Erotik-Expertin: Für Sabine Förster ist ihr Job im Sexshop nichts Außergewöhnliches. Auch ihre Bekannten reagieren allesamt positiv. Neugierige Fragen muss sie aber dennoch immer mal wieder beantworten. - © Andreas Frücht
Erotik-Expertin: Für Sabine Förster ist ihr Job im Sexshop nichts Außergewöhnliches. Auch ihre Bekannten reagieren allesamt positiv. Neugierige Fragen muss sie aber dennoch immer mal wieder beantworten. | © Andreas Frücht

Gütersloh Eine Sexshop-Betreiberin spricht über ihre Valentinstag-Bestseller

Interview: Die Verlerin Sabine Förster spricht über ihre Verkaufsschlager, was ihre Familie über ihren Job denkt, und warum sich Menschen immer noch genieren, in ihren Laden zu gehen

Benedikt Schülter

Frau Förster, Sie sind ausgebildete Friseurin, haben als Bankkauffrau gearbeitet und eine Tankstelle an der Verler Straße betrieben. Jetzt führen sie einen Sexshop. Wie kam es dazu? Sabine Förster (lacht): Ich wollte unbedingt weiterhin selbstständig bleiben. Als die Firma Orion eine Filialleiterin für das Geschäft in Gütersloh gesucht hat, habe ich nicht lange überlegt. Es war eine sehr gute Entscheidung. Ich empfinde das Arbeiten hier angenehmer als an der Tankstelle. Mein Job ist wie Schuhe verkaufen. Etwas völlig Normales. Wie hat ihr Umfeld reagiert? Förster: Ach, eigentlich durchweg positiv. Ich bekomme oft neugierige Fragen von Bekannten gestellt. Die fordern mich schon mal auf, etwa eine Gummipuppe mitzubringen oder wollen wissen, was denn so am meisten verkauft wird. Und was ist der Verkaufsschlager in ihrem Geschäft? Förster: Das sind unter anderem der Vibrator "Womanizer" und der Paarvibrator "Wevibe", den man mit einer App von überall her bedienen kann. Da kann man über das Handy beispielsweise die Stärke der Vibrationen verstellen. Aber natürlich kaufen die Leute hier in Gütersloh auch klassisch Kondome ein. Wir führen ja Größen, die man in den Drogerien oder Supermärkten nicht bekommen kann. Gummipuppen sind nicht mehr gefragt? Förster: Die meisten Gummipuppen verkaufen wir tatsächlich nur noch für den Zweck, dass sie als Scherzartikel bei runden Geburtstagen oder Junggesellenabschieden eingesetzt werden sollen. Haben manche Kunden, gerade in ländlichen Regionen, eine Hemmschwelle, in einen Erotikshop zu gehen? Förster: In den vergangenen Jahren hat sich einiges an der Einstellung der Menschen in Bezug auf die Sexualität geändert. Trotzdem erlebe ich es auch, dass sich einige genieren hier reinzukommen. Für die ist es eine echte Überwindung. Vor unserem Geschäft liegt eine große Straßenkreuzung. Das verschreckt einige. Da merke ich schon, dass immer noch bei manchen Menschen ein Schamgefühl vorherrscht. Warum sollte man denn überhaupt bei Ihnen einkaufen gehen. Schließlich lässt sich doch alles bequem und vor allem anonym im Internet bestellen? Förster: Wir sind ein Fachberatungsgeschäft. Gegenüber dem Internet haben wir einen großen und wie ich finde, entscheidenden Vorteil. Bei uns bekommen die Menschen eine fachliche Beratung. Hier können sie die Artikel in die Hand nehmen. Außerdem verkaufen wir ja auch medizinische Produkte an Kunden, die beispielsweise nach einer Operation Potenzprobleme haben und auf Pumpen und Ähnliches angewiesen sind. Es gibt aber auch Produkte für die Prostata, die nicht unbedingt etwas mit Sex zu tun haben. Da kommen die Leute lieber zu mir ins Geschäft, als dass sie in ein Sanitätshaus gehen. Wer kommt denn so zu Ihnen erotisch shoppen? Förster: Wirklich alle Altersklassen ab 18 Jahren. Mein ältester Kunde ist über 90 Jahre alt. Dabei sind es zu 70 Prozent Männer. 50 Prozent meiner Kunden sind Stammkunden. Es fällt auf, dass hier nur weibliche Angestellte arbeiten. Förster: Das stimmt. Ich glaube auch, dass Frauen besser erotische Waren verkaufen können als Männer. Wenn unsere Kundinnen beispielsweise hier mal schöne Dessous anprobieren wollen, fühlen sie sich deutlich wohler, wenn dieser Part von Frauen übernommen wird. Außerdem: Welcher Mann will mit einem anderen Mann über seine Potenzprobleme sprechen? Was hat Erotik eigentlich mit Liebe zu tun? Förster: Natürlich eine Menge. Sie ist ein wichtiger Bestandteil bei der Liebe zweier Menschen. Aber trotzdem hat Erotik nicht immer etwas mit Sex zu tun. Schöne Wäsche, ein Bad, einfach nur Kuscheln. Auch das hat mit Erotik zu tun. Wie läuft eigentlich das Geschäft im Vorfeld des Valentinstag? Förster: Das Geschäft am Valentinstag brummt. Da machen wir ungefähr den gleichen Umsatz wie in der Weihnachtszeit. Meistens verkaufen wir dann Massageöle, Massagekerzen oder kleine Vibratoren. Wohin geht eigentlich der Trend in Sachen Sexualität? Förster: Wir haben hier vermehrt Anfragen, die in Richtung Fesselspiele und ähnliches gehen. Seit dem Kinofilm "Fifty Shades of Grey" ist der Trend besonders deutlich. Wie erklären Sie eigentlich ihren beiden Kindern, welchen Beruf Sie ausüben? Förster: Naja, sie haben schon mal gefragt, warum sie mich nicht an meinem Arbeitsplatz besuchen können. Außerdem habe ich rein gar nichts, was auf meinen Job hindeuten könnte, zu Hause rumliegen. Einmal war ich mit meinen Kindern auf dem Finanzamt, und da hat mich die Finanzbeamtin gefragt, welchen Laden ich denn betreiben würde. Da hat meine Tochter geantwortet: Meine Mutter verkauft Spielzeug für Erwachsene.

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