Platzmangel: Die Pollhansschule braucht mehr Raum für die Ganztagsbetreuung und die Inklusion. Der geplante Anbau an den Gebäudeteil links verzögert sich aber. Der Architekt hat überraschend den Auftrag zurückgegeben. Der bunte Zaun begrenzt den Schulhof, der auch zum Ballspielen genutzt wird. - © Sigurd Gringel
Platzmangel: Die Pollhansschule braucht mehr Raum für die Ganztagsbetreuung und die Inklusion. Der geplante Anbau an den Gebäudeteil links verzögert sich aber. Der Architekt hat überraschend den Auftrag zurückgegeben. Der bunte Zaun begrenzt den Schulhof, der auch zum Ballspielen genutzt wird. | © Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock Eltern ziehen das Gymnasium vor

Entwicklungen an den Schulen:Anmeldungen an der Gesamtschule reichen (noch) nicht für die Fünfzügigkeit. Ausbau der Pollhansschule verzögert sich. Grauthoffschule nimmt an Pilotprojekt teil.

Sabine Kubendorff

Schloß Holte-Stukenbrock. „Schule war spannend, ist spannend und bleibt spannend.“ Ein Fazit des Vorsitzenden des Bildungsausschusses, Klaus Dirks (CDU). Er und seine Ausschusskollegen hörten am Montagabend Verblüffendes. GESAMTSCHULE UND GYMNASIUM Die vorläufigen Anmeldezahlen liegen vor. Danach wird die Gesamtschule zum neuen Schuljahr wohl mit vier Parallelklassen antreten, obwohl die Stadt gerade mühsam die dauerhafte Fünfzügigkeit der Schule bei der Bezirksregierung durchgesetzt hat. Das vierzügige Gymnasium hingegen könnte im Sommer mit fünf großen Klassen antreten. In Zahlen: Gesamtschule 113, Gymnasium 138 Anmeldungen. Zu- und Absagen verschicken die beiden Schulen nicht vor dem 16. März. Die Zeit bis dahin will Beigeordneter Bernhard Gebauer nutzen, um der Bezirksregierung ein Signal zu entlocken, ob sie dem Gymnasium für diesen Jahrgang eine Überhangklasse genehmigen würde. Dann könnten alle 138 angemeldeten Kinder ab Sommer das Gymnasium besuchen. Wenn die Zusatzklasse nicht zugestanden wird, muss die Schule das Los entscheiden lassen – ausgenommen sind Geschwisterkinder. Dass Eltern für ihre Kinder das Gymnasium der Gesamtschule vorziehen, ist nach Schilderung des Beigeordneten Gebauer kein Einzelfall in SHS, sondern Trend. Wahrscheinlich wegen der bevorstehenden Rückkehr zu G9, also dem Abitur nach neun Jahren auf dem Gymnasium. Auch wenn die Umstellung offiziell erst zum Schuljahr 2019/20 wirksam wird, sind die jetzigen Viertklässler davon betroffen. Sie werden in der fünften Klasse nach dem G8-Curriculum unterrichtet, ab Klasse 6 werden die G9-Lehrpläne angewendet. Die erste Hochrechnung sorgte für Blässe im Gesicht und Schnappatmung An der Gesamtschule kann man ebenfalls Abitur nach neun Jahren machen. Das ist noch der Unterschied zum Gymnasium SHS mit aktuell G8. Die Rückkehr zum alten System muss zwar noch von der Schulkonferenz beschlossen werden. „Bisher ist mir nicht zu Ohren gekommen, dass sich eine Mehrheit der Eltern und Schüler weiterhin G8 wünscht“, hatte Direktor Michael Kößmeier beim Tag der offenen Tür im Januar gesagt. G9 wird unweigerlich zur Folge haben, dass die Schule ausgebaut wird, auch wenn sie damals für G9 konzipiert worden ist. „Die pädagogische Arbeit hat sich verändert“, sagt Beigeordneter Bernhard Gebauer. Man brauche heute zum Beispiel viel mehr Kurs- und Beratungsräume. Und die Gesamtschule? Der Status der Fünfzügigkeit wird ihr vorläufig nicht aberkannt, auch wenn sie zum neuen Schuljahr nur vierzügig antritt. Der Grüne Ludwig Rieke vermutet, dass es Rückläufer vom Gymnasium zur Gesamtschule geben wird, allerdings erst nach der Erprobungsstufe. Auch von den 33 Kindern, die an der Theodor-Heuss-Realschule (THS) in