Virtual Reality: Mittels der 3D-Brille können Kunden und Mitarbeiter durch dreidimensionale Darstellungen neue Eindrücke gewinnen. - © Robert Becker
Virtual Reality: Mittels der 3D-Brille können Kunden und Mitarbeiter durch dreidimensionale Darstellungen neue Eindrücke gewinnen. | © Robert Becker

Kreis Gütersloh/Harsewinkel Das Greenhouse ist die neue Kreativzentrale von Claas

Dort gedeihen die Gedanken

Robert Becker

Kreis Gütersloh/Harsewinkel. Vor sechs Tagen eröffnete Claas in Harsewinkel das "Greenhouse". Gegenüber der Konzernzentrale wurde ein früheres Autohaus zu einem offenen Raum umgebaut, in dem Ideen entwickelt und Kreativität gefördert werden sollen. "Wir wollen hier Prototypen entwickeln, Workshops veranstalten und Leute aus verschiedenen Abteilungen zusammenbringen", sagt Thomas Böck, Mitglied der Claas-Konzernleitung für Technologie und Systeme. Das Greenhouse Aufgrund der Glasfassaden wirkt das Gebäude offen. Verzichtet wurde auf jegliche Corporate Identity. Hinter der großen Kaffee- und Getränketheke sind witzige Graffitis auf die Wände gesprüht. Die Möbel sind teils selbst gezimmert, Blickfang ist eine Holztribüne mit Sitzkissen. Verschiedene Zonen wurden eingerichtet, so dass Gruppen gleichzeitig verschiedene Themen erörtern können. Als am besten gebuchter Raum habe sich ein früheres Glasbüro entwickelt mit einem gemütlichen Sofa in der Mitte, das mit Pflanzen umstellt ist und aussieht wie ein Gewächshaus. "Durch die Offenheit entsteht der Austausch", sagt Philip Vospeter, Leiter des Bereichs Digitale Transformation bei Claas. Die Offenheit nimmt er wörtlich: "Jeder darf hier reinschauen." Die Idee dahinter Der Name "Greenhouse" sei zu verstehen als "Aussaat und Keimzelle von neuen Ideen", erklärt Philip Vospeter. Auch andere Firmen haben ihr Kreativbüro so genannt, etwa Deloitte in Berlin. Dahinter steckt der Gedanke, sich vom normalen Arbeitsplatz zu lösen, um im Austausch mit Kollegen anderer Abteilungen die Gedanken sprießen zu lassen und Neues zu entwickeln. Auch Kunden und Unternehmen aus OWL nutzen und buchen das Greenhouse. Bei der Herausforderung der digitalen Transformation arbeiteten die großen OWL-Firmen zusammen. "Gestern war Miele hier", sagte Vospeter bei der Eröffnung. Mitarbeiter-Recruiting Monatelang fuhren die Claas-Mitarbeiter an dem leeren Gebäude des ehemaligen Autohauses vorbei. Die Idee war schon vorher da. Als vor gut einem Jahr der Mietvertrag auslief, wurde es konkret. "Wenn wir nicht hier eingezogen wären, hätten wir es woanders realisiert", sagt Vospeter heute. Dass Harsewinkel damit jetzt die Keimzelle neuer Ideen geworden ist, findet Vospeter gut - vor allem für den Standort. "Es muss nicht immer Berlin sein." Für das künftige Mitarbeiter-Recruiting spiele Kreativitätsförderung eine wichtige Rolle. Vospeter: "Die jungen Ingenieure wollen genau das. Ein tolles Umfeld und Spaß an der Arbeit haben." Neben der Vernetzung der Abteilungen und Partnerfirmen sei der Kontakt zu Schulen und Hochschulen wichtig. Fertigungslabor integriert Neben den offenen Gesprächszonen sind verschiedene Bereiche in dem Gebäude eingerichtet. Data Science, Virtual Reality (Animation mit 3D-Brillen), Claas Connect (Endkundenportal), Work-On (Gerätevermietung über Händler), Additive Produktion. Im Nebenraum arbeiten vier 3-D-Drucker an neuen Modellen. In der früheren Werkstatt, dem Fertigungslabor, sind fünfachsige Fräsroboter tätig. Gemeinsame Lösungen Die Entwicklung neuer Ideen habe sich geändert, sagt Philip Vospeter. "Der Trend geht zur kundenzentrierten Entwicklung", sagt er. Den Kunden ernst nehmen und zusammen Lösungen finden, werde immer wichtiger. 80 Prozent der Kunden fänden es gut, gemeinsam ein Produkt zu entwickeln. Heute würden von einer Vielzahl an Ideen vielleicht drei Viertel schon nach kurzer Zeit eingestellt. So vermeide man hohe Kosten. Philip Vospeter sagt: "Es gibt nicht mehr die eine Idee." Digitale Transformation Vospeter versteht darunter, Entwicklungs- und Fertigungsprozesse zu verbessern und neue Geschäftsmodelle durch den Einsatz neuer Technologien zu etablieren. Jeder im Unternehmen habe damit zu tun, sagt er. Durch neuere Software, bessere Vernetzung, Digitalisierung der administrativen Bereiche (Finanzen, Controlling) werde früher oder später jeder Mitarbeiter durch die Digitale Transformation beeinflusst.

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