Exzellent: Mayquel Gonzáles gehört zu den gefragtesten Trompetern dieser Zeit. - © Karin Prignitz
Exzellent: Mayquel Gonzáles gehört zu den gefragtesten Trompetern dieser Zeit. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Mitreißende musikalische Reise

Konzert: Weltweit gefragter Trompeter begeistert im Kulturforum mit vier Freunden mit Klassik, Tango und Jazz

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Freitag Düsseldorf, Samstag Werther, Sonntag Schloß Holte-Stukenbrock, Dienstag Havanna, Donnerstag Washington. Mayquel González gehört zu den gefragtesten Trompetern dieser Zeit. Dass bereits zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres auch die Besucher in SHS in den Genuss seines virtuosen Spiel gekommen sind, ist Osvaldo Hernández zu verdanken. Der in SHS lebende gebürtige Kubaner ist seit langem mit González befreundet, beide haben zusammen in Havanna studiert. Mit drei weiteren professionellen Musikern luden die beiden Lateinamerikaner zu „Klassik, Tango & Jazz“ in das Kulturforum am Altenkamp ein. Die Räume hatte erneut der Kulturkreis Schloß Holte-Stukenbrock zur Verfügung gestellt, und der Vorsitzende Friedrich Dransfeld konnte sich noch gut erinnern, dass beim ersten Konzert die Stühle kaum ausreichten. „Diesmal waren wir vorbereitet.“ Das war auch gut so, denn wieder füllte sich der Konzertort in kürzester Zeit mit rund 120 Zuhörern. Unter ihnen war auch Froli-Chefin Margret Fromme. Die Musiker gehören zu ihrem Freundeskreis und so war die Idee entstanden, dass das Konzert von ihren Bilder begleitet wird. Am 6. Mai war die Ausstellung mit 36 Arbeiten eröffnet worden und ebenfalls auf großes Interesse gestoßen. Sie ist noch bis Ende Mai zu sehen. Während die Augen der Besucher bei der Kunst verweilten und zusätzliche Stühle herbeigeschafft wurden, bereiteten sich die Musiker auf ihre musikalische Reise in verschiedene Länder vor. „Wahnsinn“, sagt ein Besucher nach einem der Trompeten-Soli von Mayquel González Mit dem abwechslungsreichen Programm lenkten die Musiker den Fokus nicht zuletzt auf ihre eigene kulturelle Vielfalt. Für ihr Publikum hatten Osvaldo Hernández (Gitarre), der Mann mit Hut, Mayquel González, der gebürtige Argentinier Juan Bautista Sáenz aus SHS (Klavier), Gitarrist Daniel Le-Van-Vo aus Gütersloh (aufgewachsen in Frankreich) sowie Percussionist Marcus Maria Köster aus Bielefeld einen unterhaltenden Mix aus unterschiedlichen Stilrichtungen zusammengestellt, den sie tags zuvor bereits in Werther präsentiert hatten. Das „Concierto de Aranjuéz“ ist nicht nur das mit Abstand populärste Werk des Komponisten Joaquín Rodrigo, es ist zugleich eines der bekanntesten klassischen Musikstücke des 20. Jahrhunderts. Osvaldo Hernández und Juan Bautista Sáenz eröffneten das Konzert mit dem ersten Satz, einem lebhaften Fandango, der von mitreißenden Betonungswechseln bestimmt war. Im klanglichen Gegensatz dazu wählten die Musiker im Laufe des Abends immer wieder den langsamen, leidenschaftlichen Tango. Unter anderem „La Muerte del Angel („Der Tod des Engels“), ein Stück von Astor Piazolla mit seinem schwärmerischen Gesang, der in eine massive Klangballung mündet. Kubanische Lebendigkeit traf etwa mit den „Tres Lindas Cubanas“ brasilianische Lebensfreude beim „Samba Triste-Bossa“, aber auch Klassisches und Jazzklassiker hatte das Ensemble bei seinem zweiten Kuba-Latino-Treffen mitgebracht. Die Rhythmen übertrugen sich unverzüglich auf den großen Kreis der Zuhörer und sorgten dafür, dass deren Füße gar nicht anders konnten, als im Takt mitzugehen. Hüften wurden, sofern das im Sitzen möglich war, andeutungsweise geschwungen, Hände trommelten mit, und sowieso wurde der mitreißende musikalische Ausflug auf hohem Niveau von Gute-Laune-Gesichtern begleitet. Was so leicht klingt, erfordert ein hohes Maß an motorischen und intellektuellen Fähigkeiten. „Wahnsinn“, sagt ein Besucher nach einem der Trompeten-Soli von Mayquel González. Erst kürzlich ist er beim Jazz-Festival in Frankreich aufgetreten. Und wenn er in Europa ist, dann besucht er seinen guten Freund Osvaldo Hernández in Schloß Holte-Stukenbrock. Dessen Frau Tanja hatte die Musiker im Kulturforum vorgestellt. Wie nicht anders zu erwarten, wurde am Ende vom völlig begeisterten Auditorium mehr als eine Zugabe gefordert.

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