Ausblick: Bs auf einen schmalen Streifen wurden die Bäume an der Realschule bereits gefällt. Und zwar für die Mensa, die dort für die Gesamtschule, die das Realschulgebäude übernimmt, gebaut wird. Künftig schaut man von der Mensa auf Gymnasium und Rathaus. - © Gunter Held
Ausblick: Bs auf einen schmalen Streifen wurden die Bäume an der Realschule bereits gefällt. Und zwar für die Mensa, die dort für die Gesamtschule, die das Realschulgebäude übernimmt, gebaut wird. Künftig schaut man von der Mensa auf Gymnasium und Rathaus. | © Gunter Held

Schloß Holte-Stukenbrock Die Realschule im Wandel der Politik

Gedächtnis der Stadt (51): Warum die Gründung ein Zeichen der Emanzipation war. Und warum trotz der Schließung der Schule das Gebäude erweitert wird

Sabine Kubendorff

Warum die Gründung ein Zeichen der Emanzipation war. Und warum trotz der Schließung der Schule das Gebäude erweitert wird. Schloß Holte-Stukenbrock. Im nächsten Jahr wird der letzte Schülerjahrgang der dann 42-jährigen Geschichte der Realschule verabschiedet. Sie wird zugunsten der Gesamtschule geschlossen, der die Politik einen höheren Beliebtheitsgrad unterstellt(e). Die Gesamtschule übernimmt inzwischen nach und nach die Räume der Realschule. Der Kern des Gebäudes stammt aus dem Jahr 1978. 17. FEBRUAR 1978 Die Presse jubelt: „Richtkranz über dem liebsten Projekt, dem Realschulneubau – Das Bedürfnis für die Sporthalle ist bereits von der Bezirksregierung Detmold anerkannt“ Zwei Hauptschulen hatte Schloß Holte-Stukenbrock zu diesem Zeitpunkt. Aber Kinder, die die Mittlere Reife oder Abitur machen wollten, mussten bis dahin Schulen in Nachbargemeinden besuchen. So war die Euphorie Mitte der 70er Jahre groß, als die noch junge Gemeinde SHS endlich eine Realschule bekam. Das Gymnasium konnte nach langen Kämpfen mit Gesamtschulbefürwortern und der Bezirksregierung erst im Jahr 2000 an den Start gehen. Die Gesamtschule gibt es in der Stadt seit 2014. Ihretwegen läuft auch die Lisa-Tetzner-Hauptschule im Jahr 2019 aus, die der Standort für die jüngeren Schüler der Gesamtschule ist. In die Umbau- und Erweiterungsarbeiten sind bereits Millionen geflossen. Die Anfänge der Realschule waren deutlich bescheidener. Der Schulbetrieb hatte 1976 im Kellergeschoss der Grauthoffschule mit drei fünften Klassen begonnen. Friedhelm Ude gehörte damals zu dem siebenköpfigen Kollegium mit Ingrid Domeier an der Spitze. Es sollte für die nächsten 37 Jahre seine Realschule bleiben, über die er heute sagt: „Wer’s da nicht packt, packt es nirgendwo.“ „Wir waren eine eingeschworene Truppe“ Offiziell gegründet wurde die Realschule am 22. August 1977. In seiner Festrede äußerte Regierungsschuldirektor Rüther die Hoffnung, dass die Realschule zum Zusammenwachsen von Schloß Holte und Stukenbrock beitragen möge. Tatsächlich wurde das neue Schulgebäude beinahe genau auf der Grenze zwischen beiden Ortsteilen errichtet und wurde im Sommer 1978 in Besitz genommen. Zehn Klassenräume konnten sofort bezogen werden, die Fachräume wurden erst ein Vierteljahr später fertig. „Der Konrektor musste Kniebeugen machen, um den auf dem Boden stehenden Stundenplan zu überblicken“, so steht es in der Chronik der Realschule. „Die Sekretärin ging mit der großen Kuhschelle durch die Flure, telefonieren konnte man nur von der Baubude aus.“ Friedhelm Ude spricht begeistert von den Pionierjahren. Man habe sich zwar zum Beispiel bei der Ausstattung um alles kümmern müssen, hatte aber eben auch das Mitspracherecht gehabt. Und da machte es auch nichts, dass dabei viel Freizeit draufging. Die Kollegen verstanden sich prächtig. „Wir waren eine eingeschworene Truppe.“ Die Schule wuchs und wuchs, hatte 1981 fast 700 Schüler, in jedem Jahrgang vier Parallelklassen und zu wenig Klassenzimmer. Eine Klasse wurde im Versammlungsraum des Hallenbades untergebracht, später eine weitere Klasse im Schulungsraum der Dreifachturnhalle, die im Mai 1982 eingeweiht worden war. 1984 war die Aula fertig. Aber erst im Jahre 1985 konnte der Erweiterungsbau bezogen, konnten die Provisorien aufgegeben werden. Die (Aus-)Baugeschichte der Realschule geht aber wacker weiter. 1996 wurde eine neuerliche Erweiterung abgeschlossen. Im Sommer 2012 wurde der komplette Verwaltungstrakt umgebaut. Kosten: 160.000 Euro. Und demnächst übernimmt das alles die (bald komplett fünfzügige) Gesamtschule. Friedhelm Ude ist froh, dass er die Abwicklung der Realschule nicht mehr im aktiven Dienst miterleben muss. Für den Betrieb der Gesamtschule wird das Gebäude noch einmal für 8 Millionen Euro aus- und umgebaut. Vieles muss saniert werden. Es fehlen eine Mensa und ein Pausenhof, Überdachungen und verschiedene Räume, zum Beispiel für den Sanitätsdienst. Und es fehlen Klassenräume, unter anderem für die Oberstufe der Gesamtschule, an der man nach insgesamt 13 Schuljahren Abitur machen kann. Es wurde von den Kommunalpolitikern immer als großer Vorteil hervorgehoben, dass Schüler in SHS vor Ort zwischen G9 oder G8, also Abi nach zwölf Jahren, wählen können. Mit dieser Wahlmöglichkeit wird es wahrscheinlich bald vorbei sein. Es gibt deutliche Signale, dass das Gymnasium zurück zu G9 will.

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