehenzulassen, empfiehlt Jäger Josef Broeker nicht. Er ist im hiesigen Hegering Obmann für Naturschutz. Fressfeinde würden bei derartigen Inseln erst recht auf die Beute aufmerksam. Er bestätigt aber, dass die raschelnden Plastiktüten einen Effekt haben. Allerdings dürfen die Tüten nicht zwei oder drei Tage vorher aufgestellt werden. Dann würde sich das Wild an die neue Situation gewöhnen. Unmittelbar vor der Mahd suchen Jäger mit ihren Hunden die Wiesen ab. Bei größeren Grünflächen sollte man die Suche besonders auf die Randbereiche konzentrieren, denn ein Großteil des Wildes bevorzugt diese Orte, teilt der Deutsche Jagdverband mit. Der Einsatz von Drohnen und Wärmebildkameras wird derzeit vereinzelt im Kreis Gütersloh getestet. Allerdings sind diese Geräte teuer, und die Landwirte oder Jäger müssen in den Stunden nach Sonnenaufgang auf die Wiese. Hat sich die Wiese aufgeheizt, kann das das Ergebnis verfälschen. Wildwarngeräte bringen Hasen zum Laufen Gute Erfahrungen haben Landwirte und Jäger mit Wildwarngeräten gemacht. Die werden am Mähwerk befestigt und senden ein akustisches Warnsignal. „Ein greller, widerlicher Piepton“, sagt Jörg Dreischalück. Hasen rennen weg, Rehkitze ducken sich mitunter instinktiv noch kleiner zusammen. Dennoch hat Jörg Dreischalück nach eigenen Angaben noch kein einziges Tier erwischt. „Eine absolute Sicherheit gibt es aber nicht“, ergänzt Josef Broeker. Trotz Plastiktüte, Jagdhund und Wildwarngerät. Deshalb wenden Landwirte häufig eine andere Mähtechnik an. Von innen nach außen. Das ist im Landesnaturschutzgesetzt sogar für Flächen ab ein Hektar Größe vorgeschrieben. Tiere haben so die Möglichkeit, zu fliehen. Die Landwirtschaftskammer empfiehlt zudem, nicht nachts zu mähen und die Fahrgeschwindigkeit zu reduzieren. Der Landwirtschaftliche Ortsverband ist die Interessenvertretung der hiesigen Landwirte. Ihm gehören etwa 100 Mitglieder an. Im Frühjahr haben sich die beiden Ortsverbände Schloß Holte und Stukenbrock zum Ortsverband Schloß Holte-Stukenbrock zusammengeschlossen und einen neuen Vorstand gewählt. Vorsitzender ist Jörg Dreischalück, seine Vertreter sind Florian Aschof und Jan Kipshagen. Robert Witte ist Kassenwart und Tobias Rieksneuwöhner Schriftführer.

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