Radikal: Stefan Blümig, der gerade einen Fichtenstamm in den Häcksler steckt, und Christof Scheips haben die Bäume an der St.-Ursula-Kirche beschnitten. - © Sigurd Gringel
Radikal: Stefan Blümig, der gerade einen Fichtenstamm in den Häcksler steckt, und Christof Scheips haben die Bäume an der St.-Ursula-Kirche beschnitten. | © Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock Mensch und Natur werden aktiv

Frühlingserwachen: Der Temperaturumschwung hat Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen. Der Lebensrhythmus der Vögel hängt von einem anderen Faktor ab

Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock. Innerhalb weniger Tage von minus 10 auf plus 10 Grad Celsius. So einen Temperaturumschwung macht manchen Menschen zu schaffen. Tiere und Pflanzen scheinen nach den bitterkalten Tagen in Frühlingsstimmung zu kommen – obwohl für Vögel die Temperatur unerheblich ist. KRÖTENWANDERUNG Am ersten Märzwochenende im vergangenen Jahr hatten Mitarbeiter der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne bereits alles für die bevorstehende Krötenwanderung vorbereitet: Krötenzäune aufgestellt und Fangeimer eingegraben. Davon ist jetzt noch nichts zu sehen, denn die Amphibien benötigen eine Kombination aus Temperatur und Feuchte, damit sie sich aus ihrem Winterversteck trauen. PFLANZEN Auch bei den Pflanzen in den Wäldern der Senne hat sich noch nicht viel getan, sagt der Leiter der Biologischen Station Peter Rüther. Das könne sich jetzt aber schnell ändern. Pflanzen benötigen eine Wärmesumme, um Knospen sprießen zu lassen, mathematisch vorhersagbar sei so ein Zeitpunkt nicht. In den Gärten sind allerdings schon die ersten Frühblüher zu sehen. Schneeglöckchen und Winterlinge leuchten bereits weiß und gelb, nun folgen mancherorts die Krokusse. Den Winter bezeichnet Peter Rüther trotz des kurzen, aber heftigen Kälteeinbruchs als recht warm. VÖGEL Die Zugvögel kommen jetzt aus ihren Winterquartieren zurück, einige sind schon da. Kraniche seien derzeit auf ihrem Zug nach Norden zu beobachten, sagt Ornithologe Dirk Grote. Stare, Bachstelzen und Feldlerchen sind bereits angekommen. Ein Kälteeinbruch zu dieser Zeit sei nicht nur normal, sondern für Zugvögel unproblematisch. „Sie legen während der Zugphase einfach einen Zwischenstopp ein." Mehrere Vögel einer Art sind jetzt nur noch selten an den Futterstationen in den Gärten zu beobachten. Grotes Erklärung: Im Winter bilden sich die Geschlechtsorgane der Vögel zurück, das spart Gewicht, wenn jedes Gramm zählt, verändert aber auch den Hormonhaushalt und damit das Aggressionsverhalten gegen Artgenossen. Jetzt stecken die Vögel ihre Reviere ab und lassen keine Futter- und Brautkonkurrenten zu. Das gilt in unserer Region derzeit für die Heckenbraunelle, Misteldrossel, Amsel, Kohlmeise und den Zaunkönig. Bei Vögeln aktiviert nicht die Temperatur den Fortpflanzungstrieb, sondern die Tageslichtlänge. Je näher die Tag-und-Nacht-Gleiche – der astronomischer Frühlingsbeginn am 20. März – heranrückt, beginnen mehr und mehr Vögel mit der Balz. BAUMSCHNITT Einige suchen schon Nistmaterial und bereiten Nester vor. Daher sind Fäll- und Rückschneidearbeiten von Bäumen und Sträuchern von März bis September verboten. Es gibt aber Ausnahmen und Spielräume der Auslegung des Gesetztes. Pflegemaßnahmen sind erlaubt, so dass Gartenbesitzer von dem Verbot in der Regel nicht betroffen sind. Das rigorose Roden von Sträuchern (auf den Stock setzen) bleibt aber auch für Gartenbesitzer von März bis September verboten. Zu den Ausnahmen gehört auch der Baumschnitt an der St.-Ursula-Kirche, den am Montag ein Gartenbaubetrieb vorgenommen hat. Sechs Linden wurden gestutzt. „Wenn man einmal damit anfängt, muss man das alle fünf bis sechs Jahre machen", sagt Mitarbeiter Christof Scheips. Es sei eine Pflegemaßnahme, um zu starken Austrieb zu verhindern. Zudem sägten die Arbeiter eine Fichte klein, die direkt an der Kirchenwand am Eingang wuchs. Das ist eine Vorbereitung auf anstehende Bauarbeiten. Die Außenfassade der St.-Ursula-Kirche soll erneuert werden. MENSCHEN Ändert sich das Wetter so schnell wie jetzt, können manche Menschen unter Schlafstörungen leiden oder sich erschöpft fühlen. Manche haben Kopfschmerzen, fühlen sich schnell gereizt oder bekommen Kreislaufprobleme. Ärzte empfehlen Wetterfühligen einen täglichen Spaziergang an der frischen Luft.

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