Wilde Katzen: Die im Weiberkarneval entstandenen und von Melanie Müller trainierten "Surprise Dancer" haben die Besucher in der Schützenhalle mit ihren tänzerischen Ausflügen in den Dschungel verzaubert. In ihrem aufwendigen Kostümen und Bemalungen sind die Tänzerinnen kaum wiederzuerkennen. - © Karin Prignitz
Wilde Katzen: Die im Weiberkarneval entstandenen und von Melanie Müller trainierten "Surprise Dancer" haben die Besucher in der Schützenhalle mit ihren tänzerischen Ausflügen in den Dschungel verzaubert. In ihrem aufwendigen Kostümen und Bemalungen sind die Tänzerinnen kaum wiederzuerkennen. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Goldmedaille für den Pfarrkarneval

Bühnenshow: Karnevalisten ziehen mit der Olympischen Flagge durch die Stadt. Entzündet wird sie vor der Stukenbrocker Schützenhalle. Die Letzten Drücker überraschen die Poppnasen

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Lang ist sie, die Kattenheide. Sehr lang. Und deshalb war der Bart von Christian Nagel, als er rennend endlich das Ende erreicht hatte, auch deutlich gewachsen. Einen noch viel weiteren Weg hatte die Olympische Flagge in den vergangenen Monaten auf ihrem Weg durch die Stadt zurückgelegt. Vom Bürgermeister bis zum Kuhkämper hatten sich alle als Träger einspannen lassen. Zügig ging es voran, nur einer, der stand und stand und stand. Mit den karnevalistischen Winterspielen waren die Stukenbrocker Jecken ihrer Zeit mal wieder deutlich voraus. Während die ersten Medaillen in Pyeongchang ab dem kommenden Freitag verliehen werden, gab es für den wieder einmal so liebevoll gestalteten und begeisternden Pfarrkarneval in der Stukenbrocker Schützenhalle am Ende nur eine gerechte Platzierung. Ganz oben auf dem Siegertreppchen hätten wohl sämtliche Akteure gestanden und sich die goldene Medaille umhängen lassen dürfen, würden die wahrlich sportlichen Leistungen in das olympische Programm aufgenommen werden. Rekordverdächtig war schon der Vorverkauf. „Sämtliche 390 Eintrittskarten waren nach wenigen Minuten verkauft“, berichtete Frank Dirkschnieder.»Ich bin eine Stehlampe«, sagt Manfred Bonensteffen Und Karnevals-Maskottchen Stuki war mittendrin, als es endlich losging. Das Graphikteam um Magnus Brock hatte den Hahn mit Stadtlogo-Federn so kreiert, dass er inmitten der aus Skier, Schlitten und einer zum Kassenhäuschen umfunktionierten alten Skigondel bestehenden Dekoration vor und auf der Bühne präsent war. Zum ersten Mal vertreten war dort das „Dream Team“ mit Ilona Pott, Ulrich Teipel und Manfred Bonensteffen. „Ich bin eine Stehlampe“, versuchte letzterer seinem Chef glaubhaft zu machen und schaffte es am Ende tatsächlich, frei zu bekommen, um an den karnevalistischen Winterspielen teilnehmen zu können. Und Ilona Pott, die packte ebenfalls ihre Sachen. Der Grund lag auf der Hand: „Soll ich vielleicht im Dunkeln arbeiten?“ Bevor das abwechslungsreiche Programm startete, waren die „besten Akteure der Welt“ mit ihren „Mannschaften“ friedlich vereint durch die jubelnden Besuchermengen auf die Bühne gezogen, um dort Lampenfieber und Emotionen zu teilen. Magnus Brock war es, der den olympischen Eid sprach, und Christian Nagel, der hob den Gemeinschaftsgedanken hervor. Der sei „stärker, als alle Kräfte, die uns spalten wollen“. Harmonie und vor allem Fröhlichkeit standen über den Bühnen-Spielen. Dort trieben die kfd-Theatertanten den Besuchern die Lachtränen ins Gesicht. Die Moderatoren Christian Nagel und Verena Pauleikhoff konnten auch die „Joke Cookies“ ankündigen. Die hatten eine Selbsthilfegruppe der Wochentage gegründet. Mit dabei: der selbstmordgefährdete Montag, mit dem partout niemand etwas zu tun haben will. Ganz anders die „Poppnasen“. Christian Nagel und Magnus Brock ließen ihr erstes gemeinsames Stück aus dem Jahr 1998 wieder aufleben und spannten erneut das Ermittlerduo Stefan und Harry mit ein, das mit dem Bobbycar vorfuhr.Was ist schon Olympia gegen den Pfarrkarneval Dass Bilder oftmals mehr sagen als 1.000 Worte, zeigte sich beim Emoji-Sketch mit dem völlig sprachlosen „Patienten“ Matthias Kruse und „Therapeutin“ Magnus Brock. Noch bevor sich die beiden umgezogen hatten, erlebten sie und ihre Poppnasen-Mitstreiter eine Überraschung. „Die letzten Drücker“ sagten mit immer wieder neuen Verkleidungen „danke“ für 20 Jahre Poppnasen. Für Aufsehen sorgte auch der Auftritt der von Melanie Müller trainierten „Surprise Dancer“, die mit ihrem tänzerischen Ausflug in den Dschungel einen bleibenden Eindruck hinterließen. Unvergessen dürfte vor allem der Film bleiben, der den Weg der Fackel durch die Stadt zeigte. Etwa ein Vierteljahr war das Material gesammelt und dann geschnitten worden. An allen bekannten Orten der Stadt wurde die Fackel weitergereicht. Nur Magnus Brock, der stand an der Bahnhofs-Schranke. Und das dauert ja . . . 80 Akteure und Helfer des Pfarrgemeinderates und der Kirchengemeinde St. Johannes Baptist wirkten bei der 41. Ausgabe des Stukenbrocker Pfarrkarnevals mit. Dazu gehörten auch die Tänzerinnen von „Let’s fetz“ und der Spielmannszug St. Johannes. Die einen hielten es mit James Bond, die anderen mit fliegenden Trommelstöcken im Schwarzlicht. So oder so ein spritziger Auftritt. Und großartige Spiele, mit denen sich die Winterspiele in Südkorea nun messen müssen.

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