Schloß Holte-Stukenbrock Farbenfrohe schunkeln am Straßenrand

Von der Bordsteinkante: Delegationen aus Belgien und dem australischen Dschungelcamp feiern Weiberfastnacht. Auch viele Lipper tanzen auf den Stukenbrocker Straßen

Tessa Rinkes

Schloß Holte-Stukenbrock. In der kunterbunten Menge am Straßenrand der Stukenbrocker Weiberfastnacht gehen drei unscheinbare Mönche mit ihren braunen Kutten fast unter. Sie müssen sich erst an das hiesige Treiben der Jecken gewöhnen, denn sie kommen aus Belgien. Genauer aus dem Örtchen Aalst zwischen Brüssel und Antwerpen. An Köln sind Frank, Erwin und Pillipp vorbei gefahren, um das erste Mal Weiberfastnacht in Stukenbrock zu erleben. Und sie sind begeistert. Wegen der Arbeit waren sie schon öfter in der Stadt. „Aber zu Karneval ist es viel besser", sagt Mönch Frank. Nur das Bier sei bei denen besser, „das weltbeste Bier ist das Trappistenbier der belgischen Mönche". Daher auch die Kostümauswahl. Am Samstag treten die Drei ihre Heimreise an, um pünktlich zum Karnevalsbeginn am Sonntag wieder in Belgien zu sein. Schließlich gehört Aalst zur Hochburg des belgischen Narrentreibens. In Köln wird das Kostüm gekauft – in Stukenbrock gefeiert Eine weitere Anreise hatten Marina, Sonja, Sylke und Kirsten. Sie kommen direkt aus dem australischen Dschungelcamp. „Das ist der nächstgelegene Karnevalszug", erklärt Sonja, da die vier Mädels ursprünglich aus Oerlinghausen kommen, wo nichts los sei. „Beim Bäcker wurde ich nur wegen dem Kostüm komisch angeguckt." Vor drei Jahren wurden die Mädels vom Karnevalsfieber infiziert, seitdem sind sie in Stukenbrock dabei. „Ich habe mal in Bonn gelebt und den Kölner Karneval miterlebt", sagt Kirsten, die daraufhin ihre Freundinnen mitgerissen hat. Bleibt nur noch die Frage, wer Dschungelkönig wird. „Wir suchen uns einen Mann in Uniform."Vielleicht wird ja ein Polizist Dschungelkönig. Sie tragen Uniform und schunkeln mit, ohne die feiernde Menge aus den Augen zu lassen. Auf die passende Gesichtsbemalung müssen die Beamten nicht lange warten. Schließlich gehören Weiberfastnacht Lippenstifte in jede Handtasche einer Frau. „Derzeit verläuft der Umzug sehr ruhig", erklärt Dorf-Sheriff Claus Mikus. Zu einem Zwischenfall kommt es dann doch. „Einem älteren Herren mussten wir Handschellen anlegen und auf die Bühne begleiten." Gemeint ist der ehemalige Kollege Peter Grüne. "Heute ist es super" „Can’t touch this" heißt das Motto bei den vier Hiddesenerinnen Melanie, Andrea, Marion und Andrea. Kakteen haben ja fiese Dornen. Da in Lippe nicht gefeiert wird, tanzen sie bereits das achte Mal in Stukenbrock. „Die Kostüme haben wir bei fröhlichen Mädelsabenden genäht", sagt Andrea. Allerdings seien die Utensilien hier nur schwer zu bekommen. Marion ergänzt lachend: „Um die gelben Netzhosen zu kaufen, sind wir nach Köln gefahren." Gefeiert wird aber in Stukenbrock.Zum Kamellesammeln sind auch viele da. Amelie (9) zum Beispiel. Mit einem Schirm fängt sie die Süßigkeiten. Ihre Ausbeute: vier gefüllte Tüten. „Heute ist es super", sagt sie.

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