Sennestadt angemeldet worden sind, könnten noch einige zur Gesamtschule wechseln. Die THS kann nicht alle annehmen. POLLHANSSCHULE Der Ausbau der Grundschule, die mehr Platz für Inklusion und Ganztagsbetreuung braucht, verzögert sich weiter – der Architekt hat gekündigt. Carsten Scherhans hat der Stadtverwaltung geschrieben, dass sein Büro aufgrund eines personellen Engpasses das Projekt nicht weiter verfolgen könne. Die Stadt hat also drei Architekten um Bewerbungen gebeten. Heute soll entschieden sein, wer den Job übernimmt. „Wir hoffen, dass die Verzögerung nicht allzu groß sein wird“, sagte Beigeordneter Gebauer im Bildungsausschuss und verkündete Tröstliches: „Frau Heimbrodt“, also die Schulleiterin, „trägt’s mit Fassung.“ Das gelang einigen Ausschussmitgliedern nur eingeschränkt. Der designierte CDU-Fraktionssprecher Lars Pankoke beispielsweise brummte, er sei „nicht nur irritiert“. Die Stadt habe diesen Architekten nehmen müssen, weil er noch alte Rechte im Zusammenhang mit dem Bau der Pollhansschule gehabt habe. Und der hatte im Mai vergangenen Jahres einen Plan vorgelegt, dessen Umsetzung 3,6 Millionen Euro gekostet hätte. Was damals Lars Pankoke erblassen ließ und bei dem ein oder anderen Kollegen Schnappatmung ausgelöst hatte. Also wurde der Architekt aufgefordert, die Kosten zu reduzieren. Im Oktober stellte Scherhans vor, wie eine Million Euro weniger ausgegeben werden kann. Im neuen Jahr erreichte die Stadt eine Mail des Büros, dass sich das Projekt wieder um 300.000 bis 400.000 Euro verteuern wird. Weil die Statikberechnungen ergeben haben, dass der flache Anbau kein aufgesetztes Stockwerk tragen kann und sich die Stadtverwaltung entschlossen hat, die Außentoiletten der Schulen quasi in einem Aufwasch zu erneuern. Bernhard Gebauer rechnet damit, dass sich der Baubeginn – geplant für den Start der Sommerferien – mindestens um vier Wochen verzögern wird. GRAUTHOFFSCHULE Diese Überraschung kam Dienstagmittag aus der Pressestelle des Kreises Gütersloh: Die Grauthoffschule ist eine von fünf Pilotschulen im Kreis, die das Projekt „Elterntaxi“ testen. Der Start ist aber noch ungewiss. Das Projekt verfolge, so Pressesprecher Jan Focken, zwei Hauptzielrichtungen. Zum einen solle der vor allem morgens zu beobachtende Verkehrskollaps vor den Schulen entzerrt werden. „Dadurch, dass viele Eltern ihre Kinder direkt bis vor das Schultor bringen, leidet nicht nur die Verkehrssicherheit.“ Bei dem Projekt „Elterntaxi“ werden also in einer Entfernung von 250 bis 500 Metern von der Schule spezielle Hol- und Bringzonen ausgewiesen. „Das entzerrt die Verkehrssituation direkt vor der Schule.“ Zum anderen müssen dann die Kinder die letzten Meter zur Schule zu Fuß zurücklegen. Jan Focken: „Dadurch sollen sie auch ein bisschen selbstständiger werden, lernen sich im Umfeld ihrer Schule sicher im Straßenverkehr zu bewegen und gleichzeitig aktiv zu sein vor dem Unterrichtsstart.“ ELBRACHTSCHULE Die Sender Grundschule bekommt jetzt auch eine Ganztagsgruppe. Der Bedarf sei da, hat Tanja Edzards als Leiterin des Grauthoff-Elbracht-Schulverbundes der Stadt geschrieben. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) wolle die Trägerschaft übernehmen und das Personal stellen, Räume seien vorhanden. Zwingend erforderlich sei indes ein wirksamer Schallschutz im Flur. Die Stadtverwaltung schätzt die Kosten dafür auf etwa 8.000 Euro. Hinzu kommen Ausgaben für Tische und Stühle (5.000 Euro), Wärmebehälter (2.000 Euro) und pädagogisches Material (1.000 Euro). Geschirr und Besteck gibt’s auch – aus dem ehemaligen „Buschkrug“.

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