Weiberfastnacht in Stukenbrock - © Andreas Zobe
Weiberfastnacht in Stukenbrock | © Andreas Zobe

Schloß Holte-Stukenbrock Weiber haben Stukenbrock im Griff

Weiberkarneval: 111 Gruppen präsentieren sich in tollen Kostümen. Auf der Bühne werden drei Männer verkleidet

Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock. Der Bürgermeister ist mal so richtig süß, Pfarrer-in-Ausbildung Christian Albert wird zum Wassergott befördert, und die Polizei führt den ehemaligen Dorf-Sheriff Peter Grüne in Handschellen auf die Bühne. Im Stukenbrocker Weiberkarneval sind solche Skurrilitäten möglich. Mehrere tausend Menschen feiern am Donnerstag bei Temperaturen um null Grad ausgelassen. Vier Musikkapellen begleiteten die Gruppen auf ihrem Umzug durch das Dorf. Zwischendurch gibt es eine zünftige Party in der Ortsmitte. Das Dreigestirn Gaby Hoffmann, Melanie Müller und Astrid Kobusch übernimmt den Rathausschlüssel und schneidet Bürgermeister Hubert Erichlandwehr obendrein die Krawatte ab. Aus Erfahrung hat das Stadtoberhaupt natürlich einen ausgedienten Schlips umgebunden, den er anschließend mit einem beherzten Wurf nach hinten entsorgt. Und fast wie ein Brautstrauß landet der ausgediente Schlips in den Händen einer Theatertante, für die das alte Ding zum begehrten Souvenir wird. Dann geht das Verkleiden der Herren los. Die frechen Früchtchen dürfen aus dem Bürgermeister eine Rocher-Praline machen. Die Wasserfrauen setzen das Motto „Unterwasserwelt" vortrefflich um und verleihen dem partyerprobten Vikar Christian Albert neue Macht als Wassergott. Vor der Bühne wird gemunkelt, dass der Anfang August ins Sauerland wechselnde Geistliche dieses Kostüm mitsamt der neuen Befugnis niemals ablegen wird. „Ich trag’s nur heute", versichert der. Fast wie bei der 
versteckten Kamera Und dann Peter Grüne. Beim pensionierten Polizisten macht es das Dreigestirn spannend, tut so, als sei der Ablauf nicht abgesprochen. Im Publikum bahnen sich die Bezirksbeamten Claus Mikus und Michael Schulmann den Weg. In der Mitte, in Handschellen, Peter Grüne. Er sollte schon immer mal oben auf der Bühne stehen, sagt das Dreigestirn, musste aber stets wegen des Dienstes absagen. Dem Jeck ist es recht, er ist für den Spaß zu haben. Überraschend kommt das Rampenlicht schon. Eingeweiht war nämlich nur seine Frau Sabine. Die spielte dem Gatten vor, dass sie unbedingt mit ihm die Bühnenshow sehen wolle. Fast wie bei der versteckten Kamera. Die Stimmung ist gut. Das „Stukenbrock Helau" scheint besonders laut und freudig zu schallen. Viele Jecken haben nach zwei verregneten Jahren einfach wieder Bock zu feiern, wie sie sagen. Die Frauen präsentieren ihre Kostüme, die sie oft in wochenlanger Arbeit selbst angefertigt haben. Feuerdrachen, Punks, Geishas, Dukatenesel, Glückspilze, Clowns und und und. 111 Gruppen beteiligen sich an dem Umzug. Chancen auf den Preis für das beste Kostüm haben viele. Die Zuschauer stehen an den Straßen, winken, machen Videos und Fotos. Viele haben Taschen für Popcorn und Kamelle mitgebracht, und manche nehmen mehrere Taschen voll mit nach Hause.

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