Grüßt beim Liegen: Walter Scholl kommt nach der 70-Kilometer-Tour beim Campingplatz am Furlbach an. Er und die anderen Trike-Fahrer haben unter anderem das Steinhorster Becken angesteuert. - © Kristoffer Fillies
Grüßt beim Liegen: Walter Scholl kommt nach der 70-Kilometer-Tour beim Campingplatz am Furlbach an. Er und die anderen Trike-Fahrer haben unter anderem das Steinhorster Becken angesteuert. | © Kristoffer Fillies

Schloß Holte-Stukenbrock Mit dem Liegerad durch die Region

Dreiräder: 70 Trike-Fahrer erkunden auf drei Touren die Gegend und campen am Furlbach. Die kleinen Flitzer werden beliebter, sagt der Organisator

Kristoffer Fillies

Schloß Holte-Stukenbrock. Nach fast 70 Kilometern Fahrt auf dem Fahrrad werden ungeübte Radler von Schmerzen in Beinen, Armen und Rücken berichten. Die Gruppe der Liegeradfahrer des Velomobil-Forums haben da keine Probleme. Auf ihren Dreirädern sind sie an drei Tagen durch die Regionen Schloß Holte-Stukenbrock, Verl, Rietberg und Delbrück gedüst und haben dabei gut 200 Kilometer hinter sich gelassen. Das jährliche Treffen der Trike-Freunde fand erstmals auf dem Campingplatz am Furlbach statt. „Ein bisschen Erschöpfung in den Beinen spüre ich schon mal", sagt Carsten Ziem aus Wanne-Eickel, der am Christi-Himmelfahrt-Wochenende erstmals in Schloß Holte-Stukenbrock war. Mit seinem blauen Carbon-Quest-Velomobil fuhr er die drei Touren an drei Tagen mit. Ein Velomobil ist ein Liegerad (auch Trike genannt), das mit einer geschlossenen Verkleidung ausgestattet ist. Dadurch ist der Fahrer vor Fahrtwind und Regen geschützt. Regen war an den Tour-Tagen aber kein Problem, die Sonne zeigte sich von ihrer guten Seite. Wegen eines Herzinfarkts auf Trike umgestiegen „Seit neun Jahren fahre ich im Liegen. Auch zur Arbeit", sagt Ziem. Er arbeitet bei Tri-Mobil, einem Fahrradspezialisten, der Liegeräder herstellt. „Bis zu 40 km/h kann ich mit meinem Velomobil fahren. Und weil ich dabei liege, fühlt es sich an, als läge ich entspannt auf einem Sofa." 70 Liegeradfahrer kamen zum 12. Trike-Treffen, der erstmals in Stukenbrock Senne stattfand. Organisiert hat es Friedhelm Hornbeck, der Mitglied des Velomobil-Forums ist. „Noch heute drehen sich die Leute auf der Straße um, wenn sie ein Liegerad sehen, aber es werden immer mehr Leute, die selbst so ein Dreirad fahren", sagt er. Die Mitgliederzahl des Forums sei in den vergangenen sechs Jahren weiter gestiegen. Derzeit sind mehr als 4.300 angemeldet. Die drei Touren an Christi Himmelfahrt, Freitag und Samstag gingen zum Beispiel zum Steinhorster Becken und zum Lippesee, den die Fahrer umrundeten. Auch aus Österreich sei ein Liegerradfahrer zum Treffen gekommen, sagt Organisator Hornbeck. Er selbst fährt seit sieben Jahren Liegerad. „Ich bin viel Fahrrad gefahren damals. Das ging dann nach einem Herzinfarkt nicht mehr gut. So bin ich auf das Dreirad umgestiegen." Das bereite ihm keinerlei Probleme. Mit seiner Ehefrau hat er einen Zweisitzer, eine Art Tandem. Sie sitzt hinten, vorne sitzt und steuert Friedhelm Hornbeck. „Das ist schon ein teures Hobby", sagt Hornbeck. Der Zweisitzer, den er „Mercedes unter den Trikes" nennt, habe 11.000 Euro gekostet. „Allein für das Grundgerüst zahlt man bei normalen Trikes ab 3.500 Euro." Nicht mit Geld aufzuwiegen sind Selbstbauten, von denen es einige bei den Trikefahrern gibt. Stefan Hildebrecht aus Brakel hat sich für sein gekauftes Liegerad einen kleinen Wohnwagen gebaut, in dem er während der Nächte in Stukenbrock-Senne campierte. „Mein Liegerad habe ich seit zwei Jahren. Und den Fahrradwohnwagen habe ich von Oktober bis Dezember 2017 gebaut und ziehe ihn zu solchen Treffen hinter mir her." Die Schlafstätte ist aus einem Kunststoffmaterial, das vor Regen schützt, aber leicht zu bearbeiten ist. Damit sie der Anforderung der Straßenverkehrsordnung entspricht, hat Hildebrecht Reflektoren und Beleuchtung angebracht. „Von allen Fortbewegungsmitteln fahre ich heute am liebsten Trike. Selbst mein Auto habe ich seitdem nicht mehr so lieb."

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