Alles auf Rot: Auf der Kreuzung Holter/Kaunitzer Straße dürfen, wenn ein Zug naht, nur die Autos fahren, wenn sie Richtung Stukenbrock wollen. So wird sichergestellt, dass der Bahnübergang frei wird. Alle anderen Fahrzeuge müssen in dieser Phase stehen bleiben. - © Sigurd Gringel
Alles auf Rot: Auf der Kreuzung Holter/Kaunitzer Straße dürfen, wenn ein Zug naht, nur die Autos fahren, wenn sie Richtung Stukenbrock wollen. So wird sichergestellt, dass der Bahnübergang frei wird. Alle anderen Fahrzeuge müssen in dieser Phase stehen bleiben. | © Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock Wartezeiten können halbiert werden

Stauchaos: Experte aus München weist der Bundesbahn in mühsamer Kleinarbeit nach, dass es sehr wohl möglich ist, ohne Sicherheitsrisiko die Sennebahn-Schranken länger offen zu lassen. Helfen kann auch ein Bypass

Sabine Kubendorff

Schloß Holte-Stukenbrock. Die Deutsche Bundesbahn ist als eher unbeweglicher Verhandlungspartner bekannt. Nein, die langen Schließzeiten der Bahnschranken lassen sich nicht verkürzen, hatte sie stur verlauten lassen, seit der Halbstundentakt der Sennebahn vor eineinhalb Jahren ein Stauchaos ausgelöst hat. Nun ist die Deutsche Bahn überführt worden. Von einem Verkehrsexperten aus München. Martin Vieregg sagt: Die Wartezeiten vor den Schranken können halbiert werden. Die Sennebahn wird von der Nordwestbahn betrieben, die Züge fahren aber auf Schienen der Deutschen Bahn. Also ist die auch für die technische Ausstattung der Strecke zuständig. Pläne, die für Vieregg und seine Mitarbeiter wichtig waren, rückte sie aber nicht heraus. Die musste sich das Münchener Büro mühsam über das zuständige Landesministerium besorgen. Deshalb ist auch ein Jahr ins Land gegangen, bis Vieregg jetzt vor dem Stadtrat die Ergebnisse der Untersuchung vorstellen konnte. »Die Vorlaufzeiten sind ein bisschen reichlich« Es sei ein "nicht ganz unkompliziertes" Projekt gewesen, sagte er am Dienstagabend. Der Einsatz weiterer Verkehr-Fachleute sei nötig gewesen. Deren Rechnungen am Computer überprüfte Vieregg aber auch ganz analog. An einem Tag im November filmte er die Situation an den Bahnübergängen auf der Oerlinghauser und der Holter Straße sowie der Bahnhofstraße und stoppte die Zeiten. Auch dabei wurde Vieregg deutlich: "Die Vorlaufzeiten sind ein bisschen reichlich." Vier Kilometer vor SHS überfahren die Züge einen Signalpunkt, an dem die Schrankenschließungen ausgelöst werden. Dabei werden Bremswege im Notfall berücksichtigt. Bei der Berechnung zugrunde gelegt wird die Annahme, dass die Sennebahn mit 100 km/h durch SHS rauscht, ohne am Bahnhof Schloß Holte zu stoppen. Doch alle fahrplanmäßigen Züge halten dort. Was kann man also tun? Es müssen zwei unterschiedliche Signalsteuerungen eingebaut werden. "Das ist laut DB-Richtlinien zulässig", das hat Martin Vieregg recherchiert. Und er hat auch zwei Präzedenzfälle in München gefunden, wo S-Bahn und ICE auf denselben Gleisen fahren. Die Kosten für die Umbaumaßnahmen in SHS gibt er grob mit 300.000 bis 400.000 Euro an, die die Bahn übernehmen muss, wenn das Land sie beauftragt. Und deshalb muss die Stadt jetzt so schnell wie möglich das Land zu diesem Schritt bewegen. Selbst bei der Bahn aktiv zu werden, davon rät Martin Vieregg ab, der eben auch bei der DB "eine gewisse Starrheit" festgestellt hat. Reagiert die Landesregierung flott, könnte das Stauchaos vor den geschlossenen Bahnschranken schon in einem Jahr gemildert sein. Die Lösung aller Probleme stellte der Münchener am Dienstagabend im Stadtrat auch vor: Die Bahnstrecke wird tiefer gelegt. Kosten: 30 bis 50 Millionen, die Stadt müsste sich daran beteiligen. Da musste im Rat doch so mancher hüsteln. Zumal Vieregg noch preiswertere Lösungen anbieten konnte, wie man zusätzlich zu dem Umbau der Signalanlagen für einen besseren Verkehrsfluss sorgen könnte. Zum Beispiel mit einer Art Bypass mit einer Brücke von der Oerlinghauser Straße über den Bahndamm zur Bahnhofstraße (10 Millionen). Oder einem Bypass ohne Brücke bis zur Kaunitzer Straße (1 Million). Oder durch die Verlängerung von Abbiegespuren oder weiter verbesserte Ampelschaltungen auf der Kreuzung Holter/Kaunitzer Straße. Viele Infos, die die Politiker erst einmal verdauen müssen. Sie haben dazu vorläufig bis zum 27. Februar Zeit. Dann tagt der Ordnungsausschuss.

realisiert durch evolver